Arzt Schreiben

14 Punkte in Deutsch sind keine Lizenz zum Schreiben

Ansgar Sadeghi
23.11.2021

Freunde und Kollegen sind begeistert, aber Patienten verstehen kein Wort: Viele Texte auf Praxis-Websites wären besser in Fachmagazinen aufgehoben. Als Information für Laien versagen sie dagegen.

Wurzelbehandlung“ ist die bessere „Endodontie“

Nicht selten taucht der Begriff „Endodontie“ auf Websites von Zahnärzten auf. Alle Leute vom Fach wissen Bescheid. Klar, Endotonie ist die Lehre vom Inneren des Zahns. Die meisten Patienten denken: Endo was?

„Besser gleich am Anfang klarstellen, dass es in dieser Abteilung um Wurzelbehandlungen & Co geht – auch wenn das bei Schmerz-sensibleren Patienten vielleicht unangenehme Erinnerungen weckt“, sagt Mira Ross-Büttgen, Content-Expertin bei mediorbis. Für sie gehört es zum Tagesgeschäft, Texte u. a. auf ihre Verständlichkeit zu checken.

Praxiswebsites mit großem Fachchinesisch-Anteil mögen auf den ersten Blick Kompetenz ausstrahlen. Die hat die Praxis bestimmt auch. Die meisten Patienten wollen aber nicht nur verstanden werden, sie wollen vor allem auch verstehen. Ein allzu medizinisches Wording weckt kein Vertrauen in die kommunikativen Fähigkeiten eines Arztes. Wirkt eher abgrenzend und wenig empathisch. Diese Qualifikation steht nicht im Lehrplan, ist den Patienten aber dummerweise sehr wichtig.

33 Prozent wünschen sich verständliche Informationen

Frau, die einen Finger der linken Hand hebt, weil sie gerade etwas verstanden hat.
Patienten wollen Ärzte verstehen.

Eine im Juli 2021 veröffentlichte Studie der Asklepios-Kliniken-Gruppe fragte nach den Eigenschaften eines guten Arztes. 34 Prozent der Befragten antworteten: Er muss erklären können, welche Behandlung zumindest sinnvoll ist. 33 Prozent wünschen sich vom Arzt verständliche Informationen über „Vor- und Nachteile verschiedener Therapiemöglichkeiten“. Wer für seine Praxis eine neue Website bauen oder die alte renovieren lassen will, muss am Anfang hinter einer der folgenden Behauptungen ein Häkchen machen:

  1. Texte sind nicht so wichtig. Das kann auch eine Praxis-Assistenz schreiben.
  2. Ich hatte in Deutsch immer mindestens 14 Punkte, außerdem habe ich schon Beiträge für Fachmagazine verfasst. Die Texte schreibe ich am Feierabend selbst.
  3. Eine schriftliche Interpretation von „Kabale und Liebe“ oder ein Fachartikel sind etwas anderes als allgemein verständlicher, professionell strukturierter und verfasster Web-Content. Ich lasse keine Helferin allein eine Wurzelkanalbehandlung machen. Ich hole mir einen Text-Profi, einen Content Writer.

Bleiwüsten waren früher schon verboten

„Viele“, antwortet Mira Ross-Büttgen auf die Frage nach der Anzahl von Arzt-Websites mit unverständlichen Texten und plädiert in dem Zusammenhang auch dafür, sich nicht in ausgeklügelten Satzkonstrukten auszutoben: „Wichtig sind kurze Sätze und Absätze. Damit passen die Texte zum Internet und der immer kürzer werdenden Aufmerksamkeits-Spanne.“ Sätze, die sich über ein ganzes Handy-Display erstrecken? „Bleiwüste“ hieß das früher in der Texter-Branche. Streng verboten. Mira Ross-Büttgen unterzieht mit ihrem Team medizinische Seiten einem 360º Digitalcheck. Dazu gehört auch eine genaue Analyse der Sprachkultur. Sie fühlt den Websites quasi auf den Zahn.

Beim Texten immer an den Patienten denken

Neben den formalen Mängeln stören bei Texten auf Praxis-Websites häufig inhaltliche. Einige beschreiben Leistungen und Kompetenzen, vergessen aber die Patientenvorteile. Beispiel: Ein Zahnarzt schreibt, dass seine Praxis intraligamentäre Anästhesie anbietet. Er erklärt, dass das Betäubungsmittel bei dieser Anästhesie nicht ins Zahnfleisch gespritzt wird. Es wird stattdessen zwischen den Zahn und die Vertiefung im Kieferknochen injiziert, in der der Zahn verwurzelt ist. Bei allem medizinischen Ehrgeiz verliert der Zahnarzt über die Vorteile kein Wort. Die sind:

  • Der kurze Schmerz während der Injektion kann bei der intraligamentären Anästhesie geringer ausfallen. Gerade Angstpatienten haben oft schon vor der Spritze Angst.
  • Taubheitsgefühle auf Zunge oder Lippen bleiben aus.
  • Die Anästhesie wirkt sehr viel schneller.

Das sind die Informationen, die Patienten interessieren.

Die Suchmaschinen werden es Ihnen danken

Last but not least: Wer im Internet auf sich aufmerksam machen will, tut gut daran, in den Suchmaschinen gefunden zu werden. Wichtig dafür sind Keywords, also die Wörter, nach denen die potenziellen Patienten suchen. Das Suchwort Endodontie wird etwa 4.900-mal im Monat eingegeben. Wurzelbehandlung kommt auf ca. 32.800 Aufrufe.

Bild 1: ©iStock / BrianAJackson , Bild 2: ©iStock / Deepak Sethi

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