Praxisübernahme im Überblick: 11 Fragen, die Sie dem Verkäufer unbedingt stellen sollten

Sie haben Ihre Traumpraxis gefunden und möchten am liebsten sofort den Vertrag unterschreiben? Wir haben wichtige Fragen für Sie zusammengetragen, die Sie dem Verkäufer vor der Praxisübernahme stellen sollten, damit diese reibungslos und ohne böse Überraschungen erfolgt. Nutzen Sie unsere Praxisübernahme-Checkliste für die Praxisnachfolge.


mediSearch Praxis wird übernommen

Wichtiges zur Praxisübernahme

Eine Praxis zu übernehmen ist ein komplexes Vorhaben. Sind Ihnen einige Dinge unklar und es fehlt Ihnen noch der Überblick? Fragen Sie am besten Ihren Vorgänger, denn auch er steckte vor einiger Zeit in Ihren Schuhen und hat sicherlich nützliche Tipps für Sie parat. Wir haben elf wichtige Fragen zusammengetragen, die Sie dem Verkäufer unbedingt stellen sollten.

Die Praxis – Interieur und Verträge

Nicht nur Möbel und Geräte können Sie von Ihrem Praxisvorgänger übernehmen. Auch bereits vorhandene Verträge sind für Sie möglicherweise interessant. Klären Sie frühzeitig ab, was in Ihrer zukünftigen Praxis vorhanden ist und worum Sie sich noch kümmern müssen.


1. Ist das Interieur im Preis inbegriffen?

Informieren Sie sich darüber, welche Möbel und Geräte in der Praxis vorhanden sind, denn normalerweise ist das Interieur im Kaufpreis inbegriffen. Mit dem Verkäufer können Sie jedoch individuell abklären, ob er das Interieur mitnehmen möchte – wenn er z. B. eine neue Praxis an einem anderen Standort eröffnet – und sich dadurch eine mögliche Kaufpreisreduzierung ergibt. Wenn Sie Einrichtung und Geräte neu anschaffen möchten, rechnen Sie mit entsprechenden Kosten.

2. Mietvertrag – gelten dieselben Bedingungen auch für mich?

Erkundigen Sie sich beim Verkäufer, ob dieser bereits Kontakt zum Vermieter hatte und sich nach der Möglichkeit einer Übertragung des Mietvertrags erkundigt hat. Normalerweise besteht für Sie kein Anspruch darauf, den bisherigen Mietvertrag und seine Konditionen mitsamt der Praxis zu übernehmen. Daher ist es wichtig nachzufragen, ob Ihr Vorgänger dem Vermieter bereits Fragen zu einer Übertragung des Mietvertrags zu gleichen Konditionen gestellt hat oder ob dies noch aussteht. Falls Letzteres der Fall sein sollte, sollten Sie den Vermieter kontaktieren und sich informieren, ob Sie neue Konditionen erhalten und somit Ihre Kosten steigen.
Falls Sie eine neutrale Meinung zu Ihrem Mietvertrag suchen, dann kann es hilfreich sein, einen Anwalt zu konsultieren. Des Weiteren beraten auch Ärzteverbände wie der Hartmannbund ihre Mitglieder zu dem Thema Praxisübernahme und Mietvertrag.
Im Prinzip sei die Übernahme eines Mietvertrages aber relativ einfach, da es keine gesetzlichen Regelungen gibt, erklärt Stephan Hinzen von der Wirtschafts- und Finanzberatung Hellweg & Hinzen. Wenn eine Mietvertragsübernahme vereinbart wurde, „sollte der Übernahmevertrag idealerweise eine Passage beinhalten, die festlegt, dass ein Nachfolger in den Mietvertrag einsteigen kann. Außerdem sollte der Mietvertrag noch eine gewisse Restlaufzeit von mindestens zwei Jahren haben.
Ebenfalls sollte festgehalten werden, dass der Vermieter keine wesentlichen Einwände gegen die Übernahme erheben darf. Eine klassische Formulierung in einem Mietvertrag würde lauten: Die Übernahme wird bei Vertragsabschluss zugesichert, es sei denn, es liegen persönliche Gründe des Übernehmers vor, die dagegensprechen. Dies wären zum Beispiel eine Zwangsvollstreckung oder eine Eidesstattliche Versicherung.“

3. Welche weiteren Verträge können übernommen werden?

Erkundigen Sie sich beim Verkäufer, welche Verträge er besitzt. Darunter zählen z. B.:

  • Leasingverträge für medizinische Geräte
  • Telefonvertrag samt Telefonnummer
  • Wartungsverträge
  • Verträge mit Lieferanten
  • Darlehen
  • Internetvertrag

Sobald Sie wissen, welche Verträge abgeschlossen wurden, können Sie entscheiden, welche Sie übernehmen möchten und können.
Generell ist es einfacher und bequemer Verträge zu übernehmen als neue abzuschließen. Insbesondere beim Telefonvertrag macht es Sinn, diesen zu übernehmen, damit Sie auch weiterhin für langjährige Patienten erreichbar sind. Sollten Sie mit dem Vertrag nicht zufrieden sein, können Sie auch einen Wechsel in Betracht ziehen, bei dem Sie die bestehende Rufnummer mitnehmen. Die Mitnahme ist für wenige Euro möglich.
Jede Form von Vertrag, der über die Praxis läuft, müsse im Praxisübernahmevertrag geregelt werden, sagt Frank Hellweg: „Grundsätzlich ist es üblich, Leasinggeräte zu übernehmen, da diese in der Regel relativ neu sind. Wenn der Übernehmer in eine Praxis einsteigt, kann er eher davon ausgehen, dass er ein Gerät weiter benutzen wird, weil es noch relativ jung ist.
Es ist eher unüblich, dass man einen Praxisübernahmevertrag schließt, der festlegt, dass der Leasingvertrag für beispielsweise ein drei Jahre altes Sonographiegerät nicht weitergeführt wird und dieses Gerät nicht übernommen wird.“

Sollten Sie sich bei Verträgen unsicher sein, können Sie sich auch an Anwälte mit dem Schwerpunkt Arzt- und Medizinrecht wenden. Diese können für Sie bestehende Verträge prüfen und bei Fragen weiterhelfen.

4. Versicherungen behalten oder neue Verträge schließen?

Besitzt der Verkäufer Versicherungen, die er womöglich schon zu Beginn seiner Praxisübernahme abgeschlossen hat? Klären Sie mit ihm, welche vorhanden sind, und entscheiden Sie, ob Sie diese übernehmen möchten. Gängige Ärzteversicherungen sind:

  • Praxisinventarversicherung
  • Praxisausfallversicherung
  • Betriebsunterbrechungsversicherung
  • Elektronikversicherung
  • Berufshaftpflichtversicherung

Generell sei es aber nicht zu empfehlen, Versicherungen pauschal zu übernehmen, da diese oft veraltet seien, raten die Experten. Lesen Sie hier mehr zum Thema Praxisversicherungen.
Erkundigen Sie sich auch bei Ihrem Vorgänger, welche Versicherungen er empfiehlt oder bei welchen er von einer Vertragsverlängerung abrät.

Personal und Patienten

Eine Praxis besteht nicht nur aus Mobiliar, Geräten und Verträgen, sondern zum größten Teil aus den Menschen, die dort arbeiten oder täglich ein- und ausgehen. Ausführliche Gespräche mit Ihrem Vorgänger lohnen sich, damit Sie sich ein Bild von Ihren neuen Mitarbeitern und Patienten machen können.

5. Muss ich das Personal übernehmen?

Besprechen Sie auch das Thema der Personalübernahme mit Ihrem Vorgänger und klären Sie, welche Arbeitsverträge bestehen. Normalerweise werden mit dem Kauf der Praxis die Arbeitsverhältnisse auch gesetzlich übertragen.

6. Wie viele Patienten besitzt die Praxis?

Diese Frage ist insbesondere interessant, da die Zahl der Patienten in die Berechnung des Praxiswerts miteinfließt. Der Preis der Praxis setzt sich aus dem materiellen und dem ideellen Wert zusammen. Dabei fließt der Patientenstamm in die Bewertung des ideellen Praxiswerts mit ein und bestimmt somit zu einem Teil den Kaufpreis. Falls Sie genauer nachlesen möchten, wie sich der Praxiswert zusammensetzt, dann lesen Sie unseren Artikel zur Umsatzentwicklung nach der Praxisübernahme.

7. Kann bzw. muss ich die Patienten behalten?

Auch hier bietet sich Ihr Vorgänger als ideale Informationsquelle an. Normalerweise gilt, dass Sie den Patientenstamm von Ihrem Vorgänger übernehmen können. Allerdings müssen Sie eine schriftliche Einverständniserklärung der Patienten einholen, um auch auf deren Akten zugreifen zu können. Solange dies nicht geschieht, ist der Verkäufer an die ärztliche Schweigepflicht gebunden. Sie können mit dem Praxisverkäufer beraten, ob Sie die Einwilligungen noch während seiner Zeit als Praxisinhaber einholen möchten und wie dies geschehen soll: Sie können einen Rundbrief an jeden Patienten schicken oder um eine Unterschrift beim ersten Praxisbesuch nach dem Wechsel bitten.
Allerdings gibt es eine unbürokratische Alternative, weiß Stephan Hinzen: „Die praktikablere und deutlich häufiger verwendete Lösung ergibt sich durch ein konkludentes Handeln. Denn sobald der Patient die Praxis des neuen Arztes betritt, gibt er zu verstehen, dass er hier behandelt werden möchte. Damit hat der praktisch zugestimmt, dass der neue Arzt seine Patientenakte einsehen darf.“

8. Wann und wie sollen Patienten über die Praxisübernahme informiert werden?

Besprechen Sie mit dem Praxisverkäufer, wie und zu welchem Zeitpunkt Sie beide die Patienten über die Übergabe in Kenntnis setzen möchten. Da es nicht nur darum geht, den Patienten einen sympathischen Eindruck von Ihnen zu vermitteln, sondern auch um eine Danksagung Ihres Vorgängers an seine Patienten, sollte der Verkäufer in diesen Prozess miteinbezogen werden.

Fragen zum Verkäufer selbst

Fragen Sie den Verkäufer auch nach seinen beruflichen Absichten nach der Übernahme. Außerdem ist es sinnvoll, fachliche Fragen zu stellen. Wenn Patienten bestimmte Behandlungsmethoden bereits von Ihrem Vorgänger gewöhnt sind, ist es leichter ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.

9. Welche Behandlungsarten bot mein Vorgänger an und wird das in Zukunft auch erfüllt?

Für die Zufriedenheit der Patienten ist es von Vorteil, wenn Sie ähnliche Behandlungsweisen wie Ihr Praxisvorgänger anbieten können, ggf. in verbesserter Form. In einem Gespräch mit Ihrem Vorgänger erfahren Sie womöglich auch, welche Behandlungsarten empfehlenswert wären. Vergessen Sie nicht: Ihr Vorgänger kennt die Patienten länger als Sie und hat einen besseren Einblick in die Wünsche der Patienten.
Inwiefern gleiche Voraussetzungen wichtige Faktoren für einen guten Umsatz sind und was Sie noch alles für eine erfolgreiche Praxis beachten sollten, können Sie in unserem Artikel über den Praxisumsatz nach der Übernahme lesen.

10. Möchte mein Vorgänger als angestellter Arzt weiterarbeiten?

Die Gründe für einen Praxisverkauf können sehr unterschiedlich sein. Es kann der Fall eintreten, dass der Verkäufer nicht mehr die Verantwortung tragen möchte oder kann, aber dennoch ein beständiges Einkommen braucht und vom Arbeitgeber zum Arbeitnehmer wechseln möchte. Klären Sie schon frühzeitig vor der Übernahme, ob Ihr Vorgänger eine Stelle in der Praxis als Angestellter anstrebt – und Sie sich das auch vorstellen können. Der Vorteil für Sie wäre, einen erfahrenen Kollegen an Ihrer Seite zu haben, der die Patienten und die Praxis kennt und Ihnen bei Problemen zu Seite steht.

11. Steht der Verkäufer auch nach dem Verkauf zur Beratung und Vertretung zur Seite?

Mit einer Praxisübernahme kommen nicht nur am Anfang viele unbekannte Dinge auf Sie zu. Auch im Laufe der Zeit können noch Unklarheiten und Schwierigkeiten in Bezug auf Praxis, Personal und Patienten auftreten. Bei auftretenden Fragen und Problemen auf den Rat Ihres Vorgängers setzen zu können, wäre gewiss hilfreich. Klären Sie daher ab, ob der Verkäufer auch nach der Praxisübergabe für Fragen offen ist und Ihnen vielleicht auch als Vertretung zur Verfügung steht.

Checkliste auf einen Blick

Damit Sie beim Gespräch mit Ihrem Vorgänger alle Fragen griffbereit haben, gibt es im Folgenden alle Fragen noch einmal als Übersicht:

  1. Ist das Interieur im Preis inbegriffen?
  2. Mietvertrag – gelten dieselben Bedingungen auch für mich?
  3. Welche weiteren Verträge können übernommen werden?
  4. Versicherungen behalten oder neue Verträge schließen?
  5. Muss ich das Personal übernehmen?
  6. Wie viele Patienten besitzt die Praxis?
  7. Kann bzw. muss ich die Patienten behalten?
  8. Wann und wie sollen Patienten über die Praxisübernahme informiert werden?
  9. Welche Behandlungsarten bot mein Vorgänger an und wird das in Zukunft auch erfüllt?
  10. Möchte mein Vorgänger als angestellter Arzt weiterarbeiten?
  11. Steht der Verkäufer auch nach dem Verkauf zur Beratung und Vertretung zur Seite?

Wir wünschen Ihnen bei Ihrer Praxisübernahme alles Gute und hoffen, dass die Checkliste zu einer reibungslosen Praxisübernahme beiträgt.

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Bilder: Titelbild: ©iSstock / Cecilie_Arcurs; Bild 2: ©iStock / sturti; Bild 3: ©iStock / bowdenimages; Bild 4: ©iStock / RoBeDeRo