Cannabis auf Rezept ID1318680671

Fünf Jahre Cannabis auf Rezept: Bilanz und Ausblick

Ansgar Sadeghi
19.04.2022

Fünf Jahre Cannabis auf Rezept. Eine Erfolgsgeschichte? Irgendwie schon. Cannabis kann bei diversen Krankheiten helfen und der Markt wächst. Aber das Potenzial ist nicht ausgeschöpft und die Herausforderungen bleiben groß. Eine von ihnen hat mit Motivation zu tun, eine andere mit Qualität.

Cannabis wirkt. Aber nicht grenzenlos.

Für Cannabis als Medizin ist der 10. März 2017 in Deutschland ein bedeutender Meilenstein. Damals trat das Gesetz in Kraft, das es Ärzten heute erlaubt, Cannabis auf Rezept zu verschreiben. Die Auflagen sind allerdings streng. Der Patient muss schwer erkrankt sein und es darf keine brauchbare Alternative zum Cannabis geben. Darüber hinaus muss die Aussicht bestehen, dass Cannabis einen spürbar positiven Einfluss auf den Verlauf der Krankheit oder auf schwerwiegende Symptome hat.

Das Bundesgesundheitsministerium nennt als möglichen Anwendungsfall die Schmerztherapie bei chronischen Erkrankungen, Appetitlosigkeit und Übelkeit im Verlauf einer Chemotherapie. Cannabis kann in diesen Fällen helfen. Überschätzen sollte man die Wirkung aber nicht. „Es hilft nicht jedem Patienten, und chronischer Schmerz lässt sich auch nicht einfach abstellen“, sagt Dominik Irnich, Leiter der Schmerzambulanz am Münchner Universitätsklinikum.

Cannabis-Therapie: die Wirkstoff-Zusammenstellung entscheidet

Eine Cannabis-Therapie wirkt keineswegs immer genau gleich. Viel hängt von der Zusammensetzung der Wirkstoffe ab. Zu den wichtigsten gehören die Cannabinoide THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol). THC kann zum Beispiel sedierend wirken und Brechreiz unterdrücken. Dagegen kann CBD Krämpfe lösen, Ängste reduzieren und Entzündungen hemmen. Die unterschiedliche Wirkung der Cannabinoide trägt dazu bei, dass Cannabis vielseitig einsetzbar ist. „Diese Vielseitigkeit ist einer der Gründe für das große Potenzial von Cannabis“, sagt Nabil Khayat, einer der Gründer des Ärzteportals mediorbis. „Wichtig ist aber, dass Patienten Cannabis stets mit der Wirkstoff-Kombination erhalten, die ihnen am besten hilft.“

Der Markt für medizinisches Cannabis wächst

Kurvenförmiger Pfeil symbolisiert Wachstum

Wirtschaftlich ist medizinisches Cannabis ein Wachstumsmarkt. 2021 verschrieben Mediziner etwa 372.000-mal cannabinoidhaltige Fertigarzneimittel und Zubereitungen. Der dadurch erzielte Umsatz lag bei über 185 Millionen Euro (Quelle). 2018 lag der Umsatz erst bei 74 Millionen Euro mit 185.000 Verordnungen. In Deutschland ist der Anbau von Medizinhanf noch streng limitiert. Drei Unternehmen dürfen seit 2019 die Gesamtmenge von 2,6 Tonnen pro Jahr produzieren. Das deckt den Bedarf nicht einmal annähernd ab. Rund 20,6 Tonnen wurden deshalb 2021 zu medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken importiert.

Für Ärzte ist eine Cannabis-Therapie aufwändig

Für Ärzte ist eine Therapie mit Cannabis aufwändig. Sie müssen das Cannabis für jeden Patienten individuell dosieren und entscheiden, in welcher Form er das Cannabis erhält. Darüber hinaus benötigen sie einen Tresor für die Betäubungsmittel-Rezepte. „Diesen Mehraufwand kann und möchte nicht jeder Arzt leisten“, sagt Branchenkenner Mario Eimuth im Interview für den mediorbis Cannabis Ratgeber. Deshalb findet manch ein Patient nur mit Mühe einen Arzt für eine Cannabis-Therapie. Man wird mehr Ärzte motivieren müssen, mit Cannabis zu therapieren. Es ist eine der Herausforderungen, wenn man das Potenzial von Cannabis für die Medizin ausschöpfen möchte. Eine andere ist aber ebenso wichtig.

Was getan werden muss

„Wichtig sind verbesserte Qualitätsstandards für medizinisch genutztes Cannabis in Deutschland“, sagt Nabil Khayat. Patienten müssen Cannabis jedes Mal in der gleichen, für ihre Therapie optimalen Zusammensetzung erhalten. Das ist heute keineswegs immer gegeben. Auch das verschenkt Potenzial und es wäre schade, wenn es so bliebe. Oder … wenn alles irgendwann endet? Könnte auch das geschehen? Unmöglich ist es nicht. Ob sich Cannabis auf Rezept dauerhaft durchsetzt, hängt nicht zuletzt von den Ergebnissen der Begleiterhebung ab. Sie endete am 31. März 2022.

Bild 1: ©iStock / janiecbros , Bild 2: Dilok Klaisataporn

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