Was ist Cannabis-Medizin?

Cannabis-Medizin nennt man Arzneimittel, die Inhaltsstoffe aus der Cannabispflanze enthalten, beziehungsweise Cannabis als Arzneimittel selbst. Die klinischen Wirkungen von Cannabis-Medizin sind in der Regel auf eine Aktivierung der Rezeptoren des endogenen Cannabinoid-Systems zurückzuführen.

Cannabis-Medizin, gerne auch Cannabismedizin geschrieben, ist oft das Mittel der Wahl, wenn Patienten als austherapiert (z. B. Krebs-Patienten) oder therapieresistent gelten, also auf keine konventionelle kurative Behandlung (mehr) reagieren. Die medizinisch interessanten Wirkstoffe des Medizinalcannabis sind vor allem die Cannabinoide. THC (Δ9-Tetrahydrocannabinol), CBD (Cannabidiol) oder CBG (Cannabigerol) sind die bekanntesten.

Cannabinoide bezeichnet eine Gruppe pharmakologisch aktiver Substanzen, die sich affin zu den beiden CannabinoidRezeptoren im menschlichen Körper verhalten. Diese CB1 und CB2 genannten Rezeptoren sind Bindungsstellen für Cannabinoide auf das zentrale Nervensystem (ZNS) und Teil des endogenen Cannabinoid-System (ECS). CB1 sind hauptsächlich in Regionen des ZNS vorzufinden, die für Motorik, Schmerzempfinden und Lernen zuständig sind. CB2-Rezeptoren kommen vor allem im Immunsystem und in bestimmten Lymphozyten vor.

THC wirkt psychoaktiv und ist für die berauschende Wirkung im Cannabis verantwortlich. Deshalb sind medizinische Cannabisprodukte mit einem THC-Gehalt von über 0,2 Prozent in Deutschland aktuell nur mit einem CannabisRezept und nur in der Apotheke, auch Online-Apotheke, zu erhalten. CBD hingegen ist in Deutschland auch rezeptfrei erhältlich, hat eine große Fangemeinde und ist für eine Vielzahl an Heilwirkungen bekannt. Als Arzneimittel ist es jedoch nicht zugelassen, sondern nur als Zusatzstoff in wenigen Medikamenten gegen sehr seltene Epilepsieerkrankungen und als Spasmolytikum bei multipler Sklerose.

CBG wirkt wie CBD ebenfalls nicht psychoaktiv und gilt genauso zurzeit noch als Nahrungsergänzungsmittel. Seine pharmakologischen Eigenschaften werden bisher nur in der Komplementär-Medizin genutzt. Immer mehr Ärzte sehen jedoch generell in den Inhaltsstoffen von Cannabis sogar das Potenzial für eine Anwendung als primäre Medizin.

THC und CBD: Cannabis als Medizin

Cannabis als Medizin: Verschiedene Cannabis-Produkte, zum Beispiel getrocknete Cannabisblüten
Cannabis wird vermehrt als Medizin eingesetzt.

Cannabis als Medizin und seine Wirkung auf das ECS werden seit mehr als zwanzig Jahren erforscht. Für einige Indikationen besteht bereits eine gute Dokumentation, für viele weitere stehen Forschungsergebnisse aber noch aus. Trotzdem wird Cannabis-Medizin immer häufiger verschrieben.

Für die medikamentöse Anwendung extrahiert man die interessanten Cannabinoide aus der Hanfpflanze extrahiert, um sie als Tropfen oder Kapseln peroral einzunehmen, oder man führt sie über die getrockneten (fermentierten) Cannabisblüten und ihre blütennahen Blätter mittels Vaporizer respirativ zu. Auch die Zubereitung von Dekokten aus medizinischem Cannabis ist möglich (nicht zu verwechseln mit frei verkäuflichem Hanftee auf Basis des Hanfblatts und -stängels).

Bis heute wurden weit über 100 verschiedene Cannabinoide entdeckt. Die besterforschten mit den meisten bekannten Wirkungen sind bisher THC und CBD. Die Bestandteile variieren teils stark, je nach den unterschiedlichen Cannabissorten. Betrachtet man den Sativa-Indica-Unterschied, fällt beispielsweise folgendes auf:

  • Sativa-Sorten: Hoher Anteil CBD, geringer Anteil THC > Cannabis-Medizin-Wirkung = zerebrales High, Steigerung der Kreativität und Konzentration, Appetit anregend, Übelkeit unterbindend, Müdigkeit vertreibend
  • Indica-Sorten: Hoher Anteil THC, geringer Anteil CBD > Cannabis-Medizin-Wirkung = körperliches High, beruhigend, entspannend, krampflösend, schmerzlindernd, entzündungshemmend

Sativa-Wirkung und Indica-Wirkung unterscheiden sich demnach deutlich voneinander. Je nach Indikation wird der erfahrene Cannabis-Arzt eine der vielen verschiedenen medizinischen Cannabissorten (z. B. Haze-Sorten) mit geeigneter Zusammensetzung auswählen und auch die Dosierung in der Verschreibung festlegen.

Medizinalcannabis als Therapiealternative

Laborantin steckt Medizinalcannabis in Reagenzglas.
Medizinalcannabis sollte am besten vaporisiert werden.

Seit 2017 darf in Deutschland Medizinalcannabis als Therapiealternative bei Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen verschrieben werden. Auch ohne die Kostenübernahme durch die Krankenkasse kann man seitdem als Selbstzahler mit Privatrezept legal Cannabis kaufen. Eine Abgabe von Cannabis-Medizin erfolgt ausschließlich über die Apotheken in Form von Tropfen, Kapseln oder Blüten. Cannabinoide sind fett- jedoch nicht wasserlöslich und sollten deshalb – je nach Aufbereitungsform – mit fetthaltiger Nahrung wie Joghurt oder Speiseöl, aufgenommen werden.

Beim Konsum von Medizinalcannabis als Marihuanas (= Cannabisblüten) empfiehlt es sich, diese nicht zu rauchen, sondern zu vaporisieren. Die Blüten sollte der Anwender dafür idealerweise zunächst mit einem Grinder homogen zerkleinern und dann bei geregelter Temperatur mit einem Vaporizer verdampfen. Auch negative Auswirkungen durch Tabak entfallen dabei. Dieser kontrollierte Cannabis-Konsum auf Rezept hat nichts mit einem missbräuchlichem Drogenkonsum wie Hasch kiffen zu tun.

Cannabis-Medizin Dronabinol: Dosierung immer patientenindividuell

Cannabis-Medizin Dronabinol: Cannabispflanze mit THC-Molekül-Formel.
Dronabinol kann bei falscher Dosierung starke Nebenwirkungen haben.

Der internationale Name für das psychoaktive THC ist Dronabinol. Es ist die wirkungsvollste Substanz der Hanfpflanze und fällt ab einem Gehalt von 0,2 Prozent unter das Arznei- und Betäubungsmittelgesetz. Patienten können das Arzneimittel deshalb nur per Rezept von Ärzten, die Cannabinoide verschreiben, in einer sogenannten Cannabis-Apotheke beziehen. Es ist ein spezielles Cannabis-Rezept, ein Betäubungsmittel-Rezept, erforderlich. Ärzte erhalten die Formulare für BtM-Rezepte von der Bundesopiumstelle.

Dronabinol wird in der Regel als Tropfen oder Kapseln verschrieben und kann peroral oder respirativ eingenommen werden. Dabei muss die angegebene Dronabinol-Dosierung unbedingt eingehalten werden, da die THC-haltige Cannabis-Medizin anderenfalls unangenehme Nebenwirkungen verursachen kann. In der Regel wird mit einer geringen Anfangsdosis gestartet, um die Dosierung dann schrittweise – unter ärztlicher Begleitung und Aufsicht – zu steigern, bis die patientenindividuell optimale Balance zwischen Wirkung und Nebenwirkung erzielt ist.

Cannabis-Legalisierung Deutschland: Cannabis-Medizin für alle?

Cannabisblätter eingefärbt als Deutschlandflagge, symbolisch für das Thema Cannabis-Leagalisierung Deutschland
Die Cannabis-Legalisierung in Deutschland ist in den letzten Zügen.

Die Cannabis-Legalisierung in Deutschland ist beschlossene Sache. Die endgültige Ratifizierung des Gesetzes wird voraussichtlich aber noch etwas dauern, denn es müssen noch einige Fragen rund um das komplexe Thema der wertvollen Wirkstoffe geklärt werden. Offen sind unter anderem Fragen den Jugendschutz oder Regelungen für den Straßenverkehr betreffend. Auch wird derzeit noch über eine Höchstgrenze für das noch gänzlich verbotene THC mit einer Konzentration von über 0,2 Prozent (bisher nur auf Rezept als Cannabis-Medizin erhältlich) diskutiert.

Eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland ist jedoch für spätestens Mitte des Jahres 2023 zu erwarten.

Natürliche Heilmittel: Medizin aus der Natur

Cannabis-Medizin: Symbole für Heilmittel - Medizin;  Stethoskop im Hintergrund.
Hanf erhält als Heilmittel in der Medizin immer mehr Anerkennung.

Hanf als Heilmittel: Medizin-Option mit großen Zukunftsaussichten – das ist Cannabis auf jeden Fall. Der Markt ist in den vergangenen Jahren weltweit rasant gewachsen und steht doch erst ganz am Anfang. Die Cannabis-Wirkung beruht vor allem auf der Aktivierung der körpereigenen endogenen Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2, die das zentrale Nervensystem beeinflussen. CB1 findet man mehrheitlich in für Motorik, Schmerzempfinden aber auch Lernen zuständigen Regionen. CB2 kommen vor allem in bestimmten Lymphozyten und dem Immunsystem vor. Cannabis-Medizin werden entspannende, angstlösende, antiemetische, appetitanregende, schmerzlindernde sowie muskelentspannende Eigenschaften zugeschrieben.

Kein Wunder also, dass Cannabisprodukte gegen neuropathische und entzündungsbedingte Schmerzen (Rückenschmerzen, Rheuma, Arthrose), Übelkeit / Appetitverlust (Chemotherapie, AIDS) oder bei bestimmten Spastiken eingesetzt wird. Außerdem wirkt Cannabis-Medizin als entzündungshemmendes, beruhigendes Heilmittel unter anderem bei Neurodermitis und Schlafstörungen.

Mehr zu Cannabis-Wirkung und -Anwendungen können Sie auch bei Praktisch Arzt nachlesen.

Die Cannabis-Pflanze hat eine lange Tradition

Cannabis-Pflanze für Cannabis-Medizin
Die Cannabis-Pflanze gehört zu den uralten Kulturpflanzen.

Es ist bald einfacher zu beantworten, was die Cannabis-Pflanze (Hanf) nicht kann. Als eine der ältesten Nutzpflanzen der Erde wird sie seit vielen tausend Jahren umfänglich eingesetzt und in letzter Zeit auch bei uns in Westeuropa wieder entsprechend gewürdigt. Ihre Fasern werden für Seile, Papier, Baustoffe und Textilien genutzt. Aus ihrem Samen erhält man wertvolles Hanföl, reich an den mehrfach ungesättigten Fettsäuren Omega-6 und Omega-3, sowie vielen Vitaminen und Spurenelementen. Ihre Blüten und blütennahen Blätter beinhalten die pharmakologisch relevanten Wirkstoffe für Cannabis-Medizin. Die Cannabis-Pflanze ist extrem vielseitig und kann komplett verwertet werden, sie nutzt als Nahrungsmittel, Heilmittel / Medizin und vieles mehr.

Cannabismedizin gegen Schmerzen

Cannabisprodukte: Frau bekommt gegen ihre Schmerzen Cannabistropfen in ihre Tasse.
Cannabisprodukte können bei Schmerzen positiv unterstützen.

Es gibt immer mehr Hinweise auf therapeutische Erfolge beim Einsatz von Cannabisprodukten gegen Schmerzen als primäre Arzneimittel. Aktuell sind die Studien jedoch noch nicht ausreichend, um die Wirkung von Cannabis-Medizin als Primärtherapie hinlänglich zu belegen. Da die Indikationen für Cannabis-Medizin jedoch nicht spezifiziert sind, werden Cannabisöle und -salben immer häufiger als Medikament bei Schmerzen generell oder speziell Nervenschmerzen / Rückenschmerzen verschrieben.

Weitere Informationen erhalten Sie auch bei der Patienten Information, ein Service im Auftrag der Bundesärztekammer und Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Gut zu wissen: Wenn von Hanföl gegen Rückenschmerzen die Rede ist, sollte es präziser beispielsweise CBD-Öl heißen. Denn bei Hanföl handelt es sich streng genommen um das Speiseöl, das aus Hanfsamen gepresst wird. In der Schmerztherapie hingegen, werden Cannabinoid-Extrakte – aufgelöst in Öl – eingesetzt. Auf die Frage „Was ist Cannabisöl?“ kann es also ganz unterschiedliche Antworten geben. Und auch die Cannabisöl-Wirkung ist entsprechend zu differenzieren.


Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zu einem Gesundheitsthema und dient somit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls einen Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen unsere Redakteure nicht beantworten.

Bildquellen zum Ratgeber: „Cannabis-Medizin? Cannabis-Medizin!“

Beitragsbild: iStock.com/Amax Photo, Foto 1: iStock.com/LPETTET, Foto 2: iStock.com/CasarsaGuru, Foto 3: iStock.com/Aleksandr_Kravtsov, Foto 4: iStock.com/PromesaArtStudio, Foto 5: iStock.com/everythingpossible, Foto 6: iStock.com/Dolores Preciado, Foto 7: iStock.com/Ivan-balvan

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