Was ist Krebs?

Krebs bezeichnet die unkontrollierte Vermehrung und das wuchernde Wachstum von Zellen in Form einer bösartigen Gewebeneubildung oder einem bösartigen Tumor. Bösartig meint, dass neben der Zellwucherung auch gesundes Nachbargewebe zerstört und Tochtergeschwülste gebildet werden.

Die Überlebenszeit von Krebs-Erkrankten hat sich dank neuer Erkenntnisse in der Molekularbiologie und daraus ableitenden Therapieformen erheblich verbessert. Trotzdem verbreiten Tumorerkrankungen nach wie vor einen ganz besonderen Schrecken und werden mit einer kriegerischen Metaphorik belegt: Der Krebs muss „besiegt“ oder „bekämpft“ werden. Und bei geheilten Patienten sprechen wir von „Überlebenden“.

Wie entsteht Krebs?

„Keine“ notierte der altägyptische Arzt Imhotep in seinen medizinischen Fallgeschichten. „Keine“ war Imhoteps Antwort auf die Frage, welche Therapie bei einer Krebserkrankung empfehlenswert sei. Der alte Ägypter war allerdings auch weit entfernt davon zu verstehen, was diese Krankheit eigentlich ausmacht.

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Damit der Körper wachsen und sich Gewebe (wie die Haut) ständig erneuern können, müssen sich Zellen teilen, das nennt sich in der Fachsprache Mitose. Dabei können Fehler passieren. Das wissen wir seit der Forschung des Pathologen Rudolf Virchow im 19. Jahrhundert: Er fand heraus, dass Krebszellen nicht einfach neu entstehen oder durch Bakterien in den Körper gelangen. Krebs bildet sich aus ehemals gesunden Zellen, die erkranken und sich dadurch verändern. Neben äußeren, erbgutschädlichen Einflüssen wie Tabakrauch oder Viren, die für entzündliche Prozesse im Körper sorgen, spielt auch das Erbe unserer Gene eine Rolle bei der Veranlagung für Krebs. Wenn Zellen also entarten, kann sich neues Gewebe bilden, das nicht normal ist. Eine solche Geschwulst oder Schwellung ist überall im Körper möglich. Mediziner bezeichnen das abnormale Gewebewachstum als Tumor.

Krebs: Ärztin erklärt Krebs-Eigenschaften: gutartig oder bösartig?
Ärztin erklärt Krebs-Eigenschaften.
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Was ist ein Tumor? Was ist ein Karzinom? Was sind Krebs-Eigenschaften?

Das Wort Tumor enthält keinerlei Bewertung, denn Tumoren können sowohl gutartig als auch bösartig sein. Ein Tumor im Bauch ist genauso ein Tumor wie ein Tumor im Kopf. In der Medizin bedeutet das Wort Tumor lediglich Schwellung oder Neubildung. Korrekterweise ist im Fachjargon entweder von einem gutartigen (benignen) oder einem bösartigen (malignen) Tumor die Rede. Korrekt ist übrigens der Plural Tumoren, obwohl sich umgangssprachlich Tumore durchgesetzt hat.

Ein Synonym für Tumor ist Geschwulst. Falsch ist dagegen der Begriff Geschwür. So wird ein tiefer Hautdefekt bezeichnet, der nicht durch eine Verletzung entstanden ist. Auch ein Ödem ist nie ein Tumor. Ödeme sind Gewebeschwellungen durch die Einlagerung von Flüssigkeit.

Ob Organe, Weichteile, Drüsen oder Knochen, in jedem Gewebe können sich sowohl gut- als auch bösartige Wucherungen bilden. Manchmal entsteht aus einer zunächst gutartigen Veränderung auch Krebs. Bekannt dafür sind Darmpolypen, die häufig eine Vorstufe von Darmkrebs sind.

Gutartige Tumoren und Krebstumoren unterscheiden sich in wesentlichen Punkten.

Krebs: Operative Entfernung von einem gutartigen Tumor.
Operative Entfernung von einem Tumor.
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Krebs: Gutartige oder benigne Tumoren

Ein gutartiger Tumor / Krebs dringt nicht in fremdes Gewebe ein, es kann fremdes Gewebes aber beim Wachsen verdrängen. Die Zellen eines gutartigen Tumors unterscheiden sich kaum von denen des Ursprunggewebes. Mediziner sprechen von „differenzierten Zellen“.

Viele der benignen Tumoren sind von einer Kapsel aus Bindegewebe umgeben, sie lassen sich dadurch gut herausoperieren. Gutartige Tumoren bilden auch keine Ableger (Metastasen) an anderen Stellen des Körpers. Ist der Tumor entfernt, wächst er normalerweise nicht von neuem. Nach der Operation ist keine weitere Tumor-Therapie nötig. Der Patient gilt als geheilt.

Ein gutartiger Tumor beeinträchtigt den Zustand des Betroffenen nicht generell, außer wenn er etwa auf Strukturen im Körper drückt und deren Funktion behindert.

Krebs: Maligne Tumoren weisen eine abnormale Wewebemasse auf.
Abnormale Gewebemasse.
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Krebs: Bösartige oder maligne Tumoren (Malignome)

Bösartige oder maligne Krebs-Tumoren (maligne Erkrankung) charakterisiert, dass sie das umliegende Gewebe durchdringen und zerstören. Ist malignes Gewebe nach außen abgeschlossen und das umliegende Gewebe noch nicht betroffen, spricht die Medizin von einem Carcinoma in situ (dt.: Krebs am Ursprungsort). Bleibt der Tumor am Ursprungsort, heißt es, der Krebs bleibt stumm (ruhende Krebszellen).
Krebszellen haben kaum Ähnlichkeit mit dem Gewebe, aus dem sie ursprünglich stammen. Das Ursprungsgewebe kann aber Einfluss darauf haben, wie schnell ein Tumor wächst. Darmkrebs zum Beispiel gilt als sehr langsam wachsende Krebsentität (Krebsart).

Allgemein beschreibt die Tumorverdopplungszeit (TVDZ), in welchem Zeitraum sich das Volumen eines Tumors verdoppelt. Für kleinzellige Bronchialkarzinome werden Verdopplungszeiten von 50 bis 100 Tagen angegeben, für die nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinome wird angenommen, dass sie sich etwa alle 100 bis 300 Tage verdoppeln. Die TVDZ kann sich im Laufe der Krankheit auch verändern.

Die Tumorzellen verschmelzen mit dem Gewebe, da Krebs so gut wie nie verkapselt ist. Der Chirurg erwischt daher selten sämtliche Krebszellen, oder die OP zerstört sehr viel umliegendes Gewebe. Nach einer Operation sind fast immer spezielle Tumor-Therapien nötig, etwa eine Chemotherapie oder Bestrahlung. Krebszellen dringen in Blutgefäße ein, verteilen sich so im ganzen Körper und bilden Tochtergeschwülste, die berüchtigten Metastasen. Krebs neigt zu Rezidiven, das heißt, dass er nach zunächst erfolgreicher Behandlung zurückkehrt.

Der Allgemeinzustand des Patienten verschlechtert sich zunehmend, wenn Krebstumoren wachsen.

Krebs: Osteosarkom im Knochen
Sarkom: Knochenkrebs.
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Tumor-Definition: solide Tumoren

Bösartige Tumoren können sich in allen Körpergeweben entwickeln. Grundsätzlich wird hier zwischen den beiden Formen solide Tumoren und systemischen Krebserkrankungen unterschieden: Solide Tumoren setzen sich in einem Organ örtlich fest. Sie untergliedern sich wiederum in die Gruppen Blastome, Karzinome und Sarkome.

Blastom-Definition

Blastome heißen auch embryonale Tumoren. Sie kommen bei Kindern und Jugendlichen vor und sind während der Entwicklung von Organen und Geweben im Mutterleib entstanden.

Karzinom-Definition

Karzinome sind häufige bösartige Tumoren. Sie entstehen in den Organen, oft in Drüsen. Für den antiken griechischen Arzt und Lehrer Hippokrates hatten die Tumoren seiner Patienten gerade in der Brust entfernte Ähnlichkeit mit Krebsbeinen – von der Art, wie sie sich ausbreiten, aber auch, weil Geschwülste im Vergleich zum umliegenden Gewebe relativ hart sind – und er gab damit der Krankheit den Namen: Karkinos – Krebs. Vier von fünf bösartigen Tumoren sind ein Karzinom. Dazu zählen zum Beispiel das Mammakarzinom (Brustkrebs), das Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs), Lungenkrebs (Lungenkarzinom oder Bronchialkarzinom), Darmkrebs (Kolonkarzinom oder Rektumkarzinom) oder das Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs). Beim Hautkrebs unterscheidet man den weißen Hautkrebs (Basalzellkarzinom oder Plattenepithelkarzinom) vom bösartigen schwarzen Hautkrebs (Malignes Melanom).

Sarkom-Definition

Sarkome sind seltene bösartige Tumoren des Weichteilgewebes, das heißt, dass Bindegewebe, die Muskeln oder das Fettgewebe betroffen sind. Mediziner unterscheiden Knochentumoren (Osteosarkom) und Weichteilsarkome. Da Sarkome aggressiv wachsen und oft in die Blutgefäße eindringen, ist das Risikio groß, dass sich Metastasen bilden. Allerdings sind nur etwa ein Prozent der bösartigen Tumoren Sarkome.

Krebs: Systemische Krebserkrankung: Chronische myeloische Leukämie (CML) unter dem Mikroskop.
Systemische Krebserkrankung: Leukämie.
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Systemische Krebserkrankungen

Im Gegensatz zu den soliden Tumoren, die sich zunächst auf ein Organ beschränken, sind systemische Krebsereignisse von Anfang an eine Erkrankung des ganzen Organismus wie das Blutsystem oder das Lymphsystem. Daher zählen der Blutkrebs (die Leukämie) und der Lymphdrüsenkrebs (die Lymphome) zu dieser Krebsform.

Krebsentitäten: Welche Krebsarten gibt es?

Mehr als 300 verschiedene Krebsarten und Tumore sind bekannt. Krebsgeschwulste sind nicht auf bestimmte Zelltypen angewiesen und können praktisch überall im Körper auftreten. Die mit Abstand häufigste Krebsentität bei Frauen ist Brustkrebs mit etwa 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Männer erkranken am häufigsten an Prostatakrebs (ca. 65.000 Neuerkrankungen pro Jahr). Lungen- und Darmkrebs stehen bei beiden Geschlechtern auf den Plätzen 2 und 3.

Wie gut die Überlebenschancen sind, hängt oft davon ab, in welchem Stadium der Krebs entdeckt wird.

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Krebs-Tote Deutschland

232.700 Frauen und 265.200 Männer erkranken in Deutschland jährlich an Krebs (gesamt 497.900, Stand 2018). 104.791 Frauen und 124.274 Männer starben daran (gesamt 229.065). Zahlen über alle anderen denkbaren Geschlechtsidentitäten werden nicht erfasst.

(Quelle: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Krebs_gesamt/krebs_gesamt_node.html;jsessionid=D1CA6F0AD2EF75ABE7425C17BA0480EE.internet072)

Krebs: Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern.
Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern.
©iStock / funky-data

Die häufigsten Krebs-Arten bei Männern (Neuerkrankungen pro Jahr)

  1. Prostatakrebs 65.200 (10-Jahrestendenz: + 2,8 %)
  2. Lungenkrebs 35.290 (+ 3,9 %)
  3. Darmkrebs 33.920 (– 4 %)
  4. Harnblasenkrebs 13.500 (+ 4,8 %)
  5. Malignes Melanom der Haut 12.010 (+ 34,8 %)
  6. Non-Hodgkin-Lymphome 10.190 (+ 40,2 %)
  7. Pankreaskrebs 9.860 (+ 33,4 %)
  8. Krebs von Mundhöhle und Rachen 9.820 (+ 3,2 %)
  9. Nierenkrebs 9.350 (+ 4,4 %)
  10. Magenkrebs 9.200 (– 0,1 %)
  11. Leukämien 6.870 (+ 8,4 %)
  12. Speiseröhrenkrebs 5.710 (+ 19 %)
  13. Hodenkrebs 4.160 (+ 4,8 %)
  14. Kehlkopfkrebs 2.770 (– 23,3 %)
  15. Schilddrüsenkrebs 1.930 (+ 12,9 %)
  16. Morbus Hodgkin 1.440 (+ 24,1 %)

Krebserkrankungen Männer gesamt: 265.170

(Stand 2018, Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft)

Krebs: Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen.
Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen.
©iStock / funky-data

Die häufigsten Krebs-Arten bei Frauen (Neuerkrankungen pro Jahr)

  1. Brustkrebs 69.900 (10-Jahrestendenz: – 2,5 %)
  2. Darmkrebs 25.710 (– 14,4 %)
  3. Lungenkrebs 21.930 (+ 40,8 %)
  4. Malignes Melanom der Haut 10.880 (+ 22,4 %)
  5. Gebärmutterkörperkrebs 10.860 (– 3,7 %)
  6. Pankreaskrebs 9.160 (+ 21 %)
  7. Non-Hodgkin-Lymphome 8.280 (+ 28,8 %)
  8. Eierstock- und Eileiterkrebs 7.300 (– 6,3 %)
  9. Magenkrebs 5.560 (– 16,5 %)
  10. Nierenkrebs 5.480 (– 1,1 %)
  11. Leukämien 5.310 (+ 4,5 %)
  12. Harnblasenkrebs 4.770 (+ 5,8 %)
  13. Krebs von Mundhöhle und Rachen 4.490 (+ 28,7 %)
  14. Gebärmutterhalskrebs 4.320 (– 11,5 %)
  15. Schilddrüsenkrebs 4.270 (+ 2,6 %)
  16. Speiseröhrenkrebs 1.840 (+ 33,3 %)
  17. Morbus Hodgkin 1.100 (+ 19,6 %)
  18. Kehlkopfkrebs 540 (+ 5,5 %)

Krebserkrankungen Frauen gesamt: 232.720

(Stand 2018, Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft)

Krbs: Rosa Brustkrebs-Schleife
Die meisten Brustkrebs-Erkrankungen sind heilbar.
©iStock / Hiraman

Brustkrebs (Mammakarzinom)

Brustkrebs entsteht meist aus Zellen, die an der Funktion der Milchdrüsen beteiligt sind. Das Hormon Östrogen spielt dabei eine wichtige Rolle: Vor allem in der Pubertät und der Schwangerschaft regt es Stammzellen in den Milchdrüsen dazu an, sich massiv zu vermehren. Dieser natürliche Prozess kann eine fatale Wendung erfahren, wenn Genmutationen eine Reihe von Krebsgenen aktivieren: Die Zellen beginnen unkontrolliert zu wachsen und bilden Tumore.

Es sind vor allem zwei Arten von Zellen, die an der Entstehung von Brustkrebs beteiligt sind. In mehr als 80 Prozent der Fälle stammen die Tumoren von Epithelzellen ab, die das Innere der Milchgänge auskleiden. Das Wachstum dieser sogenannten duktalen Karzinome hängt oftmals stark von Hormonen ab. Seltener (in etwa 10 bis 15 % der Fälle) geht der Brustkrebs von Zellen der Drüsenläppchen aus. Diese Form wird lobuläres Karzinom genannt.

Rechtzeitig erkannt, sind die meisten Brustkrebserkrankungen heilbar. Die Zahl der Sterbefälle sinkt seit Jahrzehnten kontinuierlich, obwohl mehr Frauen an Brustkrebs erkranken. Fünf Jahre nach der Diagnose sind 87 Prozent der Patientinnen noch am Leben.

Häufigkeit

Bei etwa 71.000 Menschen in Deutschland wird pro Jahr Brustkrebs diagnostiziert. 99 Prozent davon sind Frauen. Nur 600 bis 700 Männer jährlich sind davon betroffen. Laut Statistik steigt das Brustkrebs-Risiko mit dem Alter und sinkt ab 75 Jahren wieder leicht ab.

Risikofaktoren

Ein hohes Risiko tragen Frauen, bei denen Mutationen im BRCA1-Gen (Chromosom 17) oder im BRCA2-Gen (Chromosom 13) vorliegen. Kommen Brustkrebserkrankungen gehäuft in der Familie vor, sollte abgeklärt werden, ob Mutationen in diesen Genen vorliegen. Wird eine solche Mutation nachgewiesen, können eine engmaschige Überwachung und regelmäßige Kontrolle das Risiko minimieren. Allenfalls muss auch über eine vorsorgliche Operation gesprochen werden.

Laut Experten spielen Geschlechtshormone bei der Entstehung von Brustkrebs eine gewisse Rolle. So ist die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken größer, je länger die Frau in ihrem Leben einen Zyklus hatte. Je früher die Monatsblutung und je später die Menopause eingesetzt ist, desto mehr steigt das Krebsrisiko. Schwangerschaften und Stillzeiten allerdings wirken sich positiv aus, da in diesen Perioden der Zyklus unterbrochen ist. Die Einnahme der Anti-Baby-Pille erhöht das Risiko eher geringfügig. Dagegen belegen Studien, dass bei einer Hormonersatztherapie (HRT) in den Wechseljahren das Erkrankungsrisiko tatsächlich mit der Zahl der Jahre steigt, in denen eine Frau ihren Hormonmangel künstlich mit Medikamenten ausgeglichen hat.

Auch ein ungesunder Lebensstil mit zu wenig Bewegung und Übergewicht kann das Risiko steigern, an Brustkrebs zu erkranken. Übermäßiger Alkoholkonsum wirkt sich ebenfalls negativ aus. Rauchen und Passivrauchen kann zwar andere Krebsarten verursachen, doch kann es nicht mit der Entstehung von Brustkrebs in Zusammenhang gebracht werden.

Therapie-Optionen

Die Behandlung bei Brustkrebs orientiert sich ganz stark an der Tumorbiologie. Dadurch ist eine Operation nicht mehr zwingend der erste Schritt. Oft kann davor mit einer medikamentösen Behandlung begonnen werden, wodurch sich schon Erfolge erzielen lassen. Chemotherapie und Bestrahlung zählen nach wie vor zu den wichtigsten Säulen der Behandlung. Aber auch andere Therapiemöglichkeiten stehen zur Verfügung. So werden bei hormonempfindlichen Formen von Brustkrebs Antihormone eingesetzt, welche die wachstumsfördernde Wirkung der Sexualhormone unterbinden. Neu ist außerdem die Immuntherapie. Sie verhindert, dass sich Tumorzellen vor dem eigenen Immunsystem verstecken können.

Die hoffnungsvollste Nachricht kommt aus den USA. Dort läuft eine Studie, in der Betroffene mit einem Impfstoff behandelt werden. Er wurde speziell gegen das dreifach negative Mammakarzinom entwickelt: Eine besonders aggressive Form, an der 12 bis 15 Prozent aller erkrankten Frauen leiden und die in den meisten Fällen tödlich endet.

Ihren Namen hat die Krebsform, weil den Tumorzellen drei bestimmte Proteine fehlen, die eigentlich auf Brustkrebs-Zellen vorhanden sind. Bereits vor Jahren wurde festgestellt, dass ein Eiweiß besonders häufig bei dreifach negativen Karzinomen vorkommt: das sogenannte α-Lactalbumin. Auch in gesundem Brustgewebe ist es zu finden, aber nur in der Schwangerschaft und Stillzeit. Die Impfung soll nun das Immunsystem dazu bringen, Zellen mit diesem Eiweiß zu entdecken und zu zerstören. Im Gegensatz zu Chemo- oder Strahlentherapie wird das umliegende Gewebe nicht geschädigt – was von großem Vorteil ist.

Nun hängt alles davon ab, ob die Frauen den Stoff gut vertragen und ob vor allem der Tumor bekämpft wird. Ergebnisse der Studie werden im Herbst 2022 erwartet.

Krebs: Lungenkrebs
Es gibt verschiedene Arten Lungenkrebs.
©iStock / Mohammed Haneefa Nizamudeen

Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)

Die unkontrollierte Vermehrung der Zellen und damit das Entstehen bösartiger Tumore geht meist aus den unteren Atemwegen (Bronchien) hervor. Das Heimtückische: Im weichen, dehnungsfähigen Gewebe des Atmungsorgans kann sich ein Karzinom lange Zeit ungestört ausbreiten, bis die Betroffenen merken, dass etwas nicht stimmt. Ärzte entdecken ihn oft nur zufällig, zum Beispiel wenn die Lunge geröntgt wird. Spätere Anzeichen für Krebs sind Schmerzen im Brustkorb oder eine chronische Bronchitis.

Die Form des Lungenkrebses und das Stadium der Krankheit bestimmen die Weiterentwicklung und die Therapie der Krankheit. Kleinzellige und nicht-kleinzellige Lungenkarzinome sind deutlich verschieden in ihrer feingeweblichen Struktur sowie im Wachstums- und Ausbreitungsverhalten.

Die nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome (NSCLC) entwickeln sich langsamer und metastasieren später. Laut Krebsgesellschaft leben fünf Jahre nach der Diagnose nur mehr 21 Prozent der weiblichen und 16 Prozent der männlichen Patienten.

Besonders düster sind die Aussichten beim schnell wachsenden, kleinzelligen Bronchialkarzinom (SCLC). Es wandert rasch mittels Blutweg und Lymphbahnen in Lymphknoten, Lunge, Skelett, Knochenmark, Leber und Gehirn. Rund 15 Prozent der Lungenkrebspatienten sind von dieser aggressiven Form betroffen. Ihre 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei unter 10 Prozent.

Häufigkeit

In Deutschland erkranken jährlich rund 57.000 Menschen an Lungenkrebs. Er ist damit die dritthäufigste Krebsart.

Risikofaktoren

Rauchen ist zwar Risikofaktor Nummer 1, doch circa 12 Prozent der Betroffenen haben nie Zigaretten konsumiert. Bei ihnen scheinen Passivrauchen und Schadstoffe am Arbeitsplatz wie Asbest laut Experten Auslöser zu sein.

Ein weiterer Faktor ist das Lebensalter. Männer erkranken im Schnitt mit 70 Jahren an Lungenkrebs, Frauen mit 69 Jahren. Das Alter ist auch für die Behandlung von Bedeutung. Wenn man zusätzlich zum Lungenkrebs noch an anderen Erkrankungen leidet, können die Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt sein.

Therapie-Optionen

Wie bei jedem Karzinom ist die Chance auf Heilung bei einer frühen Diagnose am höchsten. Ist der Tumor noch klein, kann bestrahlt oder operiert werden. Gibt es schon Metastasen, erfolgt meist eine Chemotherapie, häufig in Kombination mit einer Immuntherapie.

Krebs-Forschung: Neue Studienergebnisse zu Lungenkrebs

Wissenschafts- / Medizinjournalistin

Dr. rer. nat. Miriam Sonnet

Dr. rer. nat. Miriam Sonnet

Wirkstoff Sotorasib gegen KRASG12C-Mutation

Neue Zulassung bei Lungenkrebs

Die Gabe von zielgerichteten Substanzen ist eine relativ neue Strategie, um Krebserkrankungen zu behandeln. Zielgerichtete Medikamente kommen unter anderem bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs zum Einsatz. Im Januar 2022 wurde ein neuer Wirkstoff zugelassen: Sotorasib richtet sich spezifisch gegen eine bestimmte Veränderung in Lungenkrebszellen, die KRASG12C-Mutation. Diese tritt bei etwa 13 % aller Betroffenen mit nicht-kleinzelligen Lungentumoren auf. Die Zulassung basiert auf den Daten der CodeBreaK100-Studie. Mittlerweile stehen auch neuere Ergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit des Medikaments zur Verfügung.

Jährlich erkranken in Deutschland circa 57.500 Menschen an Lungenkrebs.[1] Experten unterscheiden dabei zwischen „kleinzelligen“ und „nicht-kleinzelleigen“ Tumoren – je nachdem wie die Krebszellen unter dem Mikroskop aussehen.[2] Zur Behandlung kommen, je nach Situation des Patienten und den Eigenschaften des Tumors, Operation, Chemotherapie, Bestrahlung sowie zielgerichtete und immuntherapeutische Strategien infrage.[3]

Zielgerichtete Konzepte zählen zu den neueren Ansätzen. Diese wirken, wie der Name bereits vermuten lässt, ganz gezielt auf die Krebszellen: zum Beispiel auf Veränderungen im Erbgut, die ihr Zellwachstum antreiben. Die Erbgut-Veränderungen führen dazu, dass die Tumoren bestimmte Strukturen auf ihrer Oberfläche ausbilden, welche die zielgerichteten Medikamente angreifen können. Daher sollten Betroffene vor einer Therapie auf diese Veränderungen hin untersucht werden.[4] Vor allem beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs kommen zielgerichtete Substanzen zum Einsatz.

Gezielt gegen KRASG12C

Mittlerweile existieren einige zielgerichtete Behandlungen, die sich gegen verschiedene Veränderungen der Krebszellen richten. Aber nicht alle dieser Mutationen sind tatsächlich angreifbar: Bisher galten zum Beispiel Veränderungen im KRAS-Gen als nicht adressierbar. Das änderte sich kürzlich durch die Zulassung von Sotorasib für die Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms. Das Medikament richtet sich gezielt gegen eine bestimmte KRAS-Veränderung: die KRASG12C-Mutation. Sie ist in etwa 13 % der nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome zu finden. Auch 1–3 % aller Darmkrebs-Patienten tragen eine solche Mutation. Grundlage für die Zulassung waren die Daten der CodeBreaK100-Studie.[5] Mittlerweile gibt es neuere Daten, welche die Wirksamkeit belegen.[6]

Die CodeBreaK100-Studie[5]

Studiendesign: Ziel der CodeBreak100-Studie war es, unter anderem Sicherheit und Effektivität von Sotorasib bei Personen mit verschiedenen Krebserkrankungen, welche die Mutation KRASG12C tragen, zu prüfen. Die Betroffenen erhielten das Medikament oral einmal täglich in verschiedenen Dosierungen.

Teilnehmer: Die 129 Studienteilnehmer waren mindestens 18 Jahre alt. Das mediane Alter betrug 62 Jahre. 59 von ihnen litten unter einem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom, 42 unter Darmkrebs und 28 unter anderen Tumoren. Die meisten Patienten waren stark vorbehandelt, mit einem Median von drei vorangegangenen Therapien. 60,5 % der Betroffenen hatten bereits mehr als drei Behandlungen für ihre Krebserkrankung erhalten. Von den Personen mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom waren 89,8 % Raucher oder ehemalige Raucher.

Ergebnisse: Sicherheit und Effektivität von Sotorasib

Die Studienautoren untersuchten zunächst die Sicherheit der Therapie. Kein Patient starb aufgrund von Nebenwirkungen, die durch die Gabe von Sotorasib entstanden. Fast alle Teilnehmer (96,9 %) entwickelten aber Nebenwirkungen. Am häufigsten traten Durchfall (29,5 %), Fatigue (23,3 %) und Übelkeit (20,9 %) auf. Schwerere Nebenwirkungen (Schweregrad mind. 3) erlitten 52,7 % der Patienten.

Info: Was ist Fatigue?[7]
Bei der Fatigue handelt es sich um eine extreme Müdigkeit und Erschöpfung. Häufig tritt sie in Verbindung mit einer Krebserkrankung auf, aber auch zu
m Beispiel Patienten mit Parkinson, Multipler Sklerose oder Rheuma können betroffen sein. Die Fatigue steht dabei oft nicht in direktem Zusammenhang mit einer körperlichen oder geistigen Anstrengung. Betroffene berichten häufig, dass sich die Ermüdung durch Ruhephasen kaum verbessert.

56,6 % der Betroffenen entwickelten Nebenwirkungen, die mit der Sotorasib-Therapie in Zusammenhang standen. Solche vom Schweregrad 3 umfassten unter anderem Veränderungen der Leberwerte, Durchfall, Blutarmut und Leberentzündungen.

Effektivität von Sotorasib beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs

32,2 % der 59 Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom sprachen in der Studie auf die Behandlung mit Sotorasib an, das heißt dass sich die Tumormasse zu einem bestimmten Anteil verringerte. In 88,1 % der Fälle konnte der Tumor für median vier Monate kontrolliert werden – hier kam es weder zu einer Verbesserung noch zu einer Verschlechterung der Erkrankung. Zum Zeitpunkt der ersten Analyse nach sechs Wochen schrumpfte das Karzinom bei 71,2 % der Betroffenen. Median war die Therapie 10,9 Monate wirksam. Zum Zeitpunkt der Datenanalyse erhielten 23,7 % der Teilnehmer noch immer die Studienmedikation. Das mediane progressionsfreie Überleben, also die Zeit, in der die Erkrankung nicht voranschritt, betrug 6,3 Monate.

Effektivität von Sotorasib bei Personen mit Darmkrebs
7,1 % (3 von 42) der Darmkrebs-Patienten sprachen auf die Therapie an. Bei 66,7 % konnte der Tumor stabilisiert werden. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 4 Monate.

Fazit

Das gegen KRASG12C gerichtete Medikament Sotorasib war in der CodeBreaK100-Studie wirksam. Im Rahmen der Therapie traten meist geringgradige Nebenwirkungen auf, die vor allem den Magen-Darm-Trakt und die Leber betrafen.

Die Wirksamkeit der Substanz sei vielversprechend, postulieren die Forscher: Auf die bisher verfügbaren Behandlungsstrategien sprechen zum Beispiel nur 9 % bis 18 % der nicht-kleinzelligen Lungenkrebs-Patienten in der zweiten oder dritten Therapielinie an.

Info: Was sind Therapielinien?
Ärzte unterscheiden im Zuge der Krebsbehandlung verschiedene Therapielinien, da mit der Zeit häufig verschiedene Medikamente eingesetzt werden. Die aufeinander folgenden Behandlungsphasen können sich über eine lange Zeit, meist über Monate oder auch Jahre hinweg, erstrecken. Als „Erstlinientherapie“ wird die erste Behandlung nach der Diagnose bezeichnet. Kehrt die Erkrankung zurück (Rezidiv), erhalten die Betroffenen eine Zweitlinientherapie. Ist auch diese nicht langfristig erfolgreich, kommt es zu weiteren Therapielinien – Dritt-, Viert-, Fünftlinientherapie un
d so weiter.[8]

Neue Daten aus der CodeBreaK-Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit von Sotorasib[6]

Mittlerweile gibt es aktuellere Daten aus der CodeBreaK100-Studie, welche die Wirksamkeit von Sotorasib belegen.

Studiendesign: Die Patienten erhielten einmal täglich Sotorasib oral in einer Dosierung von 960 mg. Die Behandlung erfolgte so lange, bis die Erkrankung voranschritt oder bis die Betroffenen inakzeptable Nebenwirkungen entwickelten. Median erhielten die Teilnehmer die Studienmedikation für 5,5 Monate. 32,5 % wurden sogar mindestens neun Monate damit behandelt.

Teilnehmer: Die 126 Teilnehmer im medianen Alter von 63,5 Jahren litten unter einem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom mit KRASG12C-Mutation. 92,9 % waren Raucher oder ehemalige Raucher. Alle Betroffenen hatten bereits eine oder mehrere Therapien hinter sich. Bei zwei Personen konnte die Wirksamkeit nicht untersucht werden, sodass für die Effektivitäts-Analyse die Daten von 124 Erkrankten zur Verfügung standen.

Ergebnis: 3,2 % der Patienten sprachen komplett auf die Therapie an, das heißt es war kein Tumor mehr nachweisbar. 33,9 % sprachen zumindest teilweise an. In 80,6 % der Fälle konnte die Erkrankung kontrolliert werden. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 6,8 Monate. Insgesamt lebten die Betroffenen median 12,5 Monate.

99,2 % der Teilnehmer entwickelten Nebenwirkungen. Auch hier waren am häufigsten Durchfall, Übelkeit, Fatigue und Leberwertveränderungen zu beobachten. Zudem traten Gelenkschmerzen häufiger auf. In 69,8 % der Fälle führten die Studienautoren die Nebenwirkungen auf die Sotorasib-Therapie zurück. 7,1 % der Patienten brachen die Behandlung aufgrund therapiebedingter Nebenwirkungen ab.

Fazit: Die Studienteilnehmer profitierten von der Sotorasib-Therapie. In einer neuen Studie – CodeBreaK200 – soll jetzt die Wirksamkeit von Sotorasib mit einem anderen Medikament bei Lungenkrebs-Erkrankten verglichen werden.

Quellen

[1] https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/lungenkrebs/index.php (letzter Aufruf am 14.4.2022)
[2] https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/lungenkrebs/faq.php (letzter Aufruf am 14.4.2022)
[3] https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/lungenkrebs/behandlung-uebersicht.php (letzter Aufruf am 14.4.2022)
[4] https://www.krebsinformationsdienst.de/service/iblatt/iblatt-lungenkrebs-zielgerichtete-therapie.pdf?m=1649404045& (letzter Aufruf am 14.4.2022)
[5] Hong DS et al. N Engl J Med. 2020 Sep 24;383(13):1207-1217.
Skoulidis F et al. N Engl J Med. 2021 Jun 24;384(25):2371-2381.
[6] https://deutsche-fatigue-gesellschaft.de/fatigue/was-ist-fatigue/ (letzter Aufruf am 14.4.2022)
[7] https://www.krebs.de/krebstherapie/therapieoptionen-und-planung (letzter Aufruf am 14.4.2022)

Krebs: Blaue Prostatakrebs-Schleife
Bei Prostatakrebs bestehen sehr gute Heilungsaussichten.
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Prostatakrebs

Prostatakrebs oder Krebs der Vorsteherdrüse entsteht zunächst im Inneren des männlichen Sexualorgans. Er kann aber das Bindegewebe der Kapsel durchdringen und dann Metastasen unter anderem in Samenblase, Harnblase und Mastdarm bilden. Im weiteren Verlauf der Krankheit können die Tumorzellen über das Lymphsystem und die Blutbahnen auch andere Körperteile wie Beckenknochen, Wirbelsäule, Rippen, Leber und Lunge befallen.

Prostatakrebs wächst sehr langsam. Deswegen haben betroffene Männer eine deutlich mehr als 90-prozentige Überlebenschance, wenn der Krebs erst jenseits des 70. Lebensjahres auftritt und nicht sehr aggressiv ist.

Häufigkeit

Mit etwa 65.000 neuen Fällen pro Jahr ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Vor dem 50. Lebensjahr ist das Erkranken der Vorsteherdrüse, medizinisch Prostata, selten.

Risikofaktoren

Eine gesunde Ernährung mit Gemüse, Obst, Fisch und Kräutern trägt zum Schutz der Vorsteherdrüse bei. Der Verzehr tierischer Produkte sollte stark reduziert werden. Bei einer US-Studie mit fast 77.000 Männern stellte sich heraus, dass starker Konsum von rotem Fleisch ein 2,5-fach erhöhtes Risiko für ein Prostatakarzinom bedeutet. Verantwortlich dafür könnte ein Stoff mit dem Namen Phenylacetylglutamin sein.

Therapie-Optionen

Generell hat jeder Mann ab 45 Jahren einmal im Jahr Anspruch auf ein Prostata-Screening. Hier kann Krebs in einem frühen Stadium entdeckt werden. Sollte er beim Vater, Bruder, Onkel oder Großvater in jungen Jahren aufgetreten sein, sind Früherkennungsuntersuchungen schon ab einem Alter von etwa 35 Jahren empfehlenswert.

Eine Veränderung der Prostata lässt sich durch Ultraschall oder mithilfe der Bestimmung eines prostataspezifischen Antigens (PSA) entdecken. Gewissheit bringt eine Biopsie, bei der eine Gewebeprobe entnommen wird. Wird ein Karzinom diagnostiziert, besteht nicht sofort Handlungsbedarf. Bleibt der Tumor auf die Vorsteherdrüse begrenzt, raten Ärzte, erst einmal abzuwarten.

Ist ein Eingriff nötig, erfolgt dieser heute minimal-invasiv. Über kleine Schnitte werden bei der radikalen Prostatektomie die Instrumente eingeführt und das entartete Gewebe wird entfernt. Mit 2.600 Patienten pro Jahr weltweit führend bei diesem Eingriff ist die Hamburger Martiniklinik, eine Tochtergesellschaft des Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), die ausschließlich Prostatapatienten behandelt.

Alternativ zur OP kann eine Bestrahlung erfolgen. Hier wird die Prostata über mehrere Wochen von außen behandelt. Eine Methode von innen ist die Brachytherapie. Hier werden mithilfe einer Sonde winzige radioaktive Metallstäbe in die Vorsteherdrüse gebracht. Ziel beider Verfahren ist es, Krebszellen zu zerstören (medizinisch: abladieren).

Neu und mit deutlich weniger Nebenwirkungen (Impotenz, Inkontinenz) ist eine Irreversible Elektroporation (IRE), bei der mittels ultrakurzer Stromstöße die Krebszellen zerstört, Bindegewebe und Nerven aber erhalten bleiben. Weltweit führend bei diesem extrem schonenden Eingriff ist das Vitus Prostata Center in Offenbach.

Fast alle Männer überleben eine Erkrankung an Prostatakrebs, wird er so frühzeitig erkannt wird, dass er noch auf die Vorsteherdrüse beschränkt ist. Die Zahl der (diagnostizierten) neuen Prostatakrebsfälle nimmt seit mehreren Jahrzehnten zu, ohne dass die Sterblichkeit steigt. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate hat sich mittlerweile auf etwa 93 Prozent erhöht.

Krebs: Malignes Melanom
Melanom: Hautgewebe mit Krebszellen.
©iStock / Benjamin Toth

Schwarzer Hautkrebs (Malignes Melanom) und heller Hautkrebs (Basalzellkarzinom, Plattenephithel-Karzinom)

Hautkrebs entsteht meistens durch die ultraviolette Strahlung (UV-Strahlung) der Sonne. Wie Zellen sich teilen und entwickeln, wird durch das Erbgut im Zellkern gesteuert. UV-Strahlung kann dieses Erbgut beschädigen. Dadurch können aus einzelnen Zellen Nachkommen entstehen, die nicht mehr aufhören, sich zu teilen – die Krebszellen. Das Abwehrsystem des Körpers bekämpft solche entarteten Zellen zwar sehr wirksam, doch manchmal schlüpft eben doch eine veränderte Zelle durch die Kontrolle, und es entstehen Krebsgeschwüre. Dabei muss zwischen zwei Arten unterschieden werden:

  1. Der helle Hautkrebs, zu dem das Basalzellkarzinom und das Plattenephithel-Karzinom zählen, ist deutlich verbreiteter als der schwarze Hautkrebs, bildet aber seltener Metastasen. Kennzeichen sind leichte Verhornungen oder schuppige Veränderungen auf der Haut, vornehmlich an Stellen, die besonders der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind wie Gesicht, Ohren, Hände oder Nacken.
  2. Das maligne Melanom, schwarzer Hautkrebs, ist die gefährlichste Form des Hautkrebses. An ihm sterben Betroffene in der Regel nicht, aber an den Metastasen, die sich rasch über das Lymphgefäßsystem oder die Blutbahn im Körper ausbreiten. 90 Prozent der Sterbefälle bei Hauttumoren gehen auf das Konto von schwarzem Hautkrebs – dabei ist er durchaus heilbar, wird er frühzeitig entdeckt. Aktuell liegen für Frauen mit malignem Melanom der Haut in Deutschland die relativen Fünf-Jahres-Überlebensraten bei 95 Prozent und für Männer bei 93 Prozent.
Häufigkeit

Hautkrebs gehört mit zu den häufigsten Tumorarten. Derzeit erkranken in Deutschland schätzungsweise jährlich mehr als 250.000 Menschen an hellem Hautkrebs und circa 23.000 an schwarzem Hautkrebs. Während der weiße Hautkrebs überwiegend im höheren Lebensalter auftritt, trifft der schwarze Hautkrebs auch viele jüngere Menschen. Das typische Erkrankungsalter bei Frauen liegt im Durchschnitt bei 60 Jahren, bei Männern bei 68 Jahren.

Risikofaktoren

Der Zusammenhang zwischen UV-Strahlung aus der Sonne oder dem Solarium und Hautkrebs ist eindeutig nachgewiesen, da die Veränderungen im Erbgut der Hautkrebs-Zellen spezifisch für diese Strahlung sind. Besonders anfällig sind helle Hauttypen, insbesondere blonde und rothaarige und Menschen, die zu Sommersprossen neigen, schlecht bräunen oder zu Sonnenbränden tendieren. Auch Menschen mit einer hohen Anzahl an angeborenen Leberflecken, vor allem besonders große, tragen ein erhöhtes Risiko.

Schließlich können sich Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, oder eine Strahlentherapie ebenfalls begünstigend auf die Entstehung von Hautkrebs auswirken.

Therapie-Optionen

Je nach Hautkrebsart und Krebsausdehnung gibt es unterschiedliche Therapien. Tumore werden herausgeschnitten, manchmal auch bei minus 170 Grad vereist, mit Laserstrahlen vernichtet oder durch Aktivierung des körpereigenen Immunsystems zerstört. Bei letzterer Methode wird der Hauttumor eingecremt und mit Rotlicht bestrahlt.

Hautärzte raten zur Vorsorge durch ein Hautkrebs-Screening einmal im Jahr. Dabei sucht der Dermatologe die Haut des Patienten auf mögliche Veränderungen ab. Zudem sollte direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden.
Forscher aus Norwegen und den USA haben bereits Untersuchungen an Menschen mit einer Impfung durchgeführt, wenngleich mit nur 20 Personen, was eine sehr kleine Anzahl ist. Hier haben Menschen mit einer bösartigen Hautkrebs-Form ein Vakzin (Impfstoff) namens UV1 bekommen. Mit beigemischt war noch der Antikörper Pembrolizumab. Laut den Wissenschaftlern sprachen 60 Prozent der Patienten auf die Wirkstoff-Kombination an. Die Überlebenszeit stieg von rund neun Monaten auf 18,9 Monate an. Bei sechs Personen war der Tumor sogar komplett verschwunden. Weitere Studien mit mehr Teilnehmern werden derzeit vorbereitet.

Krebs: Gebärmutterhalskrebs
Es gibt zwei Diagnoseverfahren für Gebärmutterhalskrebs.
©iStock / mi-viri

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)

Gebärmutterhalskrebs wird von Humanen Papillomviren (HPV) ausgelöst. Bekannt sind etwa 100 HPV-Typen, die wir in unserem Körper tragen, ohne dass wir es merken. Die meisten bringen lediglich gutartige Hautveränderungen wie Warzen an den Händen oder auch im Genitalbereich hervor. Es gibt aber auch Viren, die Zellveränderungen verursachen. Auch das ist zunächst völlig normal. Die meisten Frauen und Männer infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit HPV. Im Normalfall werden die Erreger vom Immunsystem bekämpft. Passiert das aber nicht, kann es zu einer Krebsvorstufe und später zu einem Karzinom kommen.

Für die Diagnose des Gebärmutterhalskrebses gibt es zwei Methoden:

  1. Die erste Variante ist die sogenannte Zytologie, besser bekannt als Pap-Test. Hier nimmt der Gynäkologe einen Zellabstrich vom äußeren Muttermund und dem Gebärmutterhalskanal. Im Labor wird der Abstrich mikroskopisch auf krankhaft veränderte Zellen untersucht.
  2. Die zweite Möglichkeit ist der HPV-Test. Hier können die Frauenärzte die DNA des Virus nachweisen und herausfinden, ob eine Infektion vorliegt. Eine neue Methode ist die Dünnschichtzytologie, die beide Nachweismöglichkeiten miteinander kombiniert.
Häufigkeit

Laut Berufsverband der Frauenärzte in Deutschland (BVF) erkranken jährlich etwa 4.500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Aber: Durch entsprechende Vorsorge kann die Gefahr, an dieser Krebsart zu erkranken, um mehr als 90 Prozent gesenkt werden.

Risikofaktoren

Humane Papillomviren werden über den direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Das geschieht fast immer in den schönsten Stunden der körperlichen Liebe.

Etwas präziser wird das Robert-Koch-Institut: „Die Viren dringen über Mikroverletzungen der Haut bzw. Schleimhaut ein und infizieren die Epithelzellen der Basalzellschicht. Hauptübertragungswege bei Infektionen im Anogenitalbereich sind Vaginal- und Analverkehr. Über orogenitale Sexualpraktiken ist eine Transmission in die Mundhöhle oder den Oropharynx möglich. Ebenfalls ist eine Übertragung durch sehr engen Körperkontakt (trotz Kondomnutzung beim Geschlechtsverkehr) möglich.“

Diesem Infektionsweg kann laut RKI ein weiterer folgen: „Zudem ist selten eine Übertragung von der Mutter auf das Neugeborene während der Geburt möglich.“

Therapie-Optionen

Hinter diagnostizierten Auffälligkeiten stecken meist harmlose Veränderungen, die sich selbst zurückbilden oder mit einer Konisation (Gewebeentnahme am Muttermund) behandelt werden können. Im fortgeschrittenen Stadium ist eine umfangreiche Operation nötig. Dabei muss oftmals die Gebärmutter entfernt werden (Hysterektomie).

Diagnose Krebs: Wie geht’s weiter?

Wer sich Unterstützung sucht, kommt psychisch und physisch besser mit der Krebserkrankung zurecht. Anlaufstellen für Krebserkrankungen sind zum Beispiel Onkolotsen, Onkopsychologen, Selbsthilfegruppen und spezielle Programme für die Nachsorge.

©iStock / gorodenkoff

Der Tod scheint nach einer Krebs-Diagnose allgegenwärtig, der eigene Körper zerbrechlich. Gedanken und Gefühle fahren mit dieser Diagnose Achterbahn, trotzdem müssen Betroffene funktionieren und das ganze Leben neu organisieren. Sie brauchen Informationen über Behandlungsmöglichkeiten und Therapieformen. Viele sind traumatisiert, haben das Gefühl, von der Situation überwältigt zu werden und drohen, in ein emotionales Loch zu fallen. Um das zu verhindern, gibt es professionellen Beistand.

Im folgenden stellen wir Ihnen einige mögliche Anlaufstellen für Psyche und Physis vor, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Krebs: Im Krankenhaus gibt es Beratungsangebote für Krebs-Patienten.
Im Krankenhaus gibt es Beratungsangebote für Krebs-Patienten.
©iStock / mehmetbuma

Erste Anlaufstellen: Krebsklinik und Krebsberatungsstellen

Erste Anlaufstellen sind die Klinik während des stationären Aufenthalts oder ambulante Krebsberatungsstellen. Telefonische Beratung bietet das Infonetz Krebs. Weitere Ansprechpartner sind Tumorzentren und Sozialdienste. Allerdings informieren diese Adressen in erster Linie zur Rehabilitation, Schwerbehindertenrecht, sonstigen Leistungen der Sozialversicherungsträger, zur Berufstätigkeit und zu finanzieller Unterstützung.

Experten kritisieren, dass viele Krebspatienten gar nicht wissen, wohin sie sich mit ihren Fragen wenden könnten. Der Zugang zu Sozialberatungen, zum Beispiel durch flächendeckende Krebsberatungsstellen, müsse dringend verbessert werden. Auch bei der Kommunikation zwischen den einzelnen Leistungsträgern (Krankenkassen, Rentenversicherung und Arbeitsamt) gebe es Optimierungs-Potenzial.

Onkolotsen: Orientierung für Krebsberatung und Krebsbehandlung

Wertvollen Beistand leistet daher spezialisiertes Fachpersonal wie Onkolotsen oder Psychoonkologen. Sie helfen nicht nur, mit den Emotionen umzugehen, sondern helfen den Patienten auch, die Irrwege der Bürokratie zu meistern. Die „menschlichen Rettungsanker“ sind im Idealfall ab der Diagnosestellung über die stationäre Versorgung und die anschließende Therapie bis hin zur mehrjährigen Nachsorge für den an Krebs erkrankten Menschen da.

Onkolotsen haben die Zeit, den Patienten in Ruhe Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und gemeinsam mit ihnen Anträge auszufüllen. Sie weisen darauf hin, dass sie sich in Krebskompetenzzentren eine zweite oder auch dritte Meinung einholen können oder Anspruch auf eine Haushaltshilfe haben, wenn Kinder im Spiel sind.

Wichtig zu wissen: Onkolotsen sind keine Ärzte. Sie fällen keine Entscheidung, sie können nur Denkanstöße geben.

Auch der Austausch mit Angehörigen ist enorm wichtig, denn diese leiden ebenfalls oft stark unter der Situation. Viele haben eine Dreifachbelastung: die eigenen Kinder, den Beruf und den Erkrankten. Eine Aufgabe kann es auch sein, einen Angehörigen in den Arm zu nehmen, weil er vor Erschöpfung weint. Bisher gibt es Onkolotsen in acht Bundesländern, vor allem in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Teilweise arbeiten sie ehrenamtlich, teilweise kostenpflichtig.

Die Sächsische Krebsgesellschaft leitet das bisher einzige Ausbildungsangebot für Onkolotsen. Während der 18-monatigen Ausbildung werden neben dem Hintergrundwissen zum Krebs-Verlauf psychosoziale Lernhinhalte vermittelt. An der Fortbildung nehmen Personen teil, die bereits im Feld der Onkologie arbeiten: Krankenschwestern, Pfleger oder Apotheker. Die Krankenkassen übernehmen das Honorar bisher nur bei Pflegefällen ab dem Pflegegrad 1.

Ein Psychoonkolge bietet gezielte Hilfe für Krebs-Patienten.
Ein Psychoonkolge bietet gezielte Hilfe.
©iStock / Ridofranz

Psychoonkologen: Fachkräfte für die krebskranke Seele

Psychoonkologen dagegen haben in der Regel ein human- oder sozialwissenschaftliches Studium absolviert. Wer in dieser Funktion in einem Krebszentrum oder einer Uniklinik arbeiten will, muss eine von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Weiterbildung nachweisen. Ein Psychoonkologe sollte in der Regel fit sein in den Bereichen Sozialberatung, Psychotherapie, Schulmedizin, Komplementärmedizin, Entspannungsverfahren, aber auch existenzielle Psychotherapie und Philosophie.

Zu seinen Aufgaben gehört es vor allem, kommunikative Barrieren und Sprachlosigkeit zwischen dem Patienten und seinem Umfeld zu überwinden, speziell auch zu den Ärzten. Das ist besonders dann wichtig, wenn es zu Fehlinformationen oder Missverständnissen zwischen dem geschockten Patienten und Ärzten kommt, weil die Mediziner nicht die notwendigen kommunikativen Fähigkeiten mitbringen.

Psychoonkologen sind auch dazu da, den Betroffenen dabei zu helfen, sich mehr mit ihrer Erkrankung zu beschäftigen und wichtiges Wissen darüber zu erwerben. Damit bekommen sie ein Gefühl von mehr Kontrolle, was Angst und Verzweiflung abbaut und insgesamt zu mehr Lebensqualität verhilft.

Wer ein Deutschland eine psychoonkologische Betreuung benötigt, der erhält sie – egal ob gesetzlich oder privat versichert. Der behandelnde Arzt kann eine entsprechende Überweisung ausstellen.

Krebs-Selbsthilfegruppen: Offene Gespräche bei gleicher Perspektive

Eine gute Alternative bieten für manche Patienten auch Selbsthilfegruppen. Die Gemeinschaft aus Menschen, die gleiche oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann eine starke Energie freisetzen, wie viele Studien belegen. Die Verbundenheit stärkt, trägt, unterstützt, tröstet, motiviert: „Ich kann Dir nicht sagen, wie man es behandelt. Aber ich kann Dir sagen, wie es mir geholfen hat.“ So lernen die Teilnehmer in einem geschützten Rahmen von- und miteinander, vermitteln Wissen und stärken die eigene Gesundheitskompetenz. Da alles, was bei einem Meeting besprochen wird, in der Gruppe bleibt und nichts nach draußen dringt, haben die Mitglieder die Möglichkeit, sich zu öffnen.

Gesundheitsbezogene Selbsthilfegruppen können über die gesetzlichen Krankenkassen eine finanzielle Förderung erhalten. Auch Bürgerstiftungen und ähnliche Privatorganisationen bringen sich mit Spenden bei den selbst organisierten Gruppen ein.

Selbsthilfegruppen gehören oft zum Angebot von Tumorzentren.
Selbsthilfegruppen gehören oft zum Angebot von Tumorzentren.
©iStock / SDI Productions

Tumorzentren: Breast careness – Spezialprogramme beim Mammakarzinom

Tumorzentren, die auf Brustkrebs spezialisiert sind, haben häufig eigene Einrichtungen etwa zur „breast careness“ – spezielle Programme zur Nachsorge, außerdem sehr viele ehrenamtliche Hilfsangebote wie Selbsthilfegruppen oder Sorgentelefone.

Die oft freiwilligen Helfer leisten dort eine sehr wichtige Arbeit, geben den Frauen den Halt, den sie benötigen und der im medizinischen Alltag nicht immer möglich ist. Diese Hilfsangebote werden von Ärzten auch stets empfohlen, Infomaterialien werden Patientinnen zur Verfügung gestellt und sie werden ermutigt, solche Gruppen aufzusuchen.

Onkologische Reha-Zentren: Individuell betreut in den Alltag zurückfinden

In onkologischen Rehabilitationseinrichtungen ist es besonders wichtig, dass die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachrichtungen reibungslos funktioniert. Angebote im medizinischen, psychologischen, physiotherapeutischen wie auch im kreativtherapeutischen Bereich müssen koordiniert und abgestimmt sein.

Wie die Therapie in der Reha-Klinik genau aussieht, richtet sich nach dem psychischen und körperlichen Zustand der Patienten. Nur so lässt sich gewährleisten, dass ein individueller Behandlungsplan erstellt und umgesetzt werden kann. Eine besondere Zielsetzung ist es, den Patienten zur aktiven Mitwirkung an der Planung und Umsetzung des Reha-Programms zu motivieren. Denn nur, wenn der Betroffene selbst Verantwortung übernimmt, kann er sich wieder erfolgreich in das alltägliche Leben eingliedern. Der psychosoziale Blickwinkel nimmt daher in der Rehabilitation Krebskranker einen erheblichen Stellenwert ein.

Wird eine Reha-Maßnahme zur Wiederherstellung der Gesundheit verordnet, zahlt meist die Krankenkasse. Eine Maßnahme zur Wiederherstellung oder zum Erhalt der Erwerbsfähigkeit finanziert in der Regel der Rentenversicherungsträger.

Die Deutschre Krebshilfe unterstützt in der Zeit der Nachsorge auch finanziell.
Die Deutsche Krebshilfe unterstützt in der Zeit der Nachsorge auch finanziell.
©iStock / Stadtratte

Krebs-Nachsorge: Finanziell hilft der Härtefonds der Deutschen Krebshilfe

Nach der Reha folgt die Nachsorge, sie zählt zu den Leistungen der Deutschen Rentenversicherung. In dieser Phase geht es darum, den Erfolg der Krebstherapie zu beobachten, die Ergebnisse der Reha zu festigen, ein Auge auf mögliche Rückfälle zu haben und den Patienten für den Alltag stark zu machen, zum Beispiel ihn bei der sozialen und beruflichen Wiedereingliederung zu begleiten. Wie lange ein Krebspatient nach überstandener Krankheit zur Nachsorge muss, ist von der Krebsart abhängig. Einige Krebserkrankungen erfordern eine lebenslange Nachbeobachtung. Schon allein das Gefühl, sich lebenslang immer wieder mit dem Thema Krebs auseinandersetzen zu müssen und deshalb in Kontakt mit dem Medizinsystem zu kommen, kann an den Nerven zehren. Daher ist eine psychologische Betreuung für einige Menschen sinnvoll.

Die meisten Krebskrankheiten bringen Patienten an ihre finanzielle Grenze. Viele schämen sich für ihre Geldsorgen und möchten erst gar nicht darüber sprechen. Da ist es gut zu wissen, dass es einen Härtefonds der Deutschen Krebshilfe gibt. Er ist für finanziell in Not geratene Menschen gedacht, die nur ein niedriges Einkommen haben, wenig Krankengeld oder eine geringe Erwerbsminderungsrente bekommen. Die Zuwendung ist an Familien-Einkommens-Grenzen gebunden. Das monatliche Nettoeinkommen abzüglich der festen monatlichen Ausgaben durfte im Jahr 2019 folgende Grenzen nicht übersteigen:

  • bei einer Person 424 Euro
  • bei zwei Personen 725 Euro
  • bei drei Personen 1074 Euro

Etwa 12.000 Anträge erreichen die Deutsche Krebshilfe jährlich. Allein 2019 unterstützte sie auf diesem Weg mehr als 7.400 Menschen mit 4,6 Millionen Euro. Es gibt in der Regel nur eine einmalige Geldleistung. Sie richtet sich nach der Bedürftigkeit und lag 2019 zwischen 440 Euro und 800 Euro. Die Gelder stammen aus Spenden an die Deutsche Krebshilfe.

Die wichtigsten Bausteine der modernen Krebs-Therapie

Sie teilen sich unkontrolliert, zapfen Blutgefäße an und wandern in benachbarte Gewebe: Bösartige Zellen, die sich in Organen, im Knochenmark oder in Lymphbahnen ausbreiten, sind die Ursache für eine der größten Gesundheits-Geiseln der Menschheit. Doch dank einer weiterentwickelten Medizin stehen Ärzte und Patienten dem Krebs nicht mehr machtlos gegenüber, wie noch vor wenigen Jahren.

©iStock / Marcin Klapczynski

In allererster Linie konzentriert sich die Krebstherapie auf drei Hauptsäulen:

  • Operation
  • Chemotherapie
  • Strahlentherapie

Sie richten sich direkt gegen die krankhaften Zellen. Aber auch moderne Methoden wie Immuntherapien (z. B. CAR-T-Zellen) kommen zum Zuge bei der Behandlung von Tumoren und ihren Metastasen.

Strahlentherapie: Krebs-Klassiker mit moderner Präzision

Die Behandlung von Krebs mittels Strahlentherapie, bei der ionisierende Strahlen oder Teilchenstrahlung das Erbgut von Zellen schädigt, um sie an weiterer Zellteilung zu hindern, gilt seit Beginn des 20. Jahrhunderts als eine der effektivsten Methoden, um Tumore zu schrumpfen oder verschwinden zu lassen. Die Strahlung schädigt allerdings auch gesunde Zellen. Anders als ihre kranken Pendants haben sie jedoch – je nach Schweregrad der Schädigung – eher die Möglichkeit zur Reparatur. Während die Krebszellen absterben, soll sich das gesunde Gewebe von selbst regenerieren.

Aus diesem Grund wird die Strahlendosis traditionell über mehrere Sitzungen, sogenannte Fraktionen, verabreicht: Um dem gesunden Gewebe Zeit zu geben, sich zwischen den Behandlungssitzungen zu erholen. Weil der Kollateralschaden trotzdem groß war, geriet die Strahlentherapie um die Jahrtausendwende etwas außer Mode.

Moderne Systeme wie das CyberKnife sind in der Lage, millimetergenau einen Punkt im Körper aus verschiedenen Richtungen gleichzeitig zu treffen. Jeder einzelne Strahl ist zu schwach, um Gewebe ernsthaft zu schädigen. Nur der durch präzise Bildgebung bestimmte Punkt, an dem die Strahlen aufeinandertreffen, bekommt „die volle Ladung“ – und wird abladiert, medizinisch für eliminiert. Inzwischen wird der Strahlentherapie in der Krebsforschung wieder eine große Zukunft attestiert. Weitere Stichworte sind intensitätsmodulierte Strahlentherapie und die bildgesteuerte Strahlentherapie.

Tropf für Chemotherapie.
Es gibt verschiedene Arten Chemotherapie.
©iStock / Amornrat Phuchom

Chemotherapie: Gift für die schnellen Krebs-Zellen

Die Chemotherapie umfasst die Behandlung bösartiger Tumoren mit chemischen Substanzen, den sogenannten Chemotherapeutika oder Zytostatika (griech. kytos = Zelle; statikos = zum Stehen bringend), die in den Vermehrungszyklus der Krebszellen eingreifen. Paul Ehrlich (1854–1915), Medizin-Nobelpreisträger des Jahres 1908, gilt als der Begründer der Chemotherapie und war auch der Erste, der sie so nannte. Allerdings verstand Ehrlich darunter keineswegs Medikamente gegen Krebs, sondern Wirkstoffe (chemische Substanzen) zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Seine Methode, natürliche Wirkstoffe gezielt auf ihre Effekte zu prüfen und anschließend synthetisch weiterzuentwickeln, wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch für die Entwicklung von Medikamenten gegen Krebs übernommen.

Bei allen Chemotherapie-Arten werden dem Körper – meistens über eine venöse Infusion – Zellengifte zugeführt. Seltener ist die Verabreichung in Tablettenform. Es gibt viele verschiedene Zytostatika, die oft miteinander kombiniert werden.

Vorteil Chemotherapie

Da die Medikamente über den Blutkreislauf transportiert werden, wirken sie in der Regel im gesamten Körper. Spezielle Chemotherapeutika können selbst das Gehirn, das normalerweise durch die Blut-Hirn-Schranke geschützt ist, erreichen. Grund: Bei bösartigen Gehirntumoren ist die Schutzschranke sehr häufig gestört. Dadurch können auch Krebszellen erreicht werden, die bei Untersuchungen unentdeckt blieben und mit Operation oder Bestrahlung nicht gezielt behandelt wurden. Fachleute sprechen bei dieser Art der Therapie auch von einer systemischen Behandlung.

Nachteil Chemotherapie

Die Toxine, also Zellengifte, sind so konzipiert, dass sie hauptsächlich schnell nachwachsende Zellen abtöten. Haare fallen deswegen fast immer aus. Aber auch Mund- und Darmschleimhäute sowie die Haut sind häufig betroffen. Durchfall, Rötungen, Juckreiz und Entzündungen sind typische Nebenwirkungen. Besonders schwerwiegend ist die Schädigung des Knochenmarks. Es produziert weniger weiße und rote Blutkörperchen, was zu Infektanfälligkeit und Blutarmut führen kann.

mRNA-Krebstherapie: In der Onkologie sind auch Immuntherapien möglich.
mRNA-Krebstherapie: In der Onkologie sind auch Immuntherapien möglich.
©iStock / ArtemisDiana

mRNA-Krebstherapie: Immuntherapie gegen Krebs

mRNA und die damit entwickelten Impfstoffe nahmen der Corona-Pandemie ein wenig von ihrem Schrecken. In einer von Biontech initiierten Studie werden mRNA-Impfstoffe aktuell unter anderem auch bei Darmkrebs getestet. Das Prinzip ist das gleiche wie bei der Corona-Impfung. „Der COVID-Impfstoff war für Biontech ein Easy Game, ein leichtes Spiel“, sagt Prof. Dr. Dirk Arnold, Ärztlicher Direktor des Asklepios Tumorzentrums Hamburg (ATZHH), der mit seinem Team ebenfalls mit dem mRNA-Impfstoff forscht. „Es gab nur einen Gegenspieler, das – abgesehen von Mutanten – immer gleiche Coronavirus. In der Onkologie ist das sehr viel komplizierter, denn jede Krebsart hat ihre eigene Genetik – die dann auch von Patienten zu Patienten sehr unterschiedlich ist.“

Im Prinzip funktioniert die mRNA-Impfung so, dass in der Teeküche des Immunsystems (medikamentös) ein Fahndungsplakat mit der Genetik des Tumors aufgehängt wird. Die Idee: Wenn die körpereigene Abwehr weiß, wie die getarnten Tumorzellen aussehen, kann es auch aktiv werden und diese aus dem Verkehr ziehen.

„Die mRNA-Vakzinierung ist nur eine von verschiedenen Immuntherapien, die in der modernen Onkologie erfolgreich zum Einsatz kommen“, sagt Onkologe Prof. Arnold. „Sie könnte ein weiterer Baustein in unserem Therapeutika-Instrumentarium werden.“

Noch ist die Forschung weit davon entfernt, eine Krebserkrankung mit einer mRNA-Impfung in den Griff zu bekommen. „Man wird damit noch keinen großen Primärtumor therapieren oder eine ausgedehnte Metastasierung heilen können“, so Prof. Dirk Arnold. „Wir konzentrieren uns im ersten Schritt auf Patienten, die nach OP und Chemo noch Restmengen von Tumor-DNA im Blut haben.“

 CAR-T-Zell-Therapie
Die CAR-T-Zell-Therapie ist eine vergleichsweise junge Behandlungsmethode.
©iStock / Meletios Verras

CAR-T-Zell-Therapie: programmierte T-Zellen im Einsatz gegen Krebs

Bei der CAR-T-Zell-Therapie (Chimeric-Antigen-Receptor-T-Zell-Therapie) entnehmen Mediziner dem Patienten Blut und isolieren daraus weiße Blutkörperchen, sogenannte T-Zellen. Diese werden außerhalb des Körpers so programmiert, dass sie bisher unsichtbare Tumorzellen erkennen und unschädlich machen können, sobald sie wieder injiziert worden sind. Dabei gelingt es den modifizierten T-Zellen, gesunde von kranken Zellen zu unterscheiden.

CAR-T-Zell-Therapie ist eine erst 2018 zugelassene Behandlungsform. Wie bei der mRNA-Vakzinierung muss die Therapie auf jeden Patienten individuell und aufwendig zugeschnitten werden. So individuell, dass nicht einmal Spenderblut oder das Blut eines anderen Krebserkrankten für die Gewinnung der noch nicht programmierten T-Zellen verwendet werden kann.

In Studien hat sich die CAR-T-Zell-Therapie für wenige und ausgewählte Patienten mit bestimmten Blut- oder Lymphdrüsentumoren bewährt. Sie wird nur in hochqualifizierten onkologischen Schwerpunktzentren angeboten.

Irreversible Elektroporation (IRE) bei Prostatakrebs: NanoKnife für die Potenz

Das NanoKnife kann Männer vor Impotenz und Inkontinenz retten. „Während bei den herkömmlichen Methoden bis zu 80 Prozent der Männer impotent und bis zu 50 Prozent inkontinent werden, lassen sich solch gravierende Nebenwirkungen mit dem NanoKnife grundsätzlich vermeiden“, sagt Prof. Dr. med. Dr. phil. Dr. med. habil. Michael K. Stehling. Der Urologe, Radiologe und Physiker hat seit 2011 in dem von ihm gegründeten Vitus Prostata Center in Offenburg mehr als 1.400 Männer erfolgreich behandelt und gilt als weltweit führender Experte für die NanoKnife-Therapie bei Prostatakrebs.

Herkömmliche Methoden sind die operative Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie) oder die lokal-ablativen Zerstörung der Vorsteherdrüse – wahlweise durch Hitze (hochintensiver fokussierter Ultraschall, kurz HIFU), Kälte (Kryotherapie) oder Bestrahlung (u. a. Protonentherapie, Brachytherapie).

„Die Region um die Prostata ist äußerst sensibel mit Organen und Nerven auf engstem Raum“, erklärt Prof. Stehling. Dazu gehören Harnröhre, Schließmuskel sowie Nerven für Erektion und Kontinenz. „Ein falscher Schnitt und diese Strukturen sind unwiderruflich zerstört.“ Mit der Irreversiblen Elektroporation kann so etwas nicht passieren. Das Geheimnis dieser Methode: ultrakurze Stromstöße, die lediglich Krebszellen zerstören. Gefäße, Bindegewebe und vor allem Nerven überstehen den Eingriff unbeschadet.“

Der IRE-Eingriff ist auch deutlich weniger belastend für den Körper als zum Beispiel die radikale Prostatektomie. Die Patienten können die Klinik schon am Folgetag verlassen und nach zwei Wochen wieder Sport machen.

Die Zahlen des Vitus Prostata Center belegen das eindrucksvoll: kein Patient inkontinent, weniger als 10 Prozent impotent. Das Bundesministerium für Gesundheit hat das NanoKnife vor wenigen Jahren offiziell als Therapie bei Prostatakrebs anerkannt. Inzwischen wird das NanoKnife auch bei anderen Krebsarten eingesetzt. Erste Erfolge hat zum Beispiel Prof. Dr. med. Dr. h.c. Tobias Keck, Direktor der Klinik für Chirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck, bei Bauchspeicheldrüsenkrebs mit dem NanoKnife gemacht.

Krebs-Forschung: Neue Studienergebnisse zu Prostatakrebs

Wissenschafts- / Medizinjournalistin

Dr. rer. nat. Miriam Sonnet

Dr. rer. nat. Miriam Sonnet

Lutetium-177–PSMA-617

Neue Therapie für Prostatakrebs auf dem Prüfstand

Männern mit metastasierten Prostatatumoren steht möglicherweise bald eine neue Therapieoption zur Verfügung. Die Behandlung mit 177Lu–PSMA-617 verlängerte die Zeit, in der die Erkrankung nicht voranschritt, deutlich im Vergleich zu einer Standardtherapie. Auch lebten die Betroffenen mit der neuen Methode länger. In den USA wurde sie von der FDA bereits zugelassen.

Ein Prostatatumor ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern: Jährlich erkranken rund 65.000 Männer daran.[1] Die Therapie hängt maßgeblich davon ab, in welchem Stadium die Betroffenen ihre Diagnose erhalten. Häufig werden die Patienten operiert oder bestrahlt. Ist der Krebs bereits fortgeschritten, das heißt sind Lymphknoten befallen oder hat der Tumor in andere Organe gestreut, reicht meist eine Operation oder Bestrahlung nicht mehr aus. Die Betroffenen erhalten dann eine Therapie, die sich gegen alle im Körper vorliegenden Tumorzellen richtet – eine sogenannte systemische Behandlung. Hier kommen zum Beispiel Medikamente infrage, die den Hormonspiegel beeinflussen. Alternativ kann eine Chemotherapie zum Einsatz kommen.[2]

Eine neue Methode, um Erkrankte zu behandeln, ist die Anwendung von Lutetium-177 (177Lu)–PSMA-617. Dabei werden radioaktive Beta-Partikel in Prostatakrebszellen (und ihre Umgebung) eingeschleust, woraufhin diese absterben.[3]

Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat die Therapie bereits im März 2022 zugelassen. Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen der Studie VISION III, in der 177Lu–PSMA-617 bei Männern mit einer bestimmten Form von metastasiertem Prostatakrebs geprüft wurde.[4]

Info: 177Lu–PSMA-617
Bei 177Lu–PSMA-617 ist radioaktives Lutetium-177 an einen Liganden gekoppelt. Letzterer kann an eine Struktur andocken, die häufig auf Prostatakrebszellen zu finden ist: das Prostata-spezifische
Membranantigen, kurz PSMA. Die Tumorzellen nehmen 177Lu–PSMA-617 auf, dieses gibt folglich von innen heraus seine Strahlendosis ab, was Krebszellen eliminiert. Die Behandlung ist damit sehr zielgenau auf Prostatakrebszellen zugeschnitten.[4]

Die VISION-III-Studie[3]

Studiendesign: 831 Patienten erhielten entweder 177Lu–PSMA-617 plus eine Standardtherapie oder eine alleinige Standardtherapie.

Teilnehmer der Studie: Die Teilnehmer waren an einer bestimmten Form des metastasierten Prostatakarzinoms erkrankt und vor der Studie bereits mit verschiedenen Medikamenten behandelt worden.

Die Ergebnisse: Effektivität und Sicherheit von 177Lu–PSMA-617

Die Therapie verlängerte die Zeit, in der die Erkrankung nicht voranschritt (= progressionsfreies Überleben). Median lebten die Patienten unter der 177Lu–PSMA-617 8,7 Monate und in der Kontrollgruppe 3,4 Monate ohne Progress. Auch lebten die Teilnehmer des 177Lu–PSMA-617-Studienarms median länger als die Betroffenen, die eine Standardtherapie erhalten hatten (Gesamtüberleben 15,3 Monate vs. 11,3 Monate).

Häufige Nebenwirkungen unter 177Lu–PSMA-617 umfassten Fatigue (extreme Müdigkeit, eine häufige bei Krebstherapien auftretende Nebenwirkung), Mundtrockenheit und Übelkeit. Nebenwirkungen vom Schweregrad 3 oder höher traten unter 177Lu–PSMA-617 öfter auf als unter der Standardtherapie. Die Lebensqualität der Teilnehmer verschlechterte sich dadurch aber nicht.

Fazit: Die Behandlung mit 177Lu–PSMA-617 verlängerte die Zeit, in der ein metastasiertes Prostatakarzinom nicht voranschritt, schreiben die Autoren in ihrem Fazit. Auch das Gesamtüberleben der betroffenen Männer wurde verlängert.

Quellen

[1] https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/anatomie-krebsentstehung-haeufigkeit.php (letzter Aufruf am 20.4.2022)
[2] https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/behandlung.php (letzter Aufruf am 20.4.2022)
[3] Sartor O et al. N Engl J Med 2021; 385:1091-1103
[4] https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/fda-zulassung-fuer-therapeutikum-gegen-metastasierten-prostatakrebs (letzter Aufruf am 20.4.2022)

Tumor-DNA
Die Ermittlung der Tumor-DNA ermöglicht personalisierte Medizin.
©iStock / CIPhotos

Analyse der Tumor-DNA: präzise Ergebnisse aus dem Labor

Nicht nur neue Medikamente und technische Innovationen geben Hoffnung. Die Behandlung von Krebs wird immer zielgenauer auf die Patienten zugeschnitten. Das bezeichnen Ärzte auch mit dem Begriff „personalisierte Medizin“. Der Hintergrund ist, dass jeder Tumor ganz individuelle Eigenschaften besitzt. Verschiedene Patienten sprechen daher auch unterschiedlich gut auf einzelne Wirkstoffe an.

Mithilfe der Sequenzierung ist es heute möglich, bösartige Geschwulste genauestens im Labor zu charakterisieren und Veränderungen im Erbgut aufzuspüren. Das wiederum hilft dabei, die Behandlung individuell auf den jeweiligen Tumor und Patienten auszurichten. Mittlerweile gibt es für einige Krebsarten zielgerichtete Medikamente, die genau auf diese Veränderungen reagieren.

Beispiel ist der Wirkstoff Trastuzumab, ein Eiweißstoff, der einen bestimmten Tumorfaktor ausschaltet und somit das Wachstum bremst. Das Präparat kommt bei Brustkrebs zum Einsatz, aber nur dann, wenn der Faktor, auf den es abzielt, auch tatsächlich vorhanden ist.

Karzinomgenetik: natürlicher Zelltod

Tochtergeschwulste, medizinisch Metastasen, machen den Krebs so gefährlich. Ableger, die sich ausbreiten, sind die häufigste Todesursache bei Krebserkrankungen. Forscher aus der Schweiz haben eine Art Barriere identifiziert, die den Krebs von der Metastasierung abhält. Diese besteht aus einem Protein mit der Bezeichnung Activin B und dem Rezeptor ALK7. Die Kombination Activin B und ALK7 bildet einen Signalweg, durch den Krebszellen auf natürliche Weise absterben (Apoptose). So könnte nicht nur die Entstehung des Tumors selbst, sondern die seiner Tochterzellen bekämpft werden. Die Entdeckung dieser Barriere könnte ein vielversprechendes Ziel für Arzneimittel gegen Krebs sein.

Einen anderen Ansatz verfolgen Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. In Laborversuchen fanden sie heraus, dass Metastasen ausgehungert werden können. Um sich in einem fremden Organ anzusiedeln, müssen sich die Geschwulste an dessen Stoffwechsel anpassen. Wird dieser aber gestört – zum Beispiel indem Fettsäuren nicht mehr aufgenommen werden können – sterben die Metastasen ab. Ob diese Anwendung auch beim Menschen möglich ist, müssen weitere Studien zeigen.

Hautkrebs: Es war ein Mal

Muss jede Veränderung auf der Haut sofort operativ entfernt werden? Nicht jede – aber wo interveniert werden muss, sollte unbedingt ein Dermatologe entscheiden.

Sonne pur und unter Palmen die Seele baumeln lassen – viele Deutsche erholen sich in den Ferien am liebsten am Strand. Gut eingecremt, wähnt sich der Urlauber auf der sicheren Seite und genießt die wärmenden Strahlen. Schöner Nebeneffekt, der anschließend mit nach Hause gebracht wird, ist die Sonnenbräune. Doch jede Minute, in der die Haut die pralle UV-Dosis bekommt, erhöht das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Darum ist es gerade in den Wochen oder Monaten nach dem Urlaub wichtig, zur Vorsorge zu gehen. Denn die meisten Hautkrebsarten sind in ihren Anfangsstadien noch gut heilbar.

©iStock / koto_feja

Weißer Hautkrebs ist schwer zu erkennen

Laut eines Berichts der Techniker Krankenkasse erkranken im Jahr etwa 270.000 Menschen in Deutschland an Hautkrebs, der Großteil davon, circa 230.000 Patienten, allerdings nicht am gefährlichen schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom), der sich durch dunkle Verfärbungen äußert, sondern an den weißen Formen der Krankheit. 80 Prozent davon am Basalzellkarzinom, auch Basaliom genannt, der Rest am Plattenepithelkarzinom (Stachelzellkarzinom).

Besonders anfällig für weißen Hautkrebs sind Hautstellen wie die sogenannten „Sonnenterrassen“ des Körpers, also Gesicht, Hände oder bei Frauen das Dekolleté, die über viele Jahre der UV-Strahlung besonders ausgesetzt waren. Da diese Tumoren selten metastasieren, sind sie in der Regel weniger lebensgefährlich als das schwarze Melanom. Metastasen entstehen hier nur dann, wenn das Immunsystem des Betroffenen aufgrund von Vorerkrankungen medikamentös unterdrückt wird oder das Karzinom lange unentdeckt bleibt. Je früher also erkannt, desto besser stehen die Heilungschancen bei beiden Formen des hellen Hautkrebses: Er lässt sich einfach herausschneiden, bestrahlen, vereisen, weglasern oder durch spezielle Cremes entfernen.

Doch das Problem ist die prophylaktische Diagnose, den Krebs erkennen. Denn anders als das maligne Melanom, der schwarze Hautkrebs, sind die weißen Varianten schwerer auszumachen. Beim Plattenepithelkarzinom entstehen unscheinbare hautfarbene Flecken, die zum Beispiel einem schlecht verheilten Insektenstich oder einer kleinen Narbe ähneln. Nur selten vermutet der Betroffene dahinter schon eine Vorstufe von Krebs. Auch schuppige Stellen oder Wunden, die immer wieder aufbrechen, sollte ein Hautarzt genauer begutachten.

Hautkrebs: Hautbiopsie unter Miikroskop mit Basalzellkarzinom (Basaliom).
Basaliom ist die Kurzform für Basalzellkarzinom.
©iStock / Md Saiful Islam Khan

Gute Prognosen trotz bösem Krebs-Befund

Das Basaliom dagegen hat keine Vorstufe. Es ist oft hell, manchmal auch dunkel pigmentiert. Außerdem ist es nicht selten von einem perlschnurartigem Randsaum umgeben und bildet einen Knoten, der bluten kann. Hier sollte das Geschwür durch einen operativen Eingriff entfernt werden, bevor es sich vergrößern und tiefere Hautschichten befallen kann.

Ein malignes Melanom kann überall am Körper auftreten – auch an Stellen, die kaum oder gar nicht der Sonne ausgesetzt sind. Diese Geschwüre können meistens im frühen Stadium unkompliziert aus der Haut geschnitten werden. Schwieriger wird es, sobald der Tumor in tiefere Schichten eindringt und in Lymphknoten, Leber, Lunge oder Gehirn streut.

Bei einem solchen Befund ist die Immuntherapie im Anschluss an die OP inzwischen die Behandlung der Wahl. Hierbei erhält der Patient über die Armvene spezielle Antikörper. Die sogenannten Checkpoint-Inhibitoren wie Nivolumab und Ipilimumab helfen der körpereigenen Abwehr, entartete Zellen zu identifizieren und zu bekämpfen. Auch der metastasierte weiße Hautkrebs hat gegen die Immuntherapie oft keine Chance.

Ganzkörper-Check alle zwei Jahre

Doch damit es erst gar nicht so weit kommt, raten Experten zum Früherkennungs-Check. Dabei sucht der Arzt den kompletten Körper inklusive Kopf nach verdächtigen Stellen ab. Alle zwei Jahre bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen Versicherten ab 35 Jahren dieses Hautkrebsscreening. Manche Kassen bieten sie auch Jüngeren an.

Geübte Dermatologen inspizieren die Haut nach Auffälligkeiten und schauen im Zweifel genauer hin. Letzte Sicherheit bietet in modernen dermatologischen Praxen ein Abgleich mit dem Rechner, der im Zweifel auch Auffälligkeiten entdeckt, wo der Arzt sie nicht sieht.

Jeder Einzelne sollte aber selbst persönliche Vorsorge treffen. Das bedeutet: Die pralle Mittagssonne meiden, und zwar nicht nur im Sommer. Aus dem Sortiment an Sonnen-Cremes die mit einem hohen Lichtschutzfaktor wählen. Noch besser schirmt Kleidung die Strahlung ab – besonders dunkle und dichtfaserige. Außerdem kennen viele Menschen ihre Muttermale. Daher ist es ratsam, ein Mal im Monat bei Tageslicht nach ungewöhnlichen Veränderungen an seinem Körper Ausschau zu halten.

Neue Studien zufolge können auch Lebensmittel, die viel Vitamin A enthalten wie Eier oder Leber sowie karotinhaltige Produkte wie Karotten, Kürbis oder Kohl helfen, vor Hautkrebs zu schützen.

Krebs-Forschung: Neue Studienergebnisse zu Hautkrebs

Wissenschafts- / Medizinjournalistin

Dr. rer. nat. Miriam Sonnet

Dr. rer. nat. Miriam Sonnet

Zweifach-Therapie mit Immutherapeutika

Weitere Immuntherapie für Hautkrebs-Patienten in Sicht

Immuntherapeutika kommen bereits seit längerer Zeit zur Therapie des schwarzen Hautkrebses zum Einsatz. In einer kürzlich veröffentlichten Studie wurde ein neuer Wirkstoff (Relatlimab) in Kombination mit einem weiteren Immuntherapeutikum bei zuvor unbehandelten Patienten untersucht. Die Zweifach-Therapie verlängerte das progressionsfreie Überleben der Teilnehmer, also die Zeit, in der die Erkrankung nicht voranschritt.

Im Jahr 2018 erkrankten rund 23.000 Menschen an einem Melanom – dem schwarzen Hautkrebs. Nach wie vor stellt die Operation die wichtigste Therapieform dar. Teilweise kommt aber auch eine Bestrahlung zum Einsatz. Neuere Methoden umfassen die Immuntherapie und zielgerichtete Substanzen.[1]

Unter dem Begriff „Immuntherapie“ versteht man alle Strategien, die die körpereigenen Abwehrkräfte nutzen, um Krebs zu bekämpfen. Eine Möglichkeit besteht darin, Medikamente einzusetzen, die sich gegen „Bremsen“ (engl. Checkpoints) des Immunsystems richten. Diese haben normalerweise die Aufgabe, überschießende Reaktionen des Immunsystems zu verhindern. Einige Tumoren aktivieren diese Checkpoints – das Immunsystem wird dadurch geschwächt und es kann die Krebszellen nicht mehr erkennen. Hier kommen Substanzen wie Checkpoint-Inhibitoren ins Spiel: Sie blockieren die Checkpoints, woraufhin die Immunantwort nicht mehr unterdrückt wird. Die körpereigene Abwehr kann somit den Tumor angreifen.[2]

Attacke auf zwei Checkpoints

Inzwischen gibt es mehrere Checkpoint-Inhibitoren, die beim Melanom und anderen Krebsarten eingesetzt werden können. Die Wirksamkeit einer neuen Substanz dieser Art (Relatlimab) wurde kürzlich in einer Studie (RELATIVITY-047) bei Patienten geprüft, die zuvor noch keine Therapie für ihren Hautkrebs erhalten hatten. Das Medikament kam darin in Kombination mit einem anderen immuntherapeutischen Wirkstoff (Nivolumab) zum Einsatz. Nivolumab ist bereits zur Behandlung von schwarzem Hautkrebs zugelassen.

Info: Angriffspunkte von Relatlimab und Nivolumab
Relatlimab bindet an ein spezifisches Oberflächenmolekül auf bestimmten Immunzellen: LAG-3. Dieses kontrolliert unter anderem das Wachstum und die Aktivierung der Zellen. Werden LAG und der dahinterstehende Signalweg gehemmt, so kann das erschöpfte Immunzellen wieder aktivieren und Reaktionen gegen Tumoren fördern.[3]

Nivolumab bindet an den Checkpoint PD-1. Auch PD-1 hemmt die Funktion bestimmter Immunzellen, was überschießende Reaktionen der körpereigenen Abwehr verhindern soll. Wird der PD-1 Checkpoint durch Nivolumab blockiert, aktiviert das Immunzellen und erhöht deren Fähigkeit, Tumoren zu eliminieren.[4, 5]

Die RELATIVITY-047-Studie[6]

Studiendesign: Bereits zuvor wurde die Wirksamkeit von Relatlimab in Kombination mit Nivolumab bei Patienten mit Melanomen, die bereits mit anderen Medikamenten / Therapien vorbehandelt waren, geprüft und bestätigt. Unklar war bisher, ob auch Personen, die noch nicht aufgrund ihres Melanoms behandelt worden waren, von der Zweifach-Kombination profitieren.

Die Teilnehmer wurden alle vier Wochen mit einer Kombination aus Relatlimab und Nivolumab mit fester Dosis behandelt. Die Therapie wurde intravenös verabreicht. Als Vergleichsgruppe dienten Erkrankte, die nur Nivolumab bekamen.

Geprüft werden sollte, ob die Kombination das progressionsfreie Überleben der Betroffenen verlängern kann. Als progressionsfreies Überleben wird die Zeit bezeichnet, in der die Erkrankung nicht voranschreitet oder sich verschlimmert.

Teilnehmer: Alle Patienten, die an der Studie teilnahmen, litten unter schwarzem Hautkrebs, der entweder nicht operiert werden konnte oder bereits Metastasen gebildet hatte.

Ergebnis: Effektivität und Sicherheit von Relatlimab + Nivolumab

Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 10,1 Monate unter der Zweifach-Behandlung und 4,6 Monate unter alleiniger Nivolumab-Medikamentation. Statistisch gesehen hatten damit Patienten, die mit Relatlimab plus Nivolumab behandelt worden waren, ein um 25 % verringertes Risiko, dass die Erkrankung voranschritt. Nach zwölf Monaten lebten noch 47,7 % vs. 36 % der Teilnehmer ohne einen Krankheitsprogress.

Nebenwirkungen vom Schweregrad 3 oder 4 erlitten 18,9 % der Probanden, die Relatlimab plus Nivolumab erhalten hatten. In der Kontrollgruppe war dies bei 9,7 % der Betroffenen der Fall.

Fazit: Werden zwei Checkpoints durch spezifische Medikamente gehemmt, so bietet das für Erkrankte mit schwarzem Hautkrebs einen zusätzlichen Vorteil. Gleichzeitig traten unter der Kombinationstherapie keine neuen Nebenwirkungen auf.

Quellen

[1] https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/hautkrebs.php. (Letzter Aufruf am 20.4.2022)
[2] https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/immuntherapie/impfen-gegen-krebs.php (Letzter Aufruf am 20.4.2022)
[3] https://www.gelbe-liste.de/dermatologie/anti-lag-3-antikoerper-relatlimab-melanom (Letzter Aufruf am 20.4.2022)
[4] https://flexikon.doccheck.com/de/PD-1-Rezeptor#:~:text=Der%20PD%2D1%2DRezeptor%2C,programmed%20cell%20death%20protein%201%22. (Letzter Aufruf am 20.4.2022)
[5] https://www.cancer.gov/publications/dictionaries/cancer-terms/def/pd-1 (Letzter Aufruf am 20.4.2022)
[6] Tawbi HA et al. N Engl J Med 2022; 386:24-34

Leukämie: Lichtblick im Kampf gegen den Blutkrebs

Vor einem halben Jahrhundert war die Leukämie-Diagnose gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Doch dank moderner Forschung stehen Patienten heute gute Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Über die Ursachen, die Leukämien entstehen lassen, herrscht bisher immer noch ein großes Rätselraten. Lediglich die verschiedenen Faktoren, die das Erkrankungsrisiko erhöhen, sind bekannt. Dazu gehören eine gewisse erbliche Belastung, radioaktive Strahlen und Röntgenstrahlen sowie bestimmte chemische Substanzen. Doch der Wissenschaft ist es gelungen, erfolgreiche Therapien zu entwickeln, die eine Heilung in greifbare Nähe rücken lassen.

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Weiße Blutkörperchen geraten außer Kontrolle

Bislang weiß die Forschung, dass der Krebs entsteht, wenn der normale Reifungsprozess der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Knochenmark durch eine Fehlschaltung bestimmter Kontrollgene unterbrochen ist. Anstelle von vollständig entwickelten und funktionstüchtigen Leukozyten bilden sich mehr oder weniger unausgereifte Blutkörperchen. Diese sind in der Regel nicht funktionsfähig, vermehren sich rasch und unkontrolliert, sodass sie zunehmend die gesunden weißen und roten Blutkörperchen verdrängen.

Leukämie: Frau zeigte Krebs-Symptome.
Blass und abgeschlagen? Das sind mögliche Krebs-Symptome bei Leukämie.
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Blässe und Abgeschlagenheit als mögliche Krebs-Symptome

Der Begriff Leukämie bedeutet „weißes Blut“ und entstand aus der Beobachtung einer Vermehrung von weißen Blutkörperchen im Blut. Dieser Begriff wurde erstmals 1845 von Rudolf Virchow verwendet und hat seitdem Eingang in die Medizin gefunden.

Das Tückische beim Blutkrebs: Die Symptome sind die gleichen, wie sie bei anderen, weitaus harmloseren Erkrankungen vorkommen können. Dazu zählen Blässe, häufige Infekte und spontanes Nasenbluten. Viele Leukämie-Patienten berichten aber auch von einer plötzlichen Abgeschlagenheit, die sie sich nicht erklären konnten. Wer also häufig müde ist und sich dies nicht erklären kann, sollte eine Blutuntersuchung beim Arzt in Erwägung ziehen.

Chemo und demethylierende Wirkstoffe

Ist die Diagnose eindeutig, wird mit einer Chemotherapie versucht, möglichst alle Krebszellen zu zerstören. Zusätzlich bekommen einige Patienten noch Antikörper. Jeder Mensch trägt Antikörper im Blut. Ihre Aufgabe ist es, Erreger wie Viren und Bakterien aufzuspüren. Sie lassen sich aber auch künstlich herstellen und so verändern, dass sie Krebszellen erkennen und attackieren können.

Während bei der Chemo Krebszellen gezielt zerstört werden, gehen demethylierende Substanzen wie Aacidtidin und Decitabin noch tiefer in die molekulare Struktur. Sie können die Chemie der Gene so beeinflussen, dass die Leukämiezellen manipuliert werden und danach absterben. Studien haben bereits positive Effekte gezeigt, und es kommt zu deutlich weniger Nebenwirkungen. Demethylierende Mittel werden vor allem bei Leukämie-Patienten im Alter von über 65 Jahren verwendet, die keine Stammzelltransplantation erhalten können.

Stammzellforschung für die Krebstherapie
Stammzellforschung für die Krebstherapie.
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Suche nach dem „genetischen Zwilling“

Eine Stammzellentransplantation ist zwingend notwendig, wenn ein Patient ein Rezidiv erleidet, also erneut erkrankt. Es zeigt sich aber häufig schon bei der Erstdiagnose, dass eine Chemo- oder Antikörpertherapie nicht ausreicht und eine Stammzellenbehandlung meist die letzte Überlebenschance ist.

Ziel ist es, erkranktes Knochenmark durch gesundes zu ersetzen. Zunächst wird eine Gewebeanalyse gemacht. Dann geht es auf die Suche nach einem Spender mit passenden Gewebemerkmalen. Dabei überprüft man zuerst Familienmitglieder, etwa die leiblichen Geschwister. Stimmen die Werte nicht überein, wird mittels Datenbank ein Fremdspender gesucht.

28 Millionen spendenwillige Menschen

Aufgrund zahlreicher Aktionen etwa in den Medien ist die Bereitschaft in der Bevölkerung zur Knochenmarkspende enorm gestiegen. Die Hämatologen können weltweit auf alle Spenderportale zugreifen, insgesamt 28 Millionen Menschen sind in der Datenbank erfasst. In 70 Prozent der Fälle wird ein Spender gefunden.

Vor einer Transplantation wird der Spender noch einmal gründlich untersucht. Dann entnehmen die Ärzte Stammzellen aus seinem Knochenmark und schicken sie der jeweiligen Klinik, die den Krebspatienten behandelt. Normalerweise lernen sich die Spender und Empfänger nicht kennen. Aber nach zwei Jahren haben die Betroffenen die Möglichkeit, die Anonymität aufzuheben. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) informiert, wie man spenden und Leben retten kann.

Chance für Kinder und Jugendliche mit Leukämie.
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CAR-T-Zell-Therapie – bislang nur für Kinder und Jugendliche

Wissenschaftler haben die sogenannten CAR-T-Zell-Therapie auch für den Einsatz bei Leukämie im Blick. Hier werden Immunzellen gentechnisch so verändert, dass sie, ähnlich wie Antikörper, bösartige Zellen zerstören können. Sie ist momentan für Patienten unter 25 Jahren und nur für eine bestimmte Form der Leukämie, die akute lymphatische Leukämie (ALL – die häufigste Krankheitsform bei Kindern) zugelassen. Zwei Therapiezyklen müssen bereits erfolglos gewesen sein.

Problem: Der Eingriff kostet rund 250.000 Euro, weil viel Infrastruktur nötig ist, die es nur in an großen Krebszentren gibt. Aber: Die Behandlung zeigt Erfolg. Wenn es gelingt, den Aufwand zu minimieren, könnte das künftig eine vielversprechende Therapieform sein, hoffen die Ärzte.

Lebensstil verantwortlich für Leukämieentstehung?

Die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Lebensstil und Krebsentstehung bei der Leukämie gibt, wird schon lange diskutiert, ist aber noch unklar. Denn es erkranken auch Kinder und Jugendliche, die in der Regel über ein sehr vitales Immunsystem verfügen. Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung sind aber immer empfehlenswert.

Leukämie ist im eigentlichen Sinne nicht vererbbar. Allerdings haben Untersuchungen gezeigt, dass Menschen ein höheres Erkrankungsrisiko haben, wenn es innerhalb der Familie bereits bösartige Tumorfälle gab.

Krebs-Forschung: Neue Studienergebnisse zu Hodgkin-Lymphomen

Wissenschafts- / Medizinjournalistin

Dr. rer. nat. Miriam Sonnet

Dr. rer. nat. Miriam Sonnet

CAR-T-Zell-Therapie

CAR-T-Zellen auch für die Therapie von Hodgkin-Lymphomen denkbar?

Die CAR-T-Zell-Therapie hat kürzlich das Behandlungsspektrum mancher Krebsarten erweitert und Ärzte erzielen damit bei ihren Patienten beachtliche Erfolge. Die Herstellung der CAR-T-Zellen ist allerdings sehr aufwendig und erfolgt individuell für jeden Betroffenen. In Europa gibt es bislang zwei zugelassene Produkte für bestimmte Tumorarten. Auch für Erkrankte mit Hodgkin-Lymphom scheint die Therapie wirksam zu sein und Forscher versuchen, die Effektivität durch verschiedene Tricks weiter zu steigern.

Das Hodgkin-Lymphom ist eine seltene Krebserkrankung. Aktuellen Daten zufolge erkrankten 1.100 Frauen und 1.440 Männer in Deutschland im Jahr 2018 neu daran.[1] Ursache des Hodgkin-Lymphoms sind Veränderungen in bestimmten weißen Blutzellen, den B-Zellen. Diese teilen sich ungebremst und vermehren sich schneller als normale Körperzellen, wodurch gesundes Gewebe verdrängt wird. Zunächst vermehren sich die veränderten Zellen in den Lymphknoten. Die Erkrankung kann sich aber auch im gesamten Körper ausbreiten und andere Organe außerhalb des lymphatischen Systems befallen.[2]

Info: Lymphatisches System und Lymphome
Als Lymphome werden in der Regel bösartige Tumoren des lymphatischen Systems bezeichnet. Das lymphatische System ist über den gesamten Körper verteilt und besteht aus Lymphbahnen, die Lymphe (Gewebswasser) transportieren, und aus den lymphatischen Organen, unter anderem Thymus und Knochenmark.[2] Das lymphatische System steht in engem Zusammenhang mit dem Immunsystem und dem blutbildenden System.[3]

Die „Lymphozyten“ sind die Zellen des lymphatischen Systems. Es handelt sich dabei um eine Gruppe weißer Blutkörperchen. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr und können Krankheitserreger erkennen und eliminieren. Es gibt zwei große Gruppen von Lymphozyten: B- und T-Zellen.[3]

Bei einem Lymphom entarten die Lymphozyten, sie wachsen unkontrolliert und vermehrten sich. Typisches Warnzeichen der Erkrankung ist eine schmerzlose Lymphknotenschwellung. Weitere Beschwerden, die auftreten können, umfassen unter anderem Fieber, starken Nachtschweiß und ungewollten Gewichtsverlust.[4]

Bösartige Lymphome können grob in drei Untergruppen unterteilt werden[4]:


1. Hodgkin-Lymphome
2. Non-Hodgkin-Lymphome
3. Multiples Myelom

CAR-T-Zellen revolutionieren die Behandlung

Obwohl Hodgkin-Lymphom-Patienten mit einer ersten Therapie eine gute Prognose haben, erleiden rund 20 % bis 30 % der Betroffenen einen Rückfall der Erkrankung. Für eine erneute Behandlung kommt dann meist eine hochdosierte Chemotherapie und eine anschließende Stammzelltransplantation zum Einsatz.[5]

Stammzelltransplantation
Erleidet ein Hodgkin-Patient einen Krankheits-Rückfall, erhält er oft eine hochdosierte Chemotherapie,
welche die Krebszellen vernichten soll. Dabei werden allerdings auch die normalen blutbildenden Zellen, die sogenannten Blutstammzellen, angegriffen. Ärzte entnehmen diese dem Betroffenen daher vor der Chemotherapie und geben sie ihm nach der Chemo zurück. So kann der Körper aus den Blutstammzellen wieder Blutzellen bilden. Dieses Verfahren heißt „autologe Stammzelltransplantation“.[2]

In den vergangenen Jahren hat sich die moderne Krebstherapie gewandelt: Es werden vermehrt Ansätze erprobt, die Tumorzellen gezielt angreifen. Eine Revolution gelang unter anderem mit den CAR-T-Zellen. Die Herstellung dieses speziellen Produkts ist sehr aufwendig: Dem Patienten werden eigene T-Zellen entnommen und diese in einem Speziallabor genetisch so verändert, dass sie auf ihrer Oberfläche eine Struktur (Rezeptor) ausbilden, die bestimmte Eiweiße (Antigene) auf Tumorzellen erkennt. Der Patient erhält anschließend diese veränderten T-Zellen – die CAR-T-Zellen – wieder zurück, die dann den Krebs spezifisch erkennen und angreifen sollen. Die eingeführte Struktur auf den T-Zellen besteht aus mehreren Bausteinen, die normalerweise nicht zusammen auftreten, und wird daher als „chimär“ bezeichnet. Die Abkürzung „CAR“ steht für Chimärer Antigen Rezeptor.[6]

Zugelassen ist die CAR-T-Zell-Therapie bereits für bestimmte Situationen beim diffus großzellige B-Zell-Lymphom und akuten Leukämien. Auch für die Behandlung des Hodgkin-Lymphoms werden CAR-T-Zellen in verschiedenen Studien geprüft. Forscher versuchen in mehreren Ansätzen, die Wirksamkeit zu steigern. In einem neuen Review wurden die aktuellen Daten dazu zusammengefasst.[5]

Welche CAR-T-Zellen werden zurzeit geprüft?

Ein Fokus beim Hodgkin-Lymphom liegt zurzeit auf CAR-T-Zellen, die ein spezielles Eiweiß erkennen, das auf Hodgkin-Lymphomen vermehrt zu finden ist: Das sogenannte CD30-Antigen. Ein Vorteil: Dieses Eiweiß wird von normalen Zellen kaum ausgebildet und die entsprechend veränderten und auf CD30 „abgerichteten“ CAR-Ts wirken daher spezifisch auf die bösartigen Krebszellen. Das limitiert toxische Effekte auf gesundes Gewebe.[5]

CD30-CAR-T-Zellen: Forscher untersuchten in einer ersten Studie Wirksamkeit und Sicherheit der CD30-CAR-T-Zellen bei 18 Hodgkin-Lymphom-Patienten, die zuvor mit mehreren Therapien erfolglos behandelt worden waren. Die Teilnehmer vertrugen die Behandlung gut und bei sieben von ihnen bildete sich die Krankheit teilweise zurück (partielle Remission). Sechs Personen wiesen eine stabile Erkrankung auf, das heißt dass es keine Anzeichen für ein fortschreitendes Krebswachstum oder einen neuen Tumor gab.[7]

In einer weiteren Studie wurden die CD30-CAR-T-Zellen bei 41 Patienten geprüft. Auch hier hatten die Teilnehmer bereits mehrere vorangegangene Therapien hinter sich. Die Behandlung wurde erneut gut vertragen: Ein Zytokinfreisetzungssyndrom – eine gefürchtete Nebenwirkung der CAR-T-Zellen – war meist nur leicht ausgeprägt (Schweregrad 1). Neurologische Nebenwirkungen, die ebenfalls häufig im Zuge einer CAR-T-Zell-Therapie beobachtet werden, gab es nicht. Bei 72 % der Studienteilnehmer war die Behandlung mit den CAR-T-Zellen wirksam. 94 % überleben das erste Jahr nach der Therapie und in 36 % der Fälle schritt die Erkrankung innerhalb eines Jahres nicht weiter voran.[8]

Zytokinfreisetzungssyndrom: Systemische Entzündungsreaktion, bei der es zu einer massiven Freisetzung von Zytokinen kommt. Zytokine sind Moleküle, die im Körper verschiedene Prozesse regeln, unter anderem die Signalübertragung zwischen Zellen. Symptome des Zytokinfreisetzungssyndroms sind unter anderem Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blutdruckabfall, Krämpfe, Verwirrtheit und Herzrasen. In schweren Fällen kann es tödlich enden. (Quelle: https://flexikon.doccheck.com/)

Die Wirksamkeit von CAR-T-Zellen steigern

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass CAR-T-Zellen selbst für stark vorbehandelte Hodgkin-Lymphom-Patienten geeignet zu sein scheinen. Obwohl es mittlerweile mehr als 20 klinische Studien gibt, steckt die CAR-T-Zell-Therapie beim Hodgkin-Lymphom aber noch immer in den Kinderschuhen. Eine Frage, die Forscher beantworten müssen, ist unter anderem: Wie lässt sich die Effektivität der Behandlung erhöhen? Wissenschaftler prüfen dazu mehrere Strategien.[5]

1. Die Nutzung von T-Gedächtniszellen
Ein Problem der CAR-T-Zell-Behandlung: Ihre Beständigkeit reicht möglicherweise häufig nicht aus, um die Krebszellen vollständig zu eliminieren. Ein aktueller Ansatz besteht darin, ein CAR-T-Zell-Produkt zu verwenden, das mit „stammzellartigen Gedächtnis-T-Zellen“ angereichert ist. Das kann die Wirksamkeit der CART-Zellen erhöhen.[5]

2. Die Einwanderung in die Tumor-Mikroumgebung erhöhen
CAR-T-Zellen werden oftmals durch das die Tumoren umgebende Milieu daran gehindert, ihre volle Effektivität zu entfalten oder zu ihren Zielzellen zu gelangen. Schuld sind unter anderem bestimmte Moleküle, welche die normale Funktion des Immunsystems unterdrücken. Es gibt Hinweise darauf, dass man die genetisch veränderten T-Zellen weiter so modifizieren kann, dass sie leichter in die Tumor-Mikroumgebung gelangen können. Mit dieser Methode wurden in einer ersten Studie bereits acht Hodgkin-Lymphom-Patienten behandelt. Die speziellen CAR-T-Zellen zeigten bei allen Teilnehmern eine gewisse Wirksamkeit.[9]

3. Kombination mit anderen Therapien
Patienten, die CAR-T-Zellen erhalten haben, profitieren möglicherweise von einer weiteren, relativ neuen Behandlungsart: Den Checkpoint-Inhibitoren. Dabei handelt es sich um Medikamente, die das Immunsystem scharf gegen den Krebs stellen, sodass es den Tumor angreift und zerstört. In einer aktuellen Studie erhielten fünf Erkrankte, bei denen das Hodgkin-Lymphom nach einer CAR-T-Zell-Therapie vorangeschritten war, einen Checkpoint-Inhibitor. Die Studienautoren konnten bei allen Teilnehmern eine gewisse Wirksamkeit nachweisen. Die Strategie sollte in weiteren Studien geprüft werden, schlussfolgern die Forscher.[10] Denkbar ist auch die direkte Kombination aus Checkpoint-Inhibitoren und CAR-T-Zellen.[5]

Fazit

Die Behandlungsmöglichkeiten für Hodgkin-Lymphom-Patienten haben sich dank einer Reihe von neuen Strategien maßgeblich geändert. CAR-T-Zellen sind eine vielversprechende Strategie, die selbst bei sehr stark vorbehandelten Erkrankten effektiv zu sein scheint. Wie die CAR-T-Zellen allerdings in die derzeitigen Therapiekonzepte integriert werden sollen, müssen Mediziner noch prüfen. Ermutigend ist nicht nur die Wirksamkeit von CD30-CAR-T-Zellen, sondern auch ihre begrenzte Toxizität.[5]
 
Bisher zugelassene CAR-T-Zell-Therapien bei anderen Krebsarten
Bisher gibt es in Europa zwei zugelassene CAR-T-Zell-Produkte (Stand April 2022):
 
Tisagenlecleucel ist zugelassen für die Therapie von
– Kindern, Jugendlichen und jungen erwachsenen Patienten im Alter bis einschließlich 25 Jahre mit refraktärer* oder rezidivierter** (Rezidiv nach Transplantation oder zweites oder späteres Rezidiv) akuter lymphatischer B-Zell-Leukämie (ALL)
– erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffus großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) nach zwei oder mehr Linien einer systemischen Therapie***
 
Das DLBCL gehört zu den Non-Hodgkin-Lymphomen.
(Quelle: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Tisagenlecleucel_55482#Anwendung; letzter Aufruf am 8.4.2022)
 
Axicabtagen Ciloleucel ist zugelassen für die Therapie von
– erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) und primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL) nach zwei oder mehr systemischen Therapien
(Quelle: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Axicabtagen-ciloleucel_55757; letzter Aufruf am 8.4.2022)
 
Ein drittes Produkt, Lisocabtagen Maraleucel, wurde bisher nur in den USA zugelassen für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit verschiedenen Typen von großzelligen B-Zell-Lymphomen.
(Quelle: https://www.gelbe-liste.de/onkologie/lisocabtagen-maraleucel-fda-zulassung; letzter Aufruf: 84.2022)
 
* refraktär: Bestimmte Medikamente sind bei Patienten nicht oder nicht mehr wirksam
** Rezidiv: Krankheitsrückfall
*** systemische Therapie: Behandlung, welche die Wirkung im gesamten Körper entfaltet; das Gegenteil ist eine lokale Therapie, die nur an bestimmten Stellen wirkt.

Quellen

[1] Zentrum für Krebsregisterdaten. https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Morbus%20Hodgkin/morbus%20hodgkin_node.html#:~:text=Das%20Hodgkin%2DLymphom%20ist%20eine,zu%20den%20f%C3%BCnf%20h%C3%A4ufigsten%20Krebsdiagnosen. (letzter Aufruf am 8.4.2022)
[2] Leitlinienprogramm Onkologie: Patientenleitlinie Hodgkin-Lymphom. Abrufbar unter https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Patientenleitlinien/Hodgkin-Lymphom_Patientenleitlinie_DeutscheKrebshilfe.pdf (letzter Aufruf am 8.4.2022)
[3] https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/non-hodgkin-lymphome/anatomie-und-funktion-des-lymphatischen-systems.html
[4] https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/lymphome/index.php
[5] Meier JA et al. The Emerging Role of CAR T Cell Therapy in Relapsed/Refractory Hodgkin Lymphoma. J Pers Med. 2022 Feb 1;12(2):197.
[6] https://www.gpoh.de/kinderkrebsinfo/content/patienten/behandlung/behandlungsmethoden/car_t_zelltherapie/wirkung/index_ger.html (letzter Aufruf am 8.4.2022)
[7] Wang CM et al. Autologous T cells expressing CD30 chimeric antigen receptors for relapsed or refractory Hodgkin lymphoma: An open-label phase I trial. Clin. Cancer Res. 2017; 23: 1156–1166
[8] Ramos C et al. Anti-CD30 CAR-T cell therapy in relapsed and refractory Hodgkin lymphoma. J. Clin. Oncol. 2020; 38: 3794–3804
[9] Grover NS et al. CD30-directed CAR-T cells co-expressing CCR4 in relapsed/refractory Hodgkin lymphoma and CD30+ cutaneous T cell lymphoma. Blood 2021; 138: 742
[10] Voorhees TJ et al. Retrospective Cohort Study Analyzing the Safety and Efficacy of Anti-PD-1 Therapy Following CD30 CAR-T Cell Therapy in Relapsed/Refractory Hodgkin Lymphoma. Blood 2019, 134, 3233

Medizinisches Cannabis in der Onkologie

Kaum ein Fachbereich in der Medizin erlebt eine derartige Innovationsdichte wie die Onkologie. Geforscht wird in alle Richtungen. Neue Erkenntnisse in der Molekularbiologie treffen auf technisches Equipment, das mit einer kaum vorstellbaren Präzision interveniert. Gleichzeitig wird an unterstützenden oder supportiven Therapien geforscht, die zum Beispiel eingesetzt werden, um gravierende Nebenwirkungen wie sie unter anderem bei einer Chemotherapie auftreten können, abzuschwächen.

Spätestens seit medizinisches Cannabis in Deutschland 2017 „legalisiert“ wurde, sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) – die wichtigsten Cannabinoide und somit Wirkstoffe der Hanfpflanze – auch verstärkt in den Fokus der Wissenschaft geraten. Der Grund:

  • THC wirkt unter anderem antiemetisch (Brechreiz-unterdrückend), relaxierend und sedierend.
  • Cannabidiol (CBD) hat unter anderem eine anti-psychotische, anxiolytsche (angstlösende), anti-inflammatorische (entzündungshemmende) und spasmolytische (krampflösende) Wirkung.

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Wissenschaftlich belastbare Erkenntnisse zu THC- und CBD-Wirkungen liegen bislang für Schmerzen, Spastiken, Übelkeit und Erbrechen durch Zytostatika (Chemotherapie) vor. Als wahrscheinlich gilt eine gute Wirksamkeit bei Appetitlosigkeit, Schizophrenie, Morbus Parkinson, Tourette-Syndrom, Epilepsie, Kopfschmerzen (Migräne) sowie chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Alles Eigenschaften beziehungsweise Wirkweisen, die gut in das Behandlungsprofil von an Krebs erkrankten Menschen passen.

Medizinisches Cannabis als Antiemetikum

Übelkeit und Erbrechen gehören fast immer zu den Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Vermutet wird ein Überschuss Serotonin in speziellen Zellen, die in großer Anzahl im Magen-Darm-Trakt zu finden sind.

Der Vagusnerv (Nervus vagus), Hauptnerv des parasympathischen Nervensystem im Verdauungstrakt, hat 5-HT-Rezeptoren oder auch Serotonin-Rezeptoren. Über diese Verbindung könnte das Brechzentrum angeregt werden. Cannabinoide sollen die Serotonin-Rezeptoren blockieren.

Im onkologischen Behandlungs-Alltag wird trotzdem fast ausschließlich auf klassisch-pharmazeutisch produzierte Antiemetika zurückgegriffen.

Medinisches Cannabis als Appetitanreger

Mangelernährung bei Krebskranken ist ein häufig unterschätztes Problem. Der Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl, ärztlicher Leiter des Medicum Hamburg, Europas größtem Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention sowie Adipositas, sagt: „Zurzeit ist es so, dass 30 Prozent der an Krebs erkrankten Menschen bei uns aufgrund einer Mangelernährung regelrecht verhungern. Sie sterben nicht am Krebs. Das ist solide belegt.“

Doch es ist schwierig, ein gesundes Hungergefühl zu entwickeln, wenn ein lebenswichtiges Stoffwechselhormon fehlt. Das Hormon Ghrelin läuft in der Medizin auch unter der Bezeichnung Heißhunger-Hormon. Ghrelin ist die Abkürzung für Growth Hormone Release Inducing. Ghrelin ist in Wachstumsprozessen des Körpers involviert und reguliert das Hunger- und Sättigungsgefühl.

Zum Einsatz kommt das Heißhunger-Hormon im Magen-Darm-Trakt inklusive Bauchspeicheldrüse und wirkt über den Hypothalamus auf das Hungergefühl. Bekommt der Körper über einen längeren Zeitraum nichts zu essen, steigt die Ghrelin-Konzentration im Blut – und löst so den Essensreflex aus.

Wird bei einer Chemotherapie (vor allem mit Cisplatin) vermehrt Serotonin freigesetzt, wird das Heißhunger-Hormon reduziert. Die Folge ist Appetitlosigkeit, obwohl der Magen leer ist. Mangelernährung droht. Die Wirkstoffe von medizinischem Cannabis sind in der Lage, direkt die entsprechenden Rezeptoren des Gehirns zu besetzen und sogar das Sättigungshormon Leptin fernzuhalten. Beim Freizeitkonsum von nicht-medizinischem Cannabis wird das als „Fress-Flash“ bezeichnet – Hunger, obwohl eigentlich nichts mehr reinpasst.

Medizinisches Cannabis als Durchfall-Stopper

Durchfall gehört zu den häufigsten Nebenwirkungen vieler Krebstherapien wie Chemo- und Strahlentherapie, kann aber auch ein Symptom verschiedener Krebsentitäten wie Lymphome, Darmkrebs und Pankreaskrebs sein. Für ohnehin geschwächte Patienten kann sich langanhaltender Durchfall zu einer lebensbedrohlichen Situation auswachsen. Folgen können eine starke Dehydrierung und Bauchschmerzen sein.

Medizinisches Cannabis hat in medizinischen Studien eine positive Wirkung auf den Verdauungstrakt gezeigt. Der wahrscheinliche Grund für die positive Wirkung: Im gesamten Verdauungstrakt gibt es viele Cannabinoid-Rezeptoren. Diese könnten durch THC und CBD aktiviert werden und entzündungshemmend wirken. Vor allem die CB1-Rezeptoren könnten eine wichtige Rolle spielen.

Medizinisches Cannabis als Antidepressivum

Angst, Niedergeschlagenheit und Verzweiflung sind Gefühle, die viele Kranke und ihre Angehörige nach einer Krebsdiagnose empfinden. Angesichts des unsicheren Verlaufs und der tiefgreifenden Lebensveränderungen, die mit der Krankheit und Behandlung verbunden sein können, ist es ratsam, um geeignete psychotherapeutische Unterstützung zu bitten. Depressionen sind bei Krebserkrankungen ein ernstzunehmendes Problem.

Das schreibt die Deutsche Krebsgesellschaft auf ihrer Website Onko Internetportal. Ob tatsächlich eine Depression vorliegt, müssen die behandelnden Ärzte entscheiden. Für die Diagnose hat die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung (APA) eine Checkliste ausgearbeitet. Treffen fünf oder mehr Punkte über einen Zeitraum von zwei Wochen zu, sprichen Mediziner von einer „Major Depression“.

– depressive Verstimmung (gedrückte Stimmung, Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Mutlosigkeit, Hoffnungslosigkeit)
– deutlich vermindertes Interesse oder Freude an allen oder fast allen Aktivitäten
– deutliche Gewichtsveränderungen oder gesteigerter oder verminderter Appetit
– Schlaflosigkeit oder übermäßiges Schlafbedürfnis
– auffallende Ruhelosigkeit oder auffallend verlangsamte Bewegungen
– Müdigkeit oder Energieverlust
– Gefühle von Wertlosigkeit oder übermäßige, unangemessene Schuldgefühle
– verminderte Denk- oder Konzentrationsfähigkeit oder verringerte Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen
– wiederkehrende Todes- oder Selbstmordgedanken

CBD-haltige Präparate können wegen ihres stimmungsaufhellenden Effekts Angstzuständen, Panikattacken oder anderen psychischen Belastungen gegensteuern. Die Laune des Betroffenen wird gehoben, Stress verringert und selbst die Schlafqualität verbessert. Aber: Medizinisches Cannabis kann zwar kurzfristig die Stimmung aufhellen, das muss allerdings nicht dauerhaft sein. Eine Therapie mit medizinischem Cannabis muss deswegen unter strenger ärztlicher Kontrolle stattfinden.

Medizinisches Cannabis gegen Schmerzen

Schmerzreduktion ist gerade in der palliativen Onkologie ein zentrales Thema. Besteht therapeutisch keine Chance mehr, eine finale Progression der Krebserkrankung zu stoppen, kommen starke Opiate zum Einsatz, die zwar sehr schnell zu einer Abhängigkeit führen, was aber wegen der Lebenssituation billigend in Kauf genommen wird.

In einem früheren Stadium der Krankheit können die Schmerzen mit nicht abhängig machendem medizinischem Cannabis therapiert werden. Dabei muss allerdings zwischen zwei verschiedenen Arten des Schmerzes unterschieden werden:

1. neuropathische Schmerzen, die durch Schädigungen oder Erkrankungen des Nervensystems auftreten
2. nozizeptive Schmerzen, bei denen die Nervenbahnen nur als Übermittler des Schmerzempfindens dienen

Relativ sicher ist, dass THC bei neuropathischen Schmerzen Linderung verschafft. Denn Dronabinol (aus der Cannabis-Pflanze gewonnenes THC) kann grundsätzlich die Übertragung der Schmerzreize hemmen. Schmerzpatienten erleben objektiv und subjektiv eine Verbesserung der Lebensqualität.

Medizinisches Cannabis als Krebsmedikament

Medizinisches Cannabis kann die Lebensqualität eines Krebspatienten verbessern, indem es Therapie-Nebenwirkungen weniger belastend macht. In der Palliativ-Medizin verschreiben umsichtige Palliativ-Ärzte den Menschen mit sehr schlechter Prognose, medizinisches Cannabis auch dann, wenn eigentlich keine medizinische Indikation vorliegt. Einfach nur, weil die Patienten das wünschen.

Als direkte Behandlungsoption für Primärtumore und deren Metastasen gibt es für medizinisches Cannabis keine seriösen Empfehlungen, weil die Studienlage so dürftig ist, dass sich daraus keine Therapie-Optionen ableiten lassen. Sehr verhalten geforscht wird unter anderem an der Möglichkeit, dass medizinisches Cannabis durch Belegung verschiedener Rezeptoren ein Tumorwachstum stoppen könnte.

Cannabis-Exkurs für Krebs-Betroffene

Die Cannabispflanze wird seit Jahrtausenden als Heil- und Nutzpflanze eingesetzt. Ihr medizinisches Potenzial sitzt vor allem in den Cannabisblüten und den Blüten-nahen Blättern. Man unterscheidet die Pflanzen-Arten Cannabis indica und Cannabis sativa. Der Sativa-Indica-Unterschied besteht zum einen aus Unterschieden in den äußerlichen Merkmalen, zum anderen in unterschiedlichen pharmakologischen Wirkweisen. Einfach heruntergebrochen heißt es, dass die Sativa-Wirkung mehr den Geist, die Indica-Wirkung hingegen mehr den Körper betrifft.

Die Cannabis-Wirkung der verschiedenen Cannabissorten hängt von ihren spezifischen Inhaltsstoffen, genauer von deren Konzentration ab. Haze-Sorten beispielsweise sind für ihren hohen THC-Gehalt bekannt. Neben Cannabinoiden wie THC, CBD und CBG sind noch weitere Inhaltsstoffe relevant: Terpene sind nicht nur maßgeblich verantwortlich für den Geruch und Geschmack der verschiedenen Cannabissorten, sondern beeinflussen auch die Wirkung.

Wenn Cannabis-Ärzte Blüten zum Rauchen verschreiben, empfehlen sie häufig die Nutzung einer speziellen E-Zigarette: Ein Vaporizer ermöglicht es, das medizinische Cannabis kontrolliert bei einer bestimmten Temperatur zu verdampfen und zu inhalieren.

In einer sogenannten Cannabis-Apotheke, also einer auf Cannabis spezialisierten Apotheke, sind neben Blüten auch weitere Cannabis-Präparate und -Produkte erhältlich. Das muss übrigens keine stationäre Apotheke sein, auch eine Online-Apotheke darf sowohl rezeptpflichtiges als auch frei verkäufliches Cannabis vertreiben. Nicht rezeptpflichtig sind alle Präparate und Produkte, die einen THC-Gehalt unter 0,2 Prozent aufweisen. Das kann beispielsweise CBD-Öl oder CBG-Öl sein. Die Cannabisöl-Wirkung bei den Hauptwirkstoffen CBD und CBG ist übrigens ähnlich, aber nicht identisch. Lassen Sie sich bei Interesse von einem Arzt oder Apotheker beraten.

Medizinisches Cannabis: Blüten der Hanfpflanze.
Medizinisches Cannabis: Blüten der Hanfpflanze.
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Medizinisches Cannabis für Krebs-Patienten gibt es in diesen Arzneiformen

  • Nabilon ist ein synthetisches Cannabinoid (THC-Derivat) in Kapselform.
  • Dronabinol (Tetrahydrocannabinol, THC) ist in Kapselform oder als ölige Lösung zur oralen Einnahme sowie als Lösung zur Inhalation verfügbar.
  • Cannabidiol (CBD) wird aus der Hanfpflanze (Cannabis sativa) gewonnen und wird als ölige Lösung verwendet.
  • Nabiximols ist ein Extrakt aus der Hanfpflanze und als Mundspray verfügbar. Es beinhaltet eine 1:1-Kombination von THC und CBD in definierter Menge.
  • Medizinisches Cannabis (Medizinalhanf) sind die Blüten der Hanfpflanze. Deren Konzentration an THC und CBD schwankt, je nach eingesetzter Sorte. Es kann etwa als Tee oder zum Zubereiten zur Inhalation nach Verdampfen verschrieben werden.werden.

Was unbedingt beachtet werden muss: Cannabinoid-haltige Fertigarzneimittel sind nicht für alle Patienten geeignet. Zum Beispiel sollten die verschiedenen zugelassenen Arzneimittel nur mit äußerster Vorsicht bei Patienten mit Leber- oder Nierenfunktionsstörungen angewendet

Tropfen für Therapie mit medizinischem cannabis.
Es besteht kein Rechtsanspruch auf eine Therapie mit medizinischem Cannabis.
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Juristische Grundlagen für eine Therapie mit medizinischem Cannabis

Einen Anspruch auf eine möglicherweise sinnvolle Behandlung mit medizinischem Cannabis gibt es nicht. Es bleibt weiterhin dem Arzt überlassen, ob er tatsächlich zum Rezeptblock greift. Die Therapie-Hoheit liegt immer beim behandelnden Arzt – und es gibt bislang nur wenige Ärzte, die bereit sind, medizinisches Cannabis zu verschreiben. Vielfach sind es Vorbehalte und mangelnde Kenntnis, die Ärzte davon abhalten, ein Cannabis-Rezept auszustellen. Im Zweifel greifen sie erfahrungsgemäß eher zu Fertigmedikamenten. Bei Cannabis-Blüten sind die Hürden noch höher.

Fact-Check: Das sagen die medizinischen Leitlinien zur Krebs-Komplementärmedizin

Was kann ich neben der eigentlichen Tumortherapie tun, damit es mir besser geht? Diese Frage stellen sich wohl die meisten Krebspatienten. Nicht selten kommen hier komplementäre oder alternative Methoden ins Spiel: Vitamine, Bewegung, Massagen, Akupunktur & Co. sollen angeblich viele Nebenwirkungen von Krebsbehandlungen lindern und die Lebensqualität der Betroffenen erhöhen. Aber was ist wirklich wissenschaftlich belegt? Die Leitlinie „Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen Patienten“ klärt genau darüber auf.

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Krebs-Komplementärmedizin: Nebenwirkungen lindern, Lebensqualität steigern

Erhalten Menschen die Diagnose Krebs und benötigen sie infolgedessen eine Chemotherapie oder andere Behandlungen, ist das ein lebensveränderndes Ereignis. Viele Krebspatienten wollen neben der eigentlichen Therapie auch selbst etwas zu ihrer Heilung beitragen und greifen daher zu sogenannten komplementären Methoden. Den meisten Betroffenen geht es wohl darum, Nebenwirkungen der Krebstherapie zu lindern und die eigene Lebensqualität zu verbessern. Hier setzt die Komplementärmedizin an: Sie beinhaltet Verfahren, die ergänzend zur Schulmedizin eingesetzt werden. Abgegrenzt werden sollte der Begriff von der Alternativmedizin, bei der häufig keine gleichzeitige schulmedizinische Behandlung stattfindet. (Quelle)

2021 wurde erstmals eine Leitlinie zur „Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen Patienten“ veröffentlicht. In Leitlinien wird das aktuelle medizinische Wissen zu Erkrankungen zusammengefasst. Sie enthalten Empfehlungen, wie Krankheiten festgestellt und behandelt werden sollen, und sie informieren darüber, wie gut eine solche Empfehlung wissenschaftlich belegt ist. Sie geben Ärzten daher eine Orientierungshilfe, sind aber rechtlich nicht verbindlich. (Quelle)

Die Leitlinie zur „Komplementärmedizin in der Behandlung onkologischer Patienten“ zielt darauf ab, die wichtigsten Methoden, Verfahren und Substanzen, die zur komplementären und alternativen Medizin zählen und die Patienten häufig nutzen, zu bewerten. Grundlage für die Bewertung ist die sogenannte „evidenzbasierte Medizin“. Diese stellt aktuelle und wissenschaftlich geprüfte Informationen (aus aussagekräftigen wissenschaftlichen Studien) zu verschiedenen medizinischen Verfahren oder Therapien bereit. Dank der evidenzbasierten Medizin ist es möglich, herauszufinden, welche Vor- und Nachteile eine Behandlung hat oder wann sie einem Patienten nützt oder ob sie sogar schaden kann. (Quelle)

Medizinische Leitlinien liefern hilfreiche Handlungsempfehlungen.
Medizinische Leitlinien liefern hilfreiche Handlungsempfehlungen.
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Kernaussagen der medizinischen Leitlinien

Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums schreibt in seinem Informationsblatt über alternative und komplementäre Krebsmedizin. Darin wird unter anderem darauf eingegangen, warum die Krankenkassen viele komplementäre oder alternative Methoden nicht übernehmen und bei welchen Anbietern verschiedener Verfahren Patienten besonders vorsichtig sein sollte.

Herausgeber der Leitlinie ist das Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG) und Deutschen Krebshilfe (DKH). Verschiedene Fachgesellschaften waren an der Erstellung der Leitlinie beteiligt.

Generell gibt es zur komplementären und alternativen Medizin nur wenig wissenschaftliche Daten, weshalb noch immer großer Forschungsbedarf besteht. Einige Studien deuten aber darauf hin, dass manche Verfahren tatsächlich nützlich sein können – gerade in Bezug auf die Lebensqualität oder bei der Linderung von Symptomen, die durch die Erkrankung selbst oder durch Krebstherapien entstehen. „Sollte“ bedeutet dabei: Empfehlung. „Soll“ bedeutet: starke Empfehlung.

Patientenaufklärung bei Krebs

Die Leitlinienautoren empfehlen, Patienten frühestmöglich und im Verlauf wiederholt zur Anwendung von komplementären Methoden zu befragen. Komplementäre Verfahren können die eigentliche Krebstherapie beeinflussen – darauf sollten Betroffene hingewiesen werden. Ärzte sollten weiterhin unseriöse Methoden benennen. Die Aufklärung ist essenziell, denn im Schnitt nutzt circa die Hälfte der Patienten im Verlauf der Erkrankung oder Behandlung mindestens ein komplementäres Verfahren.

Akupunktur bei Krebs

Bei der Akupunktur werden Nadeln in definierte Punkte der Körperoberfläche gestochen. Das soll Störungen des Organismus positiv beeinflussen. Die Therapie soll den Qi-Fluss regulieren und somit zur Heilung beitragen. Wissenschaftlich betrachtet ist die Akupunktur wohl eher ein Reizereignis, das Mechanismen der Schmerzhemmung und Regeneration anstößt.

Forscher prüften in Studien, ob eine Akupunktur Schmerzen in Gelenken, die bei Brustkrebspatientinnen von einer bestimmten Therapieform hervorgerufen werden können, verringern kann. Aufgrund der positiven Daten empfehlen die Leitlinienautoren den Einsatz der Akupunktur, um Gelenkschmerzen zu lindern (sollte-Empfehlung). Weitere Daten liegen zur Anwendung der Akupunktur vor, um Tumorschmerzen zu reduzieren. Auch hier gibt es in der Leitlinie eine „sollte“-Empfehlung für den Einsatz.

Tai Chi / Qigong bei Krebs

Tai Chi, oft auch als „Schattenboxen“ bezeichnet, ist eine weltweit praktizierte Bewegungsform, die ursprünglich aus der Selbstverteidigung hervorgegangen ist und die eine Abfolge von Übungen mit langsamen und fließenden Bewegungen beinhaltet. Daneben werden beim Tai Chi auch Atemtechniken sowie kognitive Fähigkeiten integriert.

Qigong zeichnet vereinfachte Bewegungsabläufe und Wiederholungen der Bewegungsroutine aus. Die Techniken von Tai Chi und Qigong überschneiden sich aber zu großen Teilen.

In Studien wurde gezeigt, dass Tai Chi / Qigong bei Fatigue sowie Ein- und Durchschlagstörungen während und nach der onkologischen Therapie helfen kann. Daher sprechen die Leitlinienautoren eine „sollte“-Empfehlung aus.

Yoga bei Krebs

Yoga gehört in den USA zu den am häufigsten komplementärmedizinisch genutzten Methoden. Auch in Deutschland praktizieren viele Menschen die Haltungen, Übungen und fließenden Bewegungsabfolgen: In einer Umfrage gaben 3,3 Prozent der Befragten an, zurzeit Yoga zu praktizieren, und 15,1 Prozent hatten dies in ihrem Leben bereits getan.

Studien zufolge kann Yoga eine Fatigue (d. h. eine extreme Müdigkeit / Erschöpfung) von Krebspatienten vor und nach onkologischen Behandlungen lindern. Laut der Leitlinie sollte Yoga daher zur Senkung von Fatigue empfohlen werden.

Sport und Bewegung bei Krebs

Ein klares Statement gibt es in der Leitlinie zu Sport und Bewegung für onkologische Patienten: Generell soll den Betroffenen empfohlen werden, unter und nach Abschluss der Krebstherapie körperlich aktiv zu sein. Die Leitlinienautoren raten insbesondere dazu, körperliche Inaktivität zu vermeiden. Außerdem sei das Ziel, „mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten anstrengende körperliche Aktivität pro Woche so früh wie möglich nach der Diagnose wieder zu erreichen oder aufrechtzuerhalten.“ Mehr Infos: „Krebsrückfall senken: Mit Sport dem Krebs davonlaufen“.

Weitere Empfehlungen:
– Onkologische Patienten sollen zum Erhalt von motorischen Fähigkeiten ein Training mit Ausdauer-, Kraft-, Koordinations- und Beweglichkeitstraining absolvieren.
– Körperliche Aktivität und Sport eignen sich zur Behandlung und Prävention einer krebsspezifischen Fatigue und sollen daher empfohlen werden.
– Gleiches gilt, um die Lebensqualität zu erhalten.

Welche Art des Sports /der Bewegung und welche Intensität geeignet ist, hängt vom jeweiligen Zustand des Patienten, von seiner Belastbarkeit, der körperlichen Bewegungsfreiheit und von seinen Vorlieben ab. Dabei sollte die sportliche Betätigung nicht über die eigene Belastungsgrenze hinausgehen.

Warnung vor Amygdalin / „Vitamin B17“ bei Krebs

In mehreren Abschnitten empfehlen die Leitlinienautoren explizit, auf die Anwendung bestimmter Verfahren, Vitamine oder Maßnahmen zu verzichten. Auch eignen sich die meisten komplementären Maßnahmen nicht, um die Lebenszeit zu verlängern oder das Risiko zu senken, dass der Krebs zurückkommt. Eine explizite Warnung sprechen die Experten für Amygdalin / Laetrile aus. Diese oft auch als „Vitamin B17“ bezeichnete Pflanzenverbindung ist in den Kernen vieler Früchte enthalten – unter anderem in Aprikosenkernen. Die Substanz wird über mehrere Zwischenstufen in Benzaldehyd und Cyanid (Blausäure) umgewandelt, das möglicherweise giftig wirkt. Auch der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums warnt vor der Einnahme von Aprikosenkernen: Blausäure kann schwere Vergiftungen verursachen, oft begleitet von Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. In schlimmsten Fall drohen Atemnot und Tod.

In Studien rief Amygdalin teils schwere und potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkungen hervor. Zudem gibt es keinerlei Hinweise auf Effekte, die sich positiv auf eine Tumorerkrankung auswirken könnten. Amygdalin, Laetrile oder Aprikosenkerne sollen daher nicht empfohlen werden.

Weitere Empfehlungen der Leitlinie: Vitamin D-Spiegel bei Krebs-Patienten messen

Die Leitlinien-Autoren sprechen eine Reihe weiterer soll- / sollte-Empfehlungen aus. Dazu gehören:
Onkologischen Patienten mit verminderter Knochenstabilität, zum Beispiel durch Knochenmetastasen oder Osteoporose, soll im Fall einer Verletzungsgefahr von einer Chirotherapie oder Osteopathie mit manipulativen Techniken oder Impulstechniken abgeraten werden.

Eine ketogene Ernährung (d. h. eine kohlenhydratarme Kost) soll nicht bei normalgewichtigen und untergewichtigen Patienten empfohlen werden.

Um Mangelzustände zu erkennen, sollten bei onkologischen Patienten die Vitamin D-Spiegel gemessen werden.

Krebs-Komplementärmedizin: Übersicht über die Leitlinien-Empfehlungen

Die folgende Tabelle ist in abgewandelter Form aus der Leitlinie entnommen. Sie gibt einen Überblick über evidenzbasierte, komplementäre Therapien zur Verbesserung von Symptomen und Lebensqualität von Erkrankten unter oder nach einer Krebstherapie. Achtung: Die Methoden wurden nur bei bestimmten Patienten (z. B. Brust- oder Prostatakrebs), zu bestimmten Zeitpunkten (z. B. vor oder nach einer Krebstherapie) und bei bestimmten Behandlungen (z. B. Bestrahlung oder Chemotherapie) untersucht. In der Tabelle wird aus Gründen der Übersichtlichkeit teilweise auf diese Angaben verzichtet.

Ein Beispiel: In einer Studie wurden Angst / Ängstlichkeit von Brustkrebspatientinnen nach Abschluss einer Chemotherapie oder unter bestimmten anderen Medikamenten durch Akupunktur verringert. Die vollständigen Informationen, welches Verfahren, wann unterstützend wirken kann, finden Interessierte in der Leitlinie ab Seite 19.

Sind keine Angaben zu einer bestimmten Patientengruppe gemacht, gilt die Empfehlung für alle onkologischen Betroffenen. Für manche Verfahren gibt es eine konkrete Empfehlung, diese bei bestimmten Symptomen einzusetzen.

Symptom / Zielsoll / sollte eingesetzt werdenkann (muss aber nicht) bestimmten Patienten helfen – Empfehlung offensoll / sollte nicht eingesetzt werdenkeine ausreichenden Datenlage
Angst / Ängstlichkeit – Akupunktur (Brustkrebs) – Mindfulness-based Stress Reduction (Brustkrebs)
– Meditation (Brustkrebs und Leukämie)
– Yoga (Kolorektalkarzinom)  
Bioenergiefeld-Therapien– Kunsttherapie
– Schwedische Massage
Appetit   Carnitin
Dermatitis (entzündliche Hautreaktion)  Aloe Vera-haltige Cremes, Lotions oder Aloe Vera Gele zur Vorbeugung einer Radiodermatitis (soll nicht)  – Boswellia serrata (auf die Haut aufgetragen) gegen strahleninduzierte Dermatitis
– Zinksupplementation zur Vorbeugung
Depressivität (nicht im Sinne einer diagnostizierten Depression zu verstehen) – Akupunktur (Brustkrebs)
– Mindfulness-based Stress Reduction
-Meditation
– Tai Chi / Qigong
– Yoga (Kolorektalkarzinom)
Bioenergiefeld-Therapien– Kunsttherapie
– Schwedische Massage
Distress   Schwedische Massage
Geschmacksstörung   Zink zur Prävention
Ein- und DurchschlafstörungenTai Chi / Qigong (sollte), während und nach Abschluss von Chemo- / Radiotherapie– Akupunktur
– Mindfulness-based Stress Reduction
– Yoga (Brustkrebs)
– Anthroposophische Komplexbehandlung (Überlebende nach Brustkrebs)
 – Baldrian
– Bryophyllum pinnatum
– Schwedische Massage
– Meditation
Entspannung   Schwedische Massage
Erektile Dysfunktion   Yoga
Fatigue– Körperliche Aktivität und Sport (soll)
– Tai Chi / Qigong (sollte)
– Yoga (sollte)
– Akupunktur
– Akupressur
– Ginseng
– (ärztlich geleitetes), individualisiertes, multimodales komplementärmedizinisches Therapieangebot (Brustkrebs)
– Mindfulness-based Stress Reduction
– Anthroposophische Komplexbehandlung (Überlebende nach Brustkrebs)
– Bioenergiefeld-Therapien
– Guarana-trockenextrakt
– Bryophyllum pinnatum (Phytotherapeutische Dosierung)
– Carnitin
– Kunsttherapie
– Meditation
– Schwedische Massage
– Zink (Prävention)
Hand-Fuß-Syndrom   Vitamin B6
Ileus (Darmverschluss) Akupunktur (Kolonkarzinom)  
Kognitive Beeinträchtigung – Akupunktur (Brustkrebs)
– Mindfulness-based Stress Reduction (Brustkrebs)
– Yoga (Brustkrebs)
 – Ginkgo biloba (Brustkrebs)
– Meditation
LebensqualitätKörperliche Aktivität und Sport (soll)– Akupunktur
– (ärztlich geleitetes), individualisiertes, multimodales komplementärmedizinisches Therapieangebot (Brustkrebs
– Klassische Homöopathie
– Mindfulness-based Stress Reduction
– Meditation (Brustkrebs) – Subkutane (unter die Haut) Gabe von Mistelgesamtextrakt enthaltenden Arzneimitteln (solide Tumoren)
– Tai Chi / Qigong
– Yoga (Brustkrebs)
– Vitamin E und Beta-Carotin (soll nicht) (Kopf-Hals-Tumoren) – Bioenergiefeld-Therapie ·       Ketogene Diät (Ovarial-/Endometriumkarzinom) – Vitamin B12 und Folsäure (Lungenkrebs und Mesotheliom)– Anthroposophische Behandlungen (z. B. Einnahme natürlicher Präparate, Kunsttherapie, Exposition Bestrahlung mit buntem Licht, Musik- und Sprachtherapie, Heileurythmie, Diät, therapeutische Massage, Hydrotherapie und teilweise auch Misteltherapie)
– Carnitin
– Epigallocatechingallat (grüner Tee)
– Heilpilze
– in Deutschland registrierte homöopathische Einzelmittel / Komplexmittel
– schwedische Massagen
Lymphödem   Yoga
Menopausale Symptome – Akupunktur
– Cimicifuga racemosa (Traubensilberkerze) (Brustkrebs)
– Mindfulness-based Stress Reduction (Brustkrebs oder andere gynäkologische Tumoren)
– Yoga (Brustkrebs)
– Isoflavone (Soja, soll nicht) (Brustkrebs)
– Vitamin E (soll nicht) (Brustkrebs)
 
Mukositis (Entzündung der Mundschleimhaut) – Natriumselenit (Gebärmutter,- Gebärmutterhalskrebs, fortgeschrittene Kopf-Hals-Tumoren)
– Zink (Supplementation)
– Vitamin E (soll nicht) (Kopf-Hals-Tumoren)
– Vitamin E (sollte nicht, andere onkologische Patienten)
– Zink (soll nicht)
– Aloe vera-haltige Mundspülungen
– Aloe Vera-haltige Rektalsalbe
– Aloe Vera-Säfte zur Prophylaxe
– Kurkuma bei topischer (auf die Haut aufgetragen) Applikation (Kopf-Hals-Tumoren)
– Selenit (akute lymphatische oder myeloische Leukämie)
Nebenwirkungen der Androgendeprivation / Androgensuppression*   Isoflavone (Prostatakarzinom)
Neutropenie**  – Vitamin B12 und Folsäure (Lungenkarzinom und Mesotheliom im fortgeschrittenen Stadium) 
Entzündung der Speiseröhre   Zink zur Prävention
Störungen der Innenohr-Funktion  Vitamin E (soll nicht) 
Schädigung peripherer Nerven (periphere Polyneuropathie)  – Carnitin (soll nicht)
– Vitamin E (soll nicht)  
– Kombination aus Vitamin B1 und Vitamin B6
– Vitamin B12 (isolierte Gabe)
Rachenentzündung   Zink zur Prävention durch Supplementation
SchmerzAkupunktur (sollte) (Brustkrebs und andere onkologische Patienten)  – Akupunktur (Patienten mit durch eine Chemotherapie verursachten peripheren neuropathischen Schmerzen)
– Elektroakupunktur (Patienten mit Prostataentfernung)
– Elektroakupunktur (Patienten während Hirntumoroperationen)
– (ärztlich geleitet) individualisiertes, multimodales komplementärmedizinisches Therapieangebot (Brustkrebs)
– Ohr-Akupressur (Tumorschmerzen)
Bioenergiefeld-TherapienSchwedische Massage
Schulterbeweglichkeit   Yoga
Stimmung / Affekt   Schwedische Massage
Stress – achtsamkeitsbasierte Atemtechnik
– Mindfulness-based Stress Reduction
 – Schwedische Massage
– Yoga
Übelkeit / Erbreachen – Akupressur (Neiguan, PC6) – Akupunktur (zusätzlich zu einer Brechreiz-lindernden Therapie)
– Ingwer
Bioenergiefeld-Therapien– Schwedische Massage
– Yoga
Wohlbefinden   Schwedische Massage
Wundheilung   Epigallocatechingallat (grüner Tee)
Mundtrockenheit AkupunkturKombination von Vitamin C und Vitamin E (Kopf-Hals-Tumoren)Zink
Hirnödem   Boswellia serrata (Hirntumoren)
Hinweis: Die Angaben in Klammern hinter den einzelnen Methoden weisen darauf hin, bei welchen Patienten die jeweilige Methode untersucht wurde; ist die Empfehlung zum Beispiel auf bestimmte Patienten beschränkt, heißt das nicht, dass sie bei anderen Patienten nicht wirkt, sondern lediglich, dass sie dort nicht untersucht wurde. Gleiches gilt für Kann-Empfehlungen oder Empfehlungen gegen die jeweilige Maßnahme. (*Andorgendeprivation = Therapie beim Prostatakrebs, bei der das Level der männlichen Geschlechtshormone herabgesetzt wird. // **Verminderung der neutrophilen Granulozyten, einer Art von Immunzellen, im Blut)

Lebensfroh trotz Krebskrankheit

Die Therapie war lähmend, auch Angehörige und Freunde haben mitgelitten. Jetzt gilt es, nach vorne zu schauen. Darauf kommt es bei der Nachsorge an.

Nach einer Krebserkrankung wieder in den Alltag zurückfinden, ist nicht einfach. Die Behandlung hat das Leben der Betroffenen, ihrer Familie und Freunde sehr verändert. Und auch die Zeit danach birgt einige Herausforderungen. Welche Untersuchungen stehen noch bevor? Wie lange gibt es Krankengeld? Und wie wird der berufliche Wiedereinstieg? Solche Fragen prägen die Phase nach der Therapie. Psycho-Onkologin Dr. Pia Heußner weiß, was in der Nachsorge wichtig ist.

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Krebs-Nachsorge: Bewegung ist das A und O

Sport kommt in der Krebs-Nachsorge eine wichtige Rolle zu. Denn: „Es gibt wissenschaftliche Hinweise dafür, dass regelmäßige moderate Bewegung das Rückfallrisiko einer Krebserkrankung senken kann“, sagt die ärztliche Psychotherapeutin, die seit 2018 die Psycho-Onkologie im Onkologischen Zentrum Oberland in Garmisch-Patenkirchen und Murnau leitet.

Besonders geeignet ist Ausdauersport wie Radfahren, Walken, Schwimmen und Wandern. Er ist gut zu dosieren und leicht zu steigern. Wichtig: Man soll sich zwar ein wenig anstrengen, aber zu Beginn nicht überfordern. Später sollten Ausdauer- und Kraftsport kombiniert werden. Von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen sind 150 Minuten engagierte körperliche Bewegung pro Woche – dies gilt übrigens ebenfalls für Gesunde.

Auch auf die Psyche wirkt sich Sport positiv aus. „Die rhythmische Bewegung führt dazu, dass sich nach einer gewissen Zeit die Hirn- und Gedankentätigkeit entspannt“, erklärt die Expertin. Dies kann eine Depression vorbeugen. Wer Sport treibt, verbessert zudem die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Gerade nach einer kräftezehrenden Therapie ist das wichtig. Auch Patienten, die an chronischer Erschöpfung (Fatigue-Syndrom) leiden, hilft Bewegung.

Mittelmeerkost nach Krebs
Mittelmeerkost ist nicht nur nach einer Krebserkrankung gesund.
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Mittelmeerkost: Bunte und vitalstoffreiche Ernährung

Vorweg: Lebensmittel, die Krebszellen zerstören, gibt es nicht. Prinzipiell ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse ratsam (Mittelmeerkost). Auf stark industriell verarbeitete Lebensmittel sollte verzichtet werden.

Ebenfalls sollten Patienten darauf achten, dass sie nicht zu viel Zucker zu sich nehmen. Gänzlich auf den süßen Stoff verzichten muss man jedoch nicht.

Spezielle Diätempfehlungen gibt es für Patienten, die im Bereich des Magen-Darm-Trakts erkrankt sind. „Bei Patienten, denen ein Teil des Dünndarms entfernt wurde, können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein, weil dort normalerweise viele Vitalstoffe aufgenommen werden“, rät Dr. Pia Heußner.

Regelmäßige Krebs-Kontrolluntersuchungen

Nach einer Krebserkrankung stehen in der ersten Zeit vierteljährlich Kontrolluntersuchungen an. Verläuft die Genesung günstig, finden Nachsorgetermine in der Regel später nur noch halbjährlich und dann einmal im Jahr statt.

Ein Nachsorgeplan wird individuell auf den Patienten abgestimmt. Ob zusätzliche Untersuchungen erforderlich werden, hängt auch von der Art der Krebsbehandlung ab. Hat eine Bestrahlung des Kopfes stattgefunden, ist es sinnvoll, auch die Augen in der Nachsorge zu betrachten. Wenn ein Patient hoch dosierte Kortison-Präparate erhalten hat, kann es zu Gelenkschäden kommen. „Auch Herzuntersuchungen sind für einige Patienten ratsam, denn es gibt in der Krebstherapie einzelne Medikamente, die den Herzmuskel schädigen können“, erklärt Psycho-Onkologin, Dr. Pia Heußner.

Gespräche heölfen Krebs-Betroffenen.
Gespräche heölfen Krebs-Betroffenen.
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Krebs-Betroffene: Gespräche trösten die Seele

Hilfsangebote gibt es verschiedene, von Psychotherapie bis Selbsthilfegruppen. Nicht jeder benötigt diese Art der Unterstützung. Manchen reicht es aus, durch Gespräche mit dem Partner und Freunden die psychischen Auswirkungen der Krankheit zu bewältigen.

„Etwa ein Drittel der Krebserkrankten und ihrer Angehörigen profitieren aber davon, wenn sie eine psycho-onkologische Begleitung bekommen“, so Dr. Pia Heußner. Denn die regelmäßigen Kontrollen nach einer Krebsbehandlung sind eine besondere Herausforderung für die Psyche. „Wenn ein Patient weiß, ihm steht in wenigen Tagen eine Untersuchung bevor, kommt oft die Sorge auf, es könnte wieder ein Krebs gefunden werden. Nimmt diese Angst ein so großes Ausmaß an, dass der Patient schon Wochen vor der Untersuchung nicht mehr schlafen kann, sollte er sich Hilfe holen“, rät die Expertin. Auch für Familie und Freunde kann eine Psychotherapie ratsam sein. Ein besonderes Augenmerk sollte auf minderjährige Kinder gelegt werden. „Wir wissen, dass viele Kinder sehr lange im Verborgenen leiden und ihre Ängste und Sorgen gar nicht zum Ausdruck bringen.“

Bürokratische Hürden meistern nach Krebs-Diagnose

Bei einer Krebserkrankung kann einiges auf den Patienten zukommen: Rehabilitation, Versicherungsanträge, Erwerbsunfähigkeitsrente, Beantragung eines Behinderungsgrads. Das sind oft Themen, mit denen sich Betroffene zuvor nie befasst haben. Daher ist es ratsam, sich hierbei Unterstützung zu suchen. Der erste Ansprechpartner ist meistens der Sozialdienst des jeweiligen Krankenhauses. Viele Patienten bekommen auch während der Rehabilitation eine Beratung für bürokratische Angelegenheiten. Professionelle Haushaltsbegleiter können sie dabei unterstützen.

Es können aber auch der Hausarzt oder eine psychosoziale Beratungsstelle weiterhelfen. Solche Stellen gibt es von den Wohlfahrtsverbänden, von den jeweiligen Landeskrebsgesellschaften oder vom Sozialverband VdK Deutschland.

Krebs: Eine Krebstherapie kann das Körpergefühl verändern.
Eine Krebstherapie kann das Körpergefühl verändern.
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Krebs, Körpergefühl und Sexualität

Während der Behandlung verändert sich für viele das Körperempfinden, vor allem wenn Sexualorgane betroffen sind. „So können etwa Brustkrebs-Operationen das Erscheinungsbild der Brust – Formveränderung, Narben – sichtbar verändern und auch zu Verlusten von Nervenempfindungen auf der Haut führen“, sagt die Medizinerin. Viele Frauen möchten sich so noch nicht einmal ihrem Partner zeigen.

Ein zweiter Faktor, der sich stark auf Körpergefühl und Sexualität auswirkt, sind antihormonelle Behandlungen. Die Antitestosterontherapie bei Männern mit Prostatakrebs kann zum Beispiel zu einem kompletten Libidoverlust führen. „Diese Männer bekommen zudem ein eher weibliches Unterhautfettgewebe und fühlen sich oft gar nicht mehr wie ein Mann.“ Mit solchen Problemen muss sensibel umgegangen werden, denn sie sind sehr schambesetzt. Partner von Betroffenen, aber auch Ärzte sollten Verständnis zeigen und immer wieder nachfragen, wie die Person sich damit fühlt.

Krebsrezidive: Wenn der Tumor zurückkehrt

Trotz Chemo- und Strahlentherapie halten sich manche Tumore hartnäckig und flammen erneut auf. Wie Betroffene am besten mit dieser Situation umgehen können?

Der deutsche Stabhochsprung-Weltmeister Tim Lobinger (49) bekam die Diagnose am 3. März 2017: Multiples Myelom, eine besonders aggressive Form der Leukämie. Tumore im Knochenmark, die überall wachsen und an verschiedenen Körperstellen sichtbar werden können, etwa am Bein oder Rücken. Nach vier Chemotherapien und einer Stammzellentransplantation schien der Krebs überwunden, kehrte aber im nächsten Jahr in einer leicht mutierten Form zurück. 2019 war er dann nach eigener Aussage wieder frei von Krebszellen und galt als gesund.

Nach einer kräftezehrenden, aber erfolgreichen Krebsbehandlung können viele Patienten und ihre Angehörigen erst einmal aufatmen und langsam zurück in den Alltag finden. Trotzdem ist die Angst vor einem Rückfall ein ständiger Begleiter – verständlich, denn bei etwa fünf bis zehn Prozent aller Betroffenen kehrt der Krebs zurück. Mediziner bezeichnen das als Rezidiv. Diese Nachricht ist ein erneuter Schock, doch auch ein zweites Aufflammen des Tumors kann in vielen Fällen gut therapiert werden.

Tim Lobinger muss weiter auf die Kraft seines Körpers und die Möglichkeiten der modernen Krebsmedizin vertrauen. Im März 2022 wurde bekannt, dass die Leukämie bei ihm zum dritten Mal zurückgekommen ist.

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Krebs-Rezidive: Die ersten fünf Jahre sind entscheidend

Ist die Krebstherapie erfolgreich beendet, sind die ersten fünf Jahre danach von entscheidender Bedeutung: 80 Prozent aller Rückfälle treten in diesem Zeitraum auf. Damit es nicht so weit kommt, ist eine gut geplante Krebsnachsorge sehr wichtig. Diese besteht aus mehreren Bausteinen, ein Teil ist davon ist die Ernährungsberatung. Denn der stark beanspruchte Körper braucht verstärkt Vitamine und Antioxidantien. Auch Bewegung sollte in den Alltag integriert werden. Sport fördert die Durchblutung im gesamten Organsystem und kann das Risiko für ein Rezidiv senken.

Krebs-Kontrolltermin
Regelmäßige Krebs-Kontrolltermine sind wichtig.
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Krebs-Kontrolltermine alle drei Monate

Entscheidend sind die Nachsorgetermine beim Arzt, um möglichst schnell einen Rückfall oder ein Rezidiv entdecken zu können. Bei Frauen mit Brustkrebs tritt der Tumor häufig in der bereits betroffenen Brust wieder auf (Lokalrezidiv). Das heißt: Trotz Chemo oder OP blieben bösartige Zellen im Brustgewebe zurück. Bei Eierstock- oder Darmkrebs geht ein Rezidiv oft mit Tochtergeschwüren (Metastasen) einher, die sich häufig in der Lunge oder in der Leber bilden.

Bei Patienten, die zum zweiten Mal die Diagnose Krebs erhalten, sind die Sorgen und Ängste fast noch größer als beim ersten Mal. Das Gedankenkarussell dreht sich: Haben die Ärzte zu wenig getan oder hätte ich mich in der Nachsorge mehr anstrengen müssen? Doch eine Schuldzuweisung erübrigt sich – selbst bei der besten Behandlung bleibt ein Risiko.

Krebs-Rezidiv-Therapie: Zeitpunkt entscheidend

Welche Behandlung infrage kommt, hängt davon ab, zu welchem Zeitpunkt der Rückfall bemerkt wurde und in welchem Allgemeinzustand sich der Erkrankte befindet. Untersuchungen bestätigen, dass es auch eine Rolle spielt, welche Therapie der Patient im Rahmen der ersten Erkrankung hatte. Wenn der erste Tumor in einem frühen Krankheitsstadium gefunden wurde, zeigt eine Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie eine gute Wirkung. Häufig wählt der Arzt aber ein anderes sogenanntes Zytostatikum aus. Das ist ein Medikament, welches die Tumorzellen hemmen kann. Beim Brust- und Eierstockkrebs profitieren viele Frauen von einer erneuten OP.

Wird ein Lokalrezidiv früh entdeckt, stehen die Chancen sehr gut, dass es komplett verschwindet. Haben sich Metastasen gebildet, ist eine vollständige Heilung in vielen Fällen nicht mehr möglich. Dennoch können moderne Behandlungen die Lebensqualität aufrechterhalten.

Nebenwirkungen Krebstherapien: Wenn Chemo & Co. Spuren hinterlassen

Neue Verfahren können Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Übelkeit und Depression lindern. Andere, auch ältere sind nicht immer ungefährlich.

Etwa 500.000 Menschen erhalten jedes Jahr die Nachricht, die ihnen zunächst den Boden unter den Füßen wegzieht: Krebs. Bei all dem Schrecken, den diese Krankheit mit sich bringt, gibt es aber auch gute Nachrichten. Nicht nur werden die Therapiemöglichkeiten immer besser – sogar Begleiterscheinungen, die häufig während einer Chemo auftreten, können Patienten mittlerweile gut in den Griff bekommen. Und das teilweise sogar mit ganz sanften Methoden.

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Viele Betroffene leiden während der Krebsbehandlung unter einer extremen Müdigkeit („Fatigue“), die sie als sehr belastend empfinden. Gleiches gilt für die Übelkeit. Auch sie tritt häufig im Zuge einer Chemo auf und kann die Lebensqualität stark herabsetzen. Eine der bekanntesten alternativen Anwendungen, die solche Nebenwirkungen lindern soll, ist die – allerdings umstrittene – Misteltherapie. Die Pflanzen wachsen auf Bäumen oder Sträuchern und enthalten zahlreiche biologisch aktive Inhaltsstoffe, unter anderem Flavonoide und Viskotoxine. Untersuchungen zeigen, dass sich Fatigue und Übelkeit durch die Anwendung von Mistelextrakten verringern. Außerdem kann sich die Lebensqualität von Betroffenen verbessern und das Immunsystem gestärkt werden.

Die Präparate bestehen aus dem Press-Saft des gesamten Krauts und werden durch eine Injektion verabreicht. Dabei kann es passieren, dass sich die Einstichstelle entzündet. Manche Patienten berichten außerdem von grippeähnlichen Symptomen. Achtung: Die Misteltherapie ist unter Experten sehr umstritten. Sie raten sogar bei einigen Tumorerkrankungen, unter anderem beim Melanom oder Hodgkin-Lymphomen, von den Extrakten ab. Vor der Anwendung sollte man daher unbedingt mit dem behandelnden Arzt sprechen.

Meist übernehmen die Krankenkassen die Kosten der Injektionen nicht. Bei Betroffenen, die unter einer nicht mehr heilbaren Erkrankung leiden, werden aber oft Ausnahmen gemacht. Wer lieber auf Tees statt auf Spritzen setzen möchte, kann gegen die Übelkeit einen Ingwer-Sud probieren. Das beruhigt den Magen und hilft somit gegen die Übelkeit. Vor der Anwendung bitte den Onkologen fragen, ob man den Tee bedenkenlos trinken kann. Das gilt übrigens auch für andere Heilkräutertees und Nahrungsergänzungsmittel, zum Beispiel für Vitaminpräparate. So können hoch dosierte Vitamin C-Tabletten sogar den Effekt einer Chemo- oder Strahlentherapie zunichte machen.

Bewegungstraining nach Krebserkrankung
Wichtig: Regelmäßiges Bewegungstraining nach Krebserkrankung.
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Bewegung bringt frischen Schwung nach Krebs

Gegen die extreme Müdigkeit ist ein Bewegungstraining eine weitere wirkungsvolle Strategie. Das mag sich zunächst widersprüchlich anhören, tendieren die meisten Menschen bei Erschöpfungszuständen doch eher zur Couch. Ärzten zufolge ist Sport bei einer Fatigue sehr effizient. Ideal sind dabei flottes Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking oder Rudern.

Empfehlenswert ist aber nicht nur ein gezieltes Sportprogramm, sondern auch mehr Bewegung im Alltag. Krebspatienten, die aktiv sind, fühlen sich leistungsfähiger und sind weniger erschöpft. Jede körperliche Betätigung sollte dabei auf die Bedürfnisse und die Möglichkeiten individuell angepasst sein. Daher gilt: sanft beginnen und sich vor allem nicht überanstrengen, dann langsam steigern. Sport sollte auf keinen Fall überdosiert werden, denn zu viel verstärkt wiederum die Erschöpfung.

Nach einer Operation ist es ratsam, auf anstrengenden Sport zu verzichten. Auch wenn Betroffene während der Chemo viel Gewicht verloren haben oder wenn die Tumorerkrankung fortgeschritten ist, sollten Arzt und Patient sorgfältig abwägen, ob und welche Art der Aktivität infrage kommt.
Das Training gibt es häufig auf Rezept und in vielen Städten werden spezielle onkologische Trainingsgruppen angeboten. In vielen Fällen beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen an den Kosten.

Helles Licht beeinflusst die innere Uhr von Krebs-Patienten

Zwei Drittel der Krebspatienten leiden unter Schlafstörungen. Tagsüber schlapp, nachts hellwach. Ursache ist oft die veränderte Lebenssituation, die die Erkrankung mit sich bringt. Das kann nicht nur zu Grübelattacken führen, sondern auch zu Depressionen, die sich wiederrum negativ auf die Nachtruhe auswirken. Auch die Chemotherapie kann Schlafprobleme versachen. Hilflos sind die Patienten trotzdem nicht. Eine Verhaltenstherapie kann zum Beispiel helfen.
Alternativ ist die Behandlung mit hellem Licht, bei der die Patienten jeden Morgen für eine halbe Stunde vor einer Lichtbox sitzen. Die Helligkeit bewirkt, dass die innere Uhr wieder richtig eingestellt wird. Ob die Kasse zahlt, wird individuell entschieden.

Akupunktur kann Krebs-Betroffenen helfen.
Akupunktur kann Krebs-Betroffenen helfen.
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Akupunktur: schmerzlindernd und aufhellend

Eine weitere Möglichkeit ist die Akupunktur. Der Therapeut sticht hier Nadeln auf bestimmte Punkte unter die Haut, die dort etwa 20 bis 30 Minuten verbleiben. Das soll die Ausschüttung schmerzlindernder und stimmungsaufhellender Substanzen im Körper fördern.

Viele Menschen empfinden die Anwendung als sehr entspannend. Die Wirksamkeit wurde kürzlich in einer Studie mit Krebspatienten belegt. Darin erhielten die Probanden über acht Wochen hinweg entweder eine Akupunktur- oder alternativ eine Verhaltenstherapie. Das Ergebnis war erstaunlich: Beide Verfahren linderten Schlafstörungen etwa gleich effektiv. Außerdem verbesserten beide Methoden zusätzlich die Lebensqualität der Studienteilnehmer.

Die feinen Nadeln helfen nicht nur gegen Schlafstörungen, sondern sollen auch Übelkeit lindern. Die Kosten von 30 bis 70 Euro werden von manchen Krankenkassen übernommen.

TCM-Tees pflanzlich, aber nicht ungefährlich

Die Akupunktur ist Teil des Gesamtkonzepts der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Befürworter dieser Behandlungsform gehen davon aus, dass bei einer Krankheit ein Ungleichgewicht zwischen den im Körper wirkenden Kräften Yin und Yang herrscht. Die TCM soll das Gleichgewicht durch Akupunktur oder den Einsatz von pflanzlichen Extrakten wiederherstellen.

Pflanzlich ist allerdings nicht gleichbedeutend mit ungefährlich. Zahlreiche TCM-Präparate stammen aus dem Ausland. Die Stiftung Warentest geht davon aus, dass viele davon nicht überprüft werden. Teilweise sollen sogar unerlaubte und nicht deklarierte Inhaltsstoffe darin zu finden sein. Ohne klassische ärztliche Begleitung sollten deshalb auf keinen Fall teure Substanzen eingenommen werden, die so mutmaßlich harmlose Inhaltsstoffe wie Ginseng haben. Leberwerte können durch TCM-Tees unter Umständen mehr als kritische Höhen erreichen.

Mind-Body-Medizin lindert psychische und physische Symptome nach einer Krebs-Erkrankung.
Mind-Body-Medizin lindert psychische und physische Symptome.
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Mind-Body-Medizin

Die Unterstützung der Psyche ist in der modernen Krebstherapie nicht wegzudenken. Das können klassische Onkopsychologen machen, aber auch Ansätze wie die Mind-Body-Medizin (Seele-Leib-Medizin) können der Seele helfen.

Das Konzept stammt aus den USA und basiert auf der ganzheitlichen Erfassung von Körper, Geist und Seele. Mit den speziellen Strategien lernen Patienten, wie sie bewusst Einfluss auf ihr Wohlbefinden nehmen können. Dazu gehört etwa der ausgewogene Wechsel von Bewegung und Ruhe, Yoga und Atemtherapie. Das soll psychische und körperliche Symptome der Erkrankung lindern. Im Vordergrund stehen Stressabbau, Emotionsregulierung und Sinnfindung.

Sonderfall Hyperthermie: Mit Wärme gegen Krebs

Die Hyperthermie ist ein Verfahren, bei dem der Körper des Patienten gezielt auf 40 bis 43 Grad Celsius überwärmt wird. Dazu führen Ärzte von außen Mikro- und Radiowellen oder Ultraschall zu. Alternativ kann das Körperinnere mit einer erwärmten Flüssigkeit gespült werden. Ziel dabei ist es nicht, den Krebs direkt zu zerstören, sondern vielmehr die Tumorzellen empfindlicher gegenüber der Chemo- oder Strahlentherapie zu machen.

Experten unterscheiden zwischen der Ganzkörper-Hyperthermie und einer Anwendung, die auf das erkrankte Organ beschränkt ist. Die Methode wird bisher nicht standardgemäß eingesetzt. Sie sollte daher nur in klinischen Studien oder unter streng wissenschaftlichen Bedingungen erfolgen.

Brustkrebs: Personalisierte Behandlungen und neue Therapien geben Hoffnung

Moderatorin Sylvie Meis, Politikerin Manuela Schwesig oder die australische Sängerin Kylie Minogue. Brustkrebs kann Frauen jeden Alters, jeder Nationalität oder jeden Berufs treffen. Mit rund 55.000 neuen Fällen jährlich ist er die häufigste Tumorart bei Frauen in Deutschland. Selbst vor Männern macht der Krebs nicht Halt. Etwa 700 Männer werden hierzulande durchschnittlich pro Jahr von der Krankheit heimgesucht. Doch es gibt auch eine erfreuliche Zahl: Dank immer besserer Therapien liegen die Heilungschancen bei mehr als 90 Prozent. Dr. Sabine Schmatloch, Chefärztin des Brustzentrums am Elisabeth-Krankenhaus in Kassel nennt die starken Waffen gegen Brustkrebs und den Stand der Forschung.

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Dr. Sabine Schmatloch: „Für Frauen ist ein gutes Körperbewusstsein sehr wichtig. Sogar in der ärztlichen ‚S3-Leitlinie‘ wird ein achtsames Bewusstsein empfohlen. Nur wenn Frauen die Brust im Normalzustand kennen, spüren sie auch Veränderungen auf. Frauen sollten regelmäßig ihre Brust abtasten, etwa nach dem Duschen. Außerdem sollte das Vorsorgeprogramm wahrgenommen werden. Wer regelmäßig zur Mammografie geht, hat nachweislich eine geringere Sterblichkeit durch Brustkrebs. Frauen zwischen 50 und 69 haben alle zwei Jahre Anspruch darauf, bei erblicher Vorbelastung schon früher. Jüngere Frauen haben ab dem 30. Lebensjahr jährlich Anspruch auf eine Brustuntersuchung beim Gynäkologen.

Chemo bei Krebs nicht immer nötig

Weil mittlerweile jeder Tumor sehr genau und individuell untersucht wird, sei eine Chemotherapie nicht immer notwendig, meint die Ärztin: „Wenn der Tumor bestimmte Hormonrezeptoren auf der Oberfläche hat oder ein niedriges Rückfallrisiko aufweist, ist eine antihormonelle Therapie in Tablettenform ausreichend und die Chemobehandlung entfällt. Hinweise für solche Tumoreigenschaften liefern Multigen-Tests. Hier lässt sich der individuelle Tumor genau analysieren und eine Aussage über seine Aggressivität und das Rückfallrisiko treffen. Dann wird entschieden, ob die Patientin von der Chemotherapie profitiert oder ob sie unnötig ist.“


Dr. Schmatloch zur Verträglichkeit bei der Chemotherapie: „Bei der Behandlung werden alle Zellen bekämpft, die sich schnell teilen – leider auch die gesunden. Deshalb kommt es zu starken Nebenwirkungen. Mittlerweile geben wir den Patientinnen aber bereits vorher prophylaktisch Mittel gegen Übelkeit, Erbrechen oder Allergien, weshalb sich die Verträglichkeit enorm verbessert hat.“

Antikörper-Therapien für Brustkrebs-Patienten sind keine Zukunftsmusik.
Antikörper-Therapien für Brustkrebs-Patienten sind keine Zukunftsmusik.
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Krebs-Mittel der Zukunft: Antikörper- und Immuntherapie

Weil jeder Krebs anders ist, wird er auch individuell betrachtet und für unterschiedliche Tumoreigenschaften werden gezielt unterschiedlich designte Medikamente entwickelt. „Derzeit laufen Projekte für verschiedene Genvarianten und Mutationen“, sagt Brustkrebs-Expertin Dr. Sabine Schmatloch. „Meiner Einschätzung nach werden die sogenannten Antibody-Drug Conjugates die Mittel der Zukunft sein. Hier handelt es sich um Antikörper, die nur an die Tumorzellen andocken. Der Antikörper hat drei Moleküle einer Chemotherapie mit im Schlepptau. Er entfaltet nur an der Tumorzelle seine Wirkstoffe, ohne die gesunden anzugreifen, was zu weniger Nebenwirkungen führt. Es stehen heute schon Medikamente zur Verfügung, doch in den nächsten Jahren wird es bestimmt noch mehr geben, da das Zusammenspiel zwischen Andockstelle und Chemo-Wirkstoffen aktuell ein sehr großes Forschungsgebiet ist.“ Mehr zur Antikörper- und Immuntherapie.

Strahlentherapie bei Brustkrebs

„Eine Strahlentherapie findet im Anschluss einer OP und immer dann statt, wenn brusterhaltend behandelt wird“, sagt Brustkrebs-Expertin Dr. Sabine Schmatloch. „Das ist mittlerweile bei rund 70 Prozent aller Patientinnen der Fall. Früher wurde die Brust häufig abgenommen. Heute entfernt man gezielt den Tumor mit einem kleinen Sicherheitsabstand, bestrahlt wird nur das Restdrüsengewebe“, so die Medizinerin.

„Kein Verfahren hat eine so hohe Abtötungsrate bei einem so geringen physikalisch destruierenden Effekt. Deswegen ist die Strahlentherapie langfristig wahrscheinlich allen anderen Verfahren überlegen“, sagt Prof. Dr. Jochen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel

Gute Ernährung verbessert die Heilungschancen bei Brustkrebs.
Gute Ernährung verbessert die Heilungschancen bei Brustkrebs.
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Gute Ernährung: Die älteste Medizin gegen Krebs

„Eine gesunde und ausgewogene Ernährung hilft, die Heilungschancen bei Brustkrebs zu verbessern“, sagt Dr. Sabine Schmatloch. „Studien schreiben der mediterranen Kost mit Olivenöl, viel Gemüse, Kräutern und Fisch positive Effekte zu. Sehr wichtig ist Sport. Frauen, die sich regelmäßig bewegen, leiden weniger an einem Mamakarzinom, das wurde eindeutig bestätigt. Zigaretten sollten tabu sein und Alkohol nur in sehr geringen Maßen getrunken werden.“

Der totale Verzicht auf Zucker und Kohlenhydrate, um bösartige Geschwüre verhungern zu lassen, gehört in den Bereich der Fake-Medizin und schadet dem Patienten mehr als er nutzt.

Moderne Brust-Rekonstruktion

Muss bei bösartigen Tumoren bei einigen Patientinnen die Brust amputiert werden, kann sie häufig chirurgisch wiederhergestellt werden, beruhigt die Expertin Dr. Sabine Schmatloch. „Entweder durch ein Silikon-Implantat, oder es wird Haut von der Bauchdecke genommen und damit eine Brust geformt. Auch die Brustwarze kann mit Gewebe vom Oberlid oder der Oberschenkelinnenseite „gestaltet“ werden – allerdings nicht immer“, sagt die Brust-Expertin. „Neu ist ein Brustwarzen-Tattoo. Hier wird aus der umliegenden Haut eine 3-D-Erhebung gemacht und diese dann fotorealistisch tätowiert.“ Wie Tests zeigen: Selbst erfahrene Ärzte können die 3-D-Brustwarze häufig nicht von einer echten unterscheiden.

Krebs-Forschung: Neue Studienergebnisse zu Brustkrebs

Wissenschafts- / Medizinjournalistin

Dr. rer. nat. Miriam Sonnet

Dr. rer. nat. Miriam Sonnet

 Wirkstoff Trastuzumab Deruxtecan

Neues Medikament für Brustkrebs-Patientinnen

Erwachsenen Personen mit Brustkrebs steht seit Kurzem eine neue Behandlungsoption zur Verfügung: Der Wirkstoff Trastuzumab Deruxtecan wurde unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen. Grundlage dafür waren die Daten der DESTINY-Breast01-Studie, in der die Substanz eine vielversprechende Wirksamkeit zeigte.

Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs – je nach genetischem Profil des Tumors und der Eiweißstrukturen, die auf seiner Oberfläche zu finden sind, unterscheiden Ärzte zahlreiche Subtypen. Ein Kriterium zur weiteren Unterteilung ist der sogenannte HER2-Status. Dieser gibt an, ob die Brustkrebszellen Bindestellen für ein bestimmtes Protein, den „humanen epidermalen Wachstumsfaktor Typ 2 (HER2)“ haben.[1] Finden sich besonders viele dieser HER2-Rezeptoren auf Brustkrebszellen, sind die Tumoren meist aggressiver. Daher macht es Sinn, mit einer gezielten Therapie genau diese Strukturen anzugreifen.[2]

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate als neues Prinzip einer Krebstherapie

Möglich wird dies durch zielgerichtete Substanzen wie Trastuzumab Emtasin (T-DM1). Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat. Bei dieser Art von Medikamenten ist ein Antikörper, der in diesem Fall die HER2-Bindestelle erkennt, an einen Wirkstoff gebunden, der Krebszellen abtöten kann. Dadurch, dass T-DM1 ganz spezifisch an HER2 auf den Brustkrebszellen bindet, wird es in diese eingeschleust und kann dort seine Wirkung entfalten.[3]

Trastuzumab Deruxtecan (T-DX1) ist ein neues Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das bei Brustkrebs eingesetzt werden kann. Auch diese Substanz besteht aus einem an HER2 bindenden Antikörper und einem Wirkstoff, der für Krebszellen toxisch ist. Ein Unterschied zu seinem „Vorgänger“ T-DM1: Das Verhältnis von für den Tumor giftigem Wirkstoff zu Antikörper ist bei TDX-1 höher als bei T-DM1. Das heißt dass auf einen HER2 bindenden Antikörper mehr Moleküle fallen, die Krebszellen abtöten können. Außerdem entfaltet TDX-1 seine Wirksamkeit auch in benachbarten Tumorzellen – und das unabhängig davon, ob auf diesen die HER2-Bindestelle zu finden ist oder nicht.[4]

T-DX1 wurde kürzlich für die Therapie von erwachsenen Patienten mit Brustkrebs zugelassen. Voraussetzung ist erstens, dass auf der Oberfläche der Brustkrebszellen die HER2-Struktur zu finden ist, und
zweitens, dass die Frauen bereits mindestens zwei gegen HER2 gerichtete Behandlungen erhalten haben.

Die Basis für die Zulassung bildeten die Daten der DESTINY-Breast01-Studie.[4]

Die DESTINY-Breast01-Studie[4]

Studiendesign: Die Studie bestand aus zwei Teilen. Der erste Teil diente dazu, die optimale Dosierung des Medikaments zu bestimmen. Im zweiten Teil evaluierten die Autoren Wirksamkeit und Sicherheit dieser empfohlenen Dosierung. Die objektive Ansprechrate diente dazu, die Effektivität zu beurteilen. Diese gibt an, bei wie vielen Personen sich der Tumor relevant durch die Behandlung verkleinert. Weiterhin wurde untersucht, bei wie vielen Teilnehmern sich die Erkrankung kontrollieren ließ, wie lange die Patienten von der Behandlung profitierten und wie lange es dauerte, bis die Krankheit voranschritt, das heißt bis der Tumor wieder auftrat oder weiterwuchs.

Teilnehmer: Eingeschlossen waren 253 Erwachsene mit Brustkrebs, die eine HER2-Struktur auf der Tumorzelloberfläche aufwiesen. Die Karzinome konnten nicht durch eine Operation entfernt werden, oder sie hatten bereits Metastasen gebildet. Die Teilnehmer waren alle zuvor bereits unter anderem mit T-DM1 behandelt worden. Im Schnitt hatten sie sechs vorangegangene Therapien erhalten. Patienten, welche die empfohlene Dosierung von T-DX1 bekommen hatten, waren im Schnitt 55 Jahre alt, 23,9 % der Betroffenen waren mindestens 65 Jahre alt.

Ergebnis

Als empfohlene Dosierung von T-DX1 wurden 5,4 mg pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. 184 Personen erhielten diese Dosis und median wurden sie 10 Monate damit behandelt. Bei 112 Teilnehmern (60,9 %) war die Behandlung wirksam, das heißt sie zeigten ein Ansprechen auf die Therapie. Die Erkrankung konnte in 97,3 % der Fälle kontrolliert werden. Median lebten die Patienten 16,4 Monate, ohne dass die Erkrankung voranschritt.

Fast alle Teilnehmer (99,5 %) erlitten während der T-DX1-Therapie eine Nebenwirkung. Davon waren 57,1 % schwerer ausgeprägt (mindestens Schweregrad 3). 15,2 % beendeten die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen und bei 23,4 % musste die Dosierung von T-DX1 verringert werden. Häufige Nebenwirkungen umfassten eine verringerte Anzahl bestimmter Immunzellen – die Neutrophilen –, Blutarmut und Übelkeit. 13,6 % der Patienten entwickelten eine durch das Studienmedikament bedingte interstitielle Lungenerkrankung. Die interstitielle Lungenerkrankung ist ein Sammelbegriff für mehr als 200 Lungenerkrankungen, bei der das Bindegewebe der Lunge geschädigt wird.[5]

Fazit: In der Studie DESTINY-Breast01 zeigte T-DX1 eine langanhaltende Anti-Tumor-Aktivität. Die Behandlung mit T-DX1 war bei den stark vortherapierten Brustkrebs-Patienten wirksam, resümierten die Studienautoren. Sie postulieren, dass die Wirksamkeit des Medikaments die von anderen zurzeit verfügbaren HER2-Therapien übersteigt. Allerdings ist es nur schwer möglich, Vergleiche zwischen verschiedenen Studien zu ziehen; diese Aussage sollte daher mit Vorsicht bedacht werden.

Da die Gefahr besteht, dass die Betroffenen eine interstitielle Lungenerkrankung entwickeln, sollten sie besonders auf entsprechende Beschwerden hin überwacht werden.

Quellen

[1] https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/was-ist-brustkrebs.php (letzter Aufruf am 8.4.2022)
[2] https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/tumorbiologie.html (letzter Aufruf am 8.4.2022)
[3] https://www.arzneimitteltherapie.de/heftarchiv/2015/04/trastuzumab-emtansin-zweitlinientherapie-des-her2-positiven-mammakarzinoms.html (letzter Aufruf am 13.4.2022)
[4] Modi S et al. N Engl J Med. 2020 Feb 13;382(7):610-621.
[5] https://flexikon.doccheck.com/de/Interstitielle_Lungenerkrankung (letzter Aufruf am 13.4.2022)

Besseres Lebensgefühl dank Brustrekonstruktion

„Sie haben Brustkrebs.“ Etwa 70.000 Frauen bekommen in Deutschland jährlich diese Diagnose. Die Hälfte der Betroffenen vor dem 65. Lebensjahr. Die Krankheit ist inzwischen relativ gut therapierbar, aber bei 20 bis 30 Prozent der Patientinnen oft zu einem hohen Preis: die Amputation einer Brust, die sogenannte Mastektomie. (Quelle)

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Brustamputation historisch: radikale Mastektomie

Radikale Mastektomie“ nannte der US-amerikanische Chirurg Prof. William Stewart Halsted (1852–1922) ein von ihm entwickeltes chirurgisches Verfahren, bei dem nicht nur die an Krebs erkrankte Brust, sondern auch der größere Brustmuskel (Musculus pectoralis major) und die Lymphknoten der Achselhöhlen entfernt werden.

Halsted, der seit 1890 an der weltweit renommierten Johns Hopkins Medical School in Baltimore als Chirurg und später mit 38 Jahren als Chefchirurg arbeitete, galt als einer der bedeutendsten, aber auch außergewöhnlichsten Operateure seiner Zeit. Mit der radikalen Mastektomie gelang es ihm tatsächlich, die Lebenserwartung seiner Patientinnen deutlich zu erhöhen – wenn auch zu einem hohen Preis. Die radikale Mastektomie gehört der Vergangenheit an, aber das deutlich verfeinerte, moderne chirurgische Verfahren beruht im Grunde auf Halsteds Annahmen. Ebenso durchgesetzt hat sich übrigens die ebenfalls von Halsted initiierte Angewohnheit, im OP sterile Handschuhe zu tragen. Die ersten Exemplare hat er beim Autoreifenhersteller Goodyear fertigen lassen.

Mastektomie
Manchmal führt kein Weg an einer Mastektomie vorbei.
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Großer Tumor macht Mastektomie unabdingbar

Die Menge des entfernten Gewebes ist heute deutlich geringer, aber eine Mastektomie verändert das Frausein. TV-Moderatorin Sonya Kraus hat sich dem Eingriff nach ihrer Brustkrebserkrankung unterzogen, „um die Chancen auf Heilung zu erhöhen“, wie die 48-Jährige auf Instagram bekannte. Für die Entscheidung hat sie sich Zeit gelassen: Erst die therapeutischen Maßnahmen – in ihrem Fall eine Chemo – danach in Ruhe die Beschäftigung mit einem möglichen Brustaufbau.

Die moderne Medizin macht es möglich, eine Brust völlig neu zu modellieren, was vielen Patientinnen ein Stück mehr Normalität verspricht. „Eigentlich versuchen Ärzte in den meisten Fällen, den Krebs brusterhaltend zu behandeln. Doch das ist nicht immer möglich“, sagt Dr. Jens Altmann, leitender Arzt der Bodenseeklinik und Generalsekretär der Internationalen Gesellschaft für Ästhetische Medizin. Ist das Mammakarzinom zu groß, führt kein Weg an einer Mastektomie vorbei.

Auch das Auftreten mehrerer Krebsherde in verschiedenen Quadranten der Brust oder ein sogenanntes inflammatorisches Mammakarzinom kann eine Brustamputation erforderlich machen. Bei einem inflammatorischen Brusttumor handelt es sich um eine aggressive, entzündliche Form des Brustkrebses, die sich schneller als andere über die Blut- und Lymphgefäße im Körper ausbreitet sowie Metastasen bildet“, erläutert der Fachmann. 

Brustrekonstruktion und psychische Belastung

Warum eine Frau sich für eine Rekonstruktion entscheidet und welchen Weg sie dabei geht, ist immer eine ganz individuelle und persönliche Abwägung. Es geht nicht allein um Ästhetik. „Die Tatsache, dass sich Betroffene nach dem Eingriff wieder weiblich fühlen, hat vor allem einen sehr positiven Effekt auf die seelische Gesundheit. Denn das durch die Amputation veränderte Körperbild ist für viele Frauen belastend, das Selbstbewusstsein leidet enorm“, sagt Dr. Altmann. Sehr wichtig ist aber, dass sich die Patientinnen ausreichend Zeit nehmen und nicht unter Druck setzen lassen.

Umfassende Beratung über Möglichkeiten und Alternativen kann ein Brustzentrum leisten. Zudem ist es immer ratsam, sich vor jedem relevanten medizinischen Eingriff eine qualifizierte zweite Meinung einzuholen. Unabhängig davon, ob eine Frau sich für oder gegen einen Wiederaufbau der Brust entscheidet, raten Dr. Altmann sowie Fachärzte der Deutschen Krebshilfe den Frauen, sich in psychologische Behandlung zu begeben, um auch die seelischen Folgen der Erkrankung gut meistern zu können.

Fettentnahme für Lipofilling zum Brustaufbau.
Fettentnahme für Lipofilling zum Brustaufbau.
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Lipofilling nach Mastektomie: zeitintensiv und anspruchsvoll

Für einen Brustaufbau ist das sogenannte Lipofilling die Methode der Wahl – allerdings frühestens einige Monate nach Abschluss aller Untersuchungen und onkologischen Behandlungen.

„Dann entnimmt der plastische Arzt Hautfett aus dem Bauch- oder Gesäßbereich und formt daraus die neue Brust“, sagt Dr. Jens Altmann von der Bodenseeklinik. „Das Verfahren zeichnet sich durch ein besonders natürliches, harmonisches Ergebnis aus. Außerdem bleiben Abwehrreaktionen des Körpers aus.“

Allerdings ist der Eingriff mit Fettentnahme, Aufbereitung und Injektion zeitintensiv und anspruchsvoll. Ein Grund, warum Patientinnen sich ausschließlich in die Hände eines erfahrenen Chirurgen begeben sollten.

Brustimplantat nach Mastektomie: schonend und kaum Narben

Brustrekonstruktion (oder Brustvergrößerung) – das Brustimplantat ist die am häufigsten zum Einsatz kommende Methode.

„Für die Behandlung muss ein ausreichender Hautmantel vorhanden sein. Gibt es diesen nicht, ist vorab eine Dehnung des Gewebes mittels Expander notwendig. Dieser wird innerhalb von maximal sechs Wochen von außen über ein Ventil mit Kochsalz befüllt, um das Gewebe auf das Implantat vorzubereiten“, erklärt Dr. Altmann von der auf solche Eingriffe spezialisierten Bodenseeklinik. In einer zweiten OP kommt dann das Kissen – in der Regel aus Silikon – in den Körper. Der Vorgang gilt als schonend und hinterlässt kaum sichtbare Narben. „In seltenen Fällen“, so Altmann, „kommt es aber zu einer Kapselfibrose, was unbehandelt zu einer Verformung oder Verhärtung der Brust führen kann. Zudem ist unter Umständen nach einigen Jahren der Austausch der Implantate notwendig.“

Medizinische Tätowierung einer 3-D-Bruswarze
Medizinische Tätowierung einer 3-D-Bruswarze.
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Brustwarzen-Tattoo: fotorealistische Nachbildung

„Ist eine Entfernung der Brustwarze nötig, kann diese mit Gewebe vom Oberlid oder der Oberschenkelinnenseite gestaltet werden, allerdings nicht immer“, so Experte Dr. Jens Altmann. „Neu ist ein Brustwarzen-Tattoo. Aus der umliegenden Haut wird eine 3-D-Erhebung gemacht, die anschließend fotorealistisch tätowiert wird.“ So täuschend echt, dass selbst erfahrene Ärzte die 3-D-Brustwarze häufig nicht von einer echten unterscheiden können.


Auch wenn die Brustwarzen-Rekonstruktion weder die Größe noch die Empfindlichkeit der Brust verändert, scheint sie das Wohlbefinden von Brustkrebs-Patientinnen zu steigern. Eine Studie aus dem Jahr 2017 weist auf psychologische Vorteile solcher Eingriffe hin. Demnach sind Patientinnen mit rekonstruierten Brustwarzen zufriedener mit der Größe und Empfindlichkeit ihrer Brust sowie ihrem Gesamterscheinungsbild.

Brustrekonstruktion nach Krebs: Kosten trägt die Kasse

Nach der Krebsbehandlung werden die Kosten für alle gängigen Operationsverfahren von den Krankenkassen übernommen. „Danach sollten sich Patientinnen mindestens drei Wochen lang schonen“, sagt Dr. Jens Altmann von der Bodenseeklinik. Zudem sollte im Nachgang ein Mieder getragen werden, um die Brust und gegebenenfalls andere Partien, an denen Gewebe entnommen wurde, zu schützen und zu stabilisieren.“ Nach der Schonphase ist körperliche Aktivität durchaus wieder erwünscht, um das Gewebe zu stärken.

Eine Rekonstruktion der Brust, egal welche Methode, hat keinen Einfluss auf das Krebsrisiko. Kehrt der Tumor dennoch zurück, müssen die Implantate ausgetauscht oder das Fettgewebe neu geformt werden. Das passiert aber sehr selten, da die Amputation die größtmögliche Chance auf Heilung bietet.

Die beste Hautpflege für Krebspatienten

Es ist zum aus der Haut fahren. Da wird man als Krebserkrankter schon mit Strahlen oder Medikamenten traktiert und dann spielt auch noch der Körper verrückt, indem die Haut juckt, die Nägel abbrechen und die Haare ausfallen. Krebstherapien ziehen auch das größte Organ des menschlichen Körpers in Mitleidenschaft – die Haut. Immerhin regeneriert die Haut innerhalb weniger Wochen wieder, wenn die Krebsbehandlung abgeschlossen ist.

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Schnell wachsende Zellen werden angegriffen

Doch warum reagiert der Körper so gereizt auf die Maßnahmen? Bei der Tumorbehandlung werden Zellen ins Visier genommen, die sich schnell teilen. Tumorzellen teilen sich schnell. Allerdings ist das eine Eigenschaft, die Krebs- mit Hautzellen gemeinsam haben. Fast immer reagiert sie darauf mit verstärkter Trockenheit, Rötungen, Pigmentstörungen und Akne-ähnlichen Ausschlägen, brüchigen Nägeln und ausfallenden Haaren.

Darüber hinaus bildet sich bei einigen Patienten ein Hand-Fuß-Syndrom aus, dessen typische Anzeichen Rötungen und Schwellungen der Handinnenflächen und der Fußsohlen sind. Dass die Krebserkrankung sich auf diese Weise nach außen hin manifestiert, belastet die Betroffenen oft zusätzlich. Eine gute Hautpflege kann deshalb nicht nur die körperlichen Beschwerden lindern, sondern sich auch auf das seelische Wohlbefinden auswirken.

Guter Sonnenschutz für die Haut ist wichtig während der Krebstherapie.
Guter Sonnenschutz für die Haut ist wichtig während der Krebstherapie.
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Chemo und Strahlentherapie machen Haut lichtempfindlich

Am besten fangen Patienten schon zu Beginn der Therapie an, ihre Körperpflege anzupassen. Um die Haut während der Behandlung zu stärken, sind rückfettende, feuchtigkeitsspendende Produkte hilfreich. Fachleute raten zu Bodylotions oder Cremes, die zwischen fünf und zehn Prozent des Wirkstoffs Urea enthalten. Sie sollten mindestens zweimal am Tag angewendet werden.  Spezielle Anti-UV-Nagellacke, die zum Beispiel Kieselsäure enthalten, stärken die Nägel und schützen sie gegen bestimmte Arten der Chemotherapie.

Viele Chemo- oder Strahlentherapien können die Haut extrem lichtempfindlich machen. Sonnenbrände, Sonnenallergien, Pigmentflecken und im schlimmsten Fall auch Hautkrebs können die Folgen sein. Die Kombination aus luftiger Kleidung und Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor (LSF) 50 kann Krebspatienten schützen. Trotzdem sollte direktes Sonnenlicht gemieden werden.

Mikroverletzungen reizen gestresste Haut

Generell sollte die Haut keinem Druck, keiner Verletzung oder Hitze ausgesetzt werden. Dazu zählt auch, auf die Rasur etwa der Beine oder des Intimbereichs eine Weile zu verzichten, denn die Rasierklingen fördern Mikroverletzungen und reizen die gestresste Haut zusätzlich.

Eine nicht parfümierte, seifenfreie Waschlotion mit einem hautähnlichen pH-Wert und Wasser reichen für die täglichen Reinigung aus. Das Dusch- oder Bade-Wasser sollte stets warm (36–37 Grad), aber nicht heiß sein. Der Körper wird danach lediglich trocken getupft, nicht gerubbelt. Kleider aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen, Seide schmeicheln ebenfalls der empfindlichen Haut. Auf eng Anliegendes und synthetische Textilien sollte in dieser Zeit tunlichst verzichtet werden.

Palliativ-Medizin: „Austherapiert“ – wie geht es weiter?

Austherapiert“ bedeutet nur, dass die Krebserkrankung nicht mehr geheilt werden kann. Da setzt die Palliativ-Therapie an. Sie befasst sich mit der Linderung von Leiden und körperlichen Beschwerden, besonders häufig mit der Linderung von Schmerzen.

©iStock / Guter Sonnenschutz für die Haut ist wichtig während der Krebstherapie.

Risiko für Krebs-Rückfall senken: Mit Sport dem Krebs davonlaufen

Regelmäßige Bewegung hält nicht nur den Körper jung, sie ist auch eine hochwirksame Prophylaxe gegen Krebs und mögliche Rückfälle. Das ist die medizinische Erkenntnis, die Privatdozent Dr. Thomas Widmann, aus einer Metastudie gezogen hat. Widmann ist Chefarzt der Asklepios Klinik Triberg im Schwarzwald, einer Fachklinik für onkologische Rehabilitation durch Bewegung.

Zahlen, die unglaublich klingen: Um bis zu 67 Prozent sinkt das Risiko eines Rück- falls bei Brustkrebs, beim Prostatakrebs sind es 57 Prozent und beim Darmkarzinom noch 47 Prozent. Einzige Voraussetzung dafür: regelmäßige Bewegung. Zahlen, die vor allem auch belastbar sind. Für seine Metastudie hat der Onkologe 17 internationale Studien mit knapp vier Millionen Probanden ausgewertet.

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Kurze Telomere begünstigen Zellmutationen

Der Chefarzt der onkologischen Reha-Klinik hat für dieses Forschungsergebnis eine Erklärung, die über die Binsenweisheit, dass Sport gesund ist, hinausgeht:

„Jede Körperzelle enthält 46 Chromosomen, auf denen unsere Erbinformationen gespeichert sind. Bildlich können Sie sich diese Chromosomen wie Schuhbänder vorstellen. An deren Enden befinden sich – wie bei den Schuhbändern – Verstärkungen, die ein Ausfransen verhindern. In der Medizin nennen wir sie Telomere. Je älter wir werden, desto kürzer werden die Telomere. Kurze Endstücke aber können die Chromosomen und die darin gespeicherten Erb-Informationen schlechter schützen, deswegen können bei der Zellteilung Fehler passieren und Tumorzellen entstehen. In den menschlichen Zellen gibt es aber ein Enzym, die sogenannte Telomerase. Sie schützt die Telomere vor dem Ausfransen und Verkürzen. […] Damit die Telomerase aktiv wird, braucht sie einen Impuls – und das ist Bewegung.“

Olympioniken
Olympioniken
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Olympioniken biologisch 30 Jahre jünger

Jede aufgestellte Theorie braucht auch in der Medizin irgendwann einen Beleg, eine Überprüfung. Zusammen mit weiteren Wissenschaftlern der Uniklinik Homburg / Saar überprüfte der Privatdozent Dr. Thomas Widmann die Theorie an zwei Probandengruppen von 50- bis 60-jährigen Menschen. Widmann:

Die eine Gruppe bestand aus ehemaligen Olympia-Teilnehmern, die auch nach ihrer aktiven Karriere viel Sport machten. Für die Vergleichsgruppe wählten wir Menschen, die nicht so viel Zeit für Sport hatten. Das Ergebnis ist beeindruckend: Die Telomere, also die Schutzhüllen, sind bei den Olympioniken viel länger und damit besser vor krankhafter Teilung geschützt. Biologisch betrachtet ist ihr Körper dadurch etwa 30 Jahre jünger als bei der Vergleichsgruppe.

Punkte sammeln gegen Krebsrezidive

Damit die Patienten in seiner Schwarzwaldklinik von diesen Erkenntnissen profitieren können, hat Chefarzt Widmann ein wissenschaftliches Punktesystem entwickelt, in das auch alltägliche Arbeiten integriert sind. „Pro Stunde bringt Radfahren z. B. 4 Punkte, Schwimmen 5,3 oder Yoga 2,5 Punkte“, so der Onkologe. Eine Stunde Rasenmähen ist mit 6 Punkten gelistet, mit Kindern toben bringt 5,8 und Bügeln immerhin noch 1,8 Punkte. Widmann fasst zusammen: „Etwas Bewegung senkt das Krebsrückfallrisiko etwas, mehr Bewegung senkt das Krebsrückfallrisiko mehr. Aber 10 Punkte sollten es mindestens sein. Ab diesem Wert sind schon deutliche Erfolge messbar.“ Sofern es der Gesundheitszustand zulässt, empfiehlt der Wissenschaftler seinen Patienten – und auch allen anderen Krebspatienten – pro Woche idealerweise auf 30 Punkte zu kommen, um das Rückfallrisiko so stark wie möglich zu senken.

Wichtig ist dabei die Frequenz. Viele kleine Bewegungseinheiten sind besser als wenige große. Grund: Jede Bewegungseinheit stimuliert nur einen Tag lang das Enzym Telomerase.

Krebs-Patientin: Bewegung erhöht die Widerstandsfähigkeit des Körpers.
Immer in Bewegung bleiben: für mehr Widerstandsfähigkeit.
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Bewegung erhöht die Widerstandsfähigkeit des Körpers

Bedenken, dass Krebskranke mit der Bewegung überfordert seien, räumt der Chefarzt aus:

Sofern sie kein Fieber, keine Infektion oder blutende Wunde haben, spricht überhaupt nichts dagegen. Das erlebe ich täglich in unserer Klinik. Hier arbeiten wir auch mit Menschen, die nur noch mit Gehhilfe, also Stock oder Rollator, laufen können. Trotzdem schaffen auch sie 18 Punkte in der Woche. Im Durchschnitt erreichen die Menschen in unserer onkologischen Rehabilitation sogar stolze 38 Punkte.

Bewegung hilft auch, Krebstherapien körperlich zu verkraften. Onkologe Dr. Thomas Widmann:

Wenn Sie sich viel auf die Couch setzen bauen Sie zum Beispiel Muskeln ab und Ihr Herz-Kreislauf-System wird schwächer. Das führt u. a. dazu, dass Sie eine Chemotherapie schlechter vertragen und häufiger Nebenwirkungen wie eine Lungenentzündung auftreten. Dann muss diese Therapie möglicherweise unterbrochen werden und sie kann nicht so gut wirken.

movival – die Anti-Krebs-App

Inzwischen hat der Onkologe zusammen mit der Medienhochschule Offenburg die App movival entwickelt, mit der jeder ganz einfach überprüfen kann, ob er sich ausreichend bewegt. „Wer mit dieser App auf 30 Punkte pro Woche kommt, reduziert sein Rückfallrisiko signifikant“, so Widmann.

Aktiv gegen Krebs: Bewegung senkt das Krebs-Risiko.
Aktiv gegen Krebs: Bewegung senkt das Krebs-Risiko.
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Aktiv gegen den Krebs antreten

Die Psyche profitiert ebenfalls von den Bewegungseinheiten. Widmann:

Früher kamen die Menschen zu mir und fragten, was sie tun können, damit der Krebs nicht zurückkommt. Ich konnte nur raten, zur Nachsorge zu gehen. Doch die konnte ja nicht verhindern, dass sich neue Tumore bilden, sondern diese lediglich früher erkennen. Deshalb fühlten sich die Menschen oft hilflos der Krankheit ausgeliefert. Heute kann ich den Menschen ein konkretes und nachweislich hochwirksames Mittel nennen, mit dem sie selbst etwas dafür tun können, dass der Krebs nicht zurückkommt. Dieses Gefühl, das Schicksal selbst in der Hand zu haben, schenkt enorm viel Lebensmut.

Nachtrag: All das gilt übrigens nicht nur für Menschen mit einer bereits erkannten und therapierten Krebserkrankung. Auch die Gefahr, dass überhaupt bösartige Tumoren entstehen, reduziert sich bei bewegungsaktiven Menschen um bis zu 30 Prozent.

PD Dr. Thomas Widmann erklärt das Prinzip Bewegung im Video.

Krebs-Forschung: Neue Studienergebnisse zu Darmkrebs

Wissenschafts- / Medizinjournalistin

Dr. rer. nat. Miriam Sonnet

Dr. rer. nat. Miriam Sonnet

Immuntherapie bei Darmkrebs erfolgreich

Patienten mit Darmkrebs steht unter bestimmten Voraussetzungen eine Immuntherapie zur Verfügung: Der Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab ist zugelassen für die initiale Behandlung von Tumoren mit Mikrosatelliten-Instabilität (MSI-H) oder Mismatch-Reparatur-Defizienz (dMMR). Was bedeutet das und wie wirksam ist das Medikament bei Darmtumoren?

Immuntherapien haben die Behandlung von Krebserkrankungen revolutioniert. Dabei kommen unter anderem sogenannte Checkpoint-Inhibitoren zum Einsatz:

Normalerweise ist das Immunsystem in der Lage, veränderte Körperzellen zu erkennen und zu entfernen. Krebszellen können diesem Abwehrmechanismus aber umgehen, indem sie Kontrollpunkte des Immunsystems, die sogenannten Immun-Checkpoints, aktivieren. Das führt dazu, dass das Immunsystem geschwächt wird und es den Tumor nicht mehr erkennen und bekämpfen kann. Immun-Checkpoint-Inhibitoren wirken dem entgegen. Sie verhindern, dass die Immunantwort unterdrückt wird. Damit kann das Immunsystem den Tumor verstärkt angreifen.[1]

Der Wirkstoff Pembrolizumab ist ein solcher Checkpoint-Inhibitor. Es handelt sich dabei um einen Antikörper, der bestimmte Strukturen bindet und es so dem Immunsystem ermöglicht, Krebszellen zu bekämpfen. Das Medikament ist bereits für verschiedene Krebsarten zugelassen. Vor zwei Jahren erfolgte die Zulassung auch für die initiale Therapie von metastasiertem Darmkrebs, allerdings unter einer bestimmten Voraussetzung: Die Tumoren müssen spezielle genetische Veränderungen – eine hochfrequente Mikrosatelliten-Instabilität (MSI-H) oder eine Mismatch-Reparatur-Defizienz (dMMR) – aufweisen.[2]

Was bedeutet Mikrosatelliten-Instabilität (MSI-H) oder Mismatch-Reparatur-Defizienz (dMMR)? Als „Mikrosatelliten“ werden kurze, sich wiederholende Abschnitte in der DNA bezeichnet. Kommen darin gehäuft Fehler vor, werden diese Abschnitte instabil und können folglich in ihrer Länge und Anzahl variieren. Dies ist gleichzeitig ein Hinweis, dass Mutationen oder andere Veränderungen in DNA-Reparaturgenen vorliegen. Auf der Basis von DNA-Reparaturgenen werden normalerweise Proteine gebildet, die Fehler in der DNA korrigieren. Sind die zuständigen Gene aber mutiert, kann dieser Prozess nicht mehr stattfinden, es kommt zu Fehlern in der DNA und zu einer Mikrosatelliteninstabilität.[3, 4]

Eine dMMR ist in etwa 15 % aller Darmkrebs-Patienten zu finden [5].

Die KEYNOTE177-Studie[5]

Die Zulassung von Pembrolizumab bei Darmkrebs stützt sich auf die Ergebnisse der KEYNOTE177-Studie. Darin verglichen die Autoren den Checkpoint-Inhibitor mit einer Chemotherapie, die standardmäßig zur Behandlung von Darmtumoren eingesetzt wird.

Studiendesign: 192 Krebszentren aus 23 Ländern waren an der Studie beteiligt. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Ein Teil der Betroffenen erhielt Pembrolizumab in einer Dosierung von 200 mg alle drei Wochen intravenös, die Patienten aus der Kontrollgruppe wurden mit einer Chemotherapie behandelt. Ziel war es, die Zeit, in der die Erkrankung nicht voranschritt, sowohl unter Pembrolizumab als auch unter Chemotherapie zu bestimmen (= progressionsfreies Überleben). Außerdem untersuchten die Autoren unter anderem die Gesamtüberlebenszeit der Teilnehmer unter den beiden Behandlungsstrategien.

Teilnehmer der Studie: Die Studienautoren schlossen zwischen Februar 2016 und Februar 2018 insgesamt 307 Personen im medianen Alter von 63 Jahren mit einem MSI-H–dMMR Darmkrebs im Stadium 4 ein. 11 Patienten aus der Kontrollgruppe konnten nicht mit der Chemotherapie behandelt werden.

Die Ergebnisse: Wirksamkeit und Sicherheit von Pembrolizumab

Im Median wurden die Erkrankten 11,1 Monate mit Pembrolizumab und 5,7 Monate mit der Chemotherapie behandelt. Median lebten die Patienten unter der Checkpoint-Inhibitor-Gabe 16,5 Monate, ohne dass die Erkrankung voranschritt. Unter der Chemotherapie betrug das progressionsfreie Überleben nur 8,2 Monate.

Zum Zeitpunkt der Datenanalyse waren 56 Personen aus der Pembrolizumab-Gruppe und 69 der Kontroll-Teilnehmer gestorben. Die Daten zum Gesamtüberleben konnten noch nicht ausgewertet werden.

Insgesamt sprachen 43,8 % vs. 33,1 % der Betroffenen auf die Therapie aus der jeweiligen Gruppe an. Das bedeutet, dass die Behandlung bei diesem Anteil an Patienten eine gewisse Wirksamkeit zeigte. In 11 % vs. 4 % der Fälle konnte der Tumor komplett zurückgedrängt werden. Die Therapie war bei 83 % vs. 35 % der Personen, die auf die Behandlung angesprochen hatten, auch nach 24 Monaten noch wirksam. Allerdings schritt die Erkrankung bei mehr Patienten unter Pembrolizumab als unter einer Chemotherapie (29,4 % vs. 12,3 %) nach einer gewissen Zeit voran.

97 % vs. 99 % der Betroffenen unter Pembrolizumab vs. Chemotherapie entwickelten Nebenwirkungen. Bei 56 % vs. 78 % waren diese schwerer ausgeprägt (≥ Grad 3). Am häufigsten kam es zu einer Verringerung der Anzahl bestimmter Immunzellen (Neutrophilen) und zu Durchfall. 14 % vs. 12 % der Teilnehmer mussten die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen abbrechen.

Fazit: Die Behandlung mit Pembrolizumab verlängerte im Vergleich zu einer Chemotherapie signifikant die Zeit, in der die Erkrankung bei Darmkrebs-Patienten nicht voranschreitet, schlussfolgern die Studienautoren. Gleichzeitig kam es unter dem Checkpoint-Inhibitor zu weniger Nebenwirkungen, die durch die Behandlung ausgelöst wurden.

Quellen

[1] [https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/immuntherapie/impfen-gegen-krebs.php (letzter Aufruf am 14.4.2022)
[2] Casak SJ et al. Clin Cancer Res. 2021 Sep 1;27(17):4680-4684.
[3] https://flexikon.doccheck.com/de/Mikrosatelliteninstabilit%C3%A4t#:~:text=Unter%20einer%20Mikrosatelliteninstabilit%C3%A4t%20versteht%20man,als%20Folge%20defekter%20DNA%2DReparaturproteine. (Letzter Aufruf: 14.4.2022)
[4] https://www.aerzteblatt.de/archiv/209383/Mikrosatelliteninstabilitaet-im-Tumorgewebe-Direkter-Nachweis-mittels-Bildverarbeitung (Letzter Aufruf: 14.4.2022)
[5] André T et al. N Engl J Med 2020; 383:2207-2218

Krebs, der Familienfluch

Regelmäßige Bewegung hält nicht nur den Körper jung, sie ist auch eine hochwirksame Prophylaxe gegen Krebs und mögliche Rückfälle. Das ist die medizinische Erkenntnis, die Privatdozent Dr. Thomas Widmann, aus einer Metastudie gezogen hat. Widmann ist Chefarzt der Asklepios Klinik Triberg im Schwarzwald, einer Fachklinik für onkologische Rehabilitation durch Bewegung.

Zahlen, die unglaublich klingen: Um bis zu 67 Prozent sinkt das Risiko eines Rück- falls bei Brustkrebs, beim Prostatakrebs sind es 57 Prozent und beim Darmkarzinom noch 47 Prozent. Einzige Voraussetzung dafür: regelmäßige Bewegung. Zahlen, die vor allem auch belastbar sind. Für seine Metastudie hat der Onkologe 17 internationale Studien mit knapp vier Millionen Probanden ausgewertet.

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Mutierte Gene verhindern körpereigenen Reparaturmechanismus

Der Grund einer erblichen Krebserkrankung liegt in der Veränderung bestimmter Abschnitte des Erbguts. Bei Eierstockkrebs- und Mammakarzinom spielen vor allem die Gene BRCA1 und BRCA2 eine große Rolle. Sie wurden nach dem englischen Wort für Brustkrebs (breast cancer = BRCA) benannt. Eigentlich sollen diese Gene vor der Erkrankung schützen. Denn sie enthalten eine Art Bauplan für spezielle Eiweiße, die DNA-Schäden reparieren können und so das Entstehen von Tumoren verhindern. Sind die BRCA-Gene jedoch mutiert, funktioniert die Reparatur nicht mehr. Aus den beschädigten Zellen kann Krebs entstehen.

Für betroffene Frauen liegt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, bei 60 bis 80 Prozent. Bei Eierstockkrebs beträgt es zwischen 30 und 40 Prozent. Das BRCA-Erbgut ist nicht das einzige, das mit Krebs in Verbindung gebracht wird. Forscher haben mittlerweile Hochrisikogene als Krebstreiber identifizieren können und gehen davon aus, dass es noch mehr gibt. Eine Genmutation betrifft alle Zellen des Körpers. Daher können auch andere Organe von erblichen Tumoren betroffen sein. So sind zum Beispiel auch einige Formen von Darm- und Magenkrebs genetisch bedingt.

Gentest: Identifizierung von Krebs-Risiken.
Gentest: Identifizierung von Krebs-Risiken.
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Gentest überprüft im Blut über 300 Krebs-Risikofaktoren

Von einer familiären Häufung spricht die Medizin zum Beispiel, wenn es drei Frauen mit Brustkrebs in der Familie gibt oder eine Frau mit Brust- und eine mit Eierstockkrebs oder eine mit beidem. In solchen Fällen ist ein Gentest sinnvoll, der von der Kasse bezahlt wird.

Eine Veranlagung für einen erblichen Tumor wird mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit an Kinder beider Geschlechter weitergegeben. Ab dem 18. Lebensjahr können sich Risiko-Personen dem Test unterziehen. Hierbei werden im Blut die aktuell über 300 unbekannten Kombinationen von Risikogenen geprüft. Eine angeborene Veranlagung bedeutet aber nicht automatisch, dass jemand tatsächlich erkrankt. Daher kann ein Testergebnis in manchen Fällen auch unnötig belasten. Meistens jedoch hilft es den Betroffenen, Gewissheit zu haben. Ein negatives Ergebnis beruhigt sehr. Und bei einem positiven können entsprechende Vorsorgevorkehrungen ergriffen werden.

Check-ups können das Erkrankungsrisiko minimieren

Risikopatienten sollten an einem engmaschigen Früherkennungsprogramm teilnehmen. Hierbei stehen nach Lebensalter gestaffelt gewisse Check-ups an. Dadurch lässt sich der Krebs meist in einem frühen Stadium erkennen und in vielen Fällen sogar heilen. Denn: Weiß der Arzt, welche Genveränderung dem Krebs zu Grunde liegt, kann er die Therapie anpassen. So spricht etwa genetisch bedingter Brustkrebs auf bestimmte Chemos besser an als andere Varianten. Dennoch bleibt diese Therapieform sehr kräftezehrend. Zumindest ist bei einigen Mutationen der Einsatz gezielter Medikamente (Antikörper) möglich, die den Tumor bei der Wurzel packen.

Die gefährlichsten Genussmittel, die zu Krebs führen

Ernährungsweise und Lebensstil sind zwei der Hauptfaktoren, wenn es um das persönliche Krebsrisiko geht. Vor allem bei Krebsarten rund um den Magen-Darm-Trakt spielt Ernährung eine Rolle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass rund 30 Prozent  aller Krebsfälle auf eine schlechte Ernährungsweise in Zusammenhang mit Übergewicht und Bewegungsmangel zurückzuführen sind. In Deutschland sind es circa. 8 Prozent.

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Rotes Fleisch begünstigt verschiedene Krebsarten (Krebsentitäten)

Zu rotem Fleisch zählen Rind, Schwein, Schaf, Ziege und Pferd. Vor allem in verarbeiteter Form steht es schon längere Zeit im Verdacht, das Risiko für verschiedene Krebsarten zu erhöhen. Dazu zählen:

  • Magenkrebs (Magenkarzinom)
  • Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom)
  • Leberkrebs (Leberkarzinom, Leberzellkrebs, Leberzellkarzinom, Hepatozelluläres Karzinom, HCC)
  • Bauchspreicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)
  • Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom)
  • Blasenkrebs (Blasenkarzinom)
  • Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)
  • Nierenkrebs (Nierenkarzinom, Adenokarzinom der Niere; veraltet: Hypernephrom, hypernephroides Karzinom)
  • Mundhöhlenkrebs (Mundhöhlenkarzinom)
  • Brustkrebs (Mammakarzinom)
  • Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom)

Verarbeitetes Fleisch kann Krebserreger enthalten.
Verarbeitetes Fleisch kann Krebserreger enthalten.
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Häm-Eisen im Fleisch attackiert Darmzellen

Fleisch enthält von Natur aus ein spezielles Eisen, das sogenannte Häm-Eisen. Es kommt zu 50 bis 70 Prozent in tierischen Produkten vor. Studien ergaben, das Häm-Eisen die DNA schädigt, zum Absterben gesunder Darmzellen führt und damit das Darmkrebsrisko fördert. Krebszellen reagieren dagegen weniger auf das Häm-Eisen und können weiterwachsen. Im Gegensatz dazu enthalten pflanzliche Lebensmittel Nicht-Häm-Eisen (z. B. Nüsse, Obst, Gemüse wie Bohnen) und wirken eher krebsvorbeugend hinsichtlich Darm- und Speiseröhrenkrebs.

Verarbeitetes Fleisch, das heißt Salami, Schinken und Schinkenspeck, Wiener Würstchen, Bratwurst sowie Pökelfleisch etc. enthalten oft Nitrate, Nitrite und andere Konservierungsmittel, um sie haltbarer zu machen. Diese Stoffe werden im Körper jedoch zu N-Nitroso-Verbindungen, auch als Nitrosamine bezeichnet, umgewandelt. Nitrosamine gelten als karzinogen, also krebserregend.

Diese chemischen Verbindungen aus Nitrit und den im Fleisch vorkommenden Aminen entstehen in erhöhtem Maße beim Garen von Fleisch. Zudem sind sie in geräuchertem Fisch und Käse sowie Tabakerzeugnissen enthalten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher, in der Woche nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch zu essen. Schon der tägliche Verzehr von 50 Gramm verarbeitetem Fleisch kann das Darmkrebsrisiko um 18 Prozent erhöhen.

Gegrilltes erhöht Brustkrebsrisiko um 47 %

Eine andere Gruppe karzinogener Stoffe sind die heterozyklischen Amine (HA). Sie gelten als mutagen, das heißt erbgutverändernd. HAs entstehen beim Erhitzen von Proteinen und proteinhaltigen Lebensmitteln, wie sie insbesondere in Muskelfleisch enthalten sind. Und zwar umso mehr, je länger und heißer das Fleisch gegart wird, was insbesondere beim Grillen, Braten in der Pfanne und dem Backen im Ofen der Fall ist. In einer Studie bei Frauen, die übermäßig viel gegrilltes Fleisch aßen, lag das Brustkrebsrisiko um 47 Prozent höher.

Zu viel Milch erhöht das Krebs-Risiko.
Zu viel Milch erhöht das Krebs-Risiko.
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Hoher Milchkonsum fördert Brust- und Prostatakrebs

Sowohl aus gesundheitlicher als auch ethischer Perspektive geriet Milch in den letzten Jahren immer wieder in die Negativ-Schlagzeilen und ist zu einem allgemein umstrittenen Lebensmittel geworden. Aber wie gesund ist Milch wirklich und fördert deren Verzehr das Risiko, an Krebs zu erkranken?

Kuhmilch hat vorrangig eine Funktion, und zwar die gesunde Entwicklung des heranwachsenden Kalbes zu unterstützen. Dafür sorgen unter anderem die in der Kuhmilch enthaltenen insulinähnlichen Wachstumshormone  IGF-1 (Insuline-Like-Growth-Factor-1). Forscher [HS2] nehmen an, dass diese auch das Wachstum von Krebszellen begünstigen, insbesondere das von Brust- und Prostatakrebs. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Personen, die regelmäßig Milch trinken, der IGF-1-Gehalt um bis zu 10 Prozent höher ist als bei denen, die keine oder nur sehr wenige Milch trinken.

Bestätigt wurde die Annahme erst kürzlich in einem Artikel des Magazins „The American Journal of Clinical Nutrition“. In der dort beschriebenen Studie hatten Männer, die täglich zwei Gläser Milch tranken, ein um 25 Prozent höheres Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken als jene, die maximal ein halbes Glas am Tag tranken.

In einer Studie zu Brustkrebs der Loma Linda University Kalifornien von 2020 kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass schon eine Tasse Milch pro Tag das Brustkrebsrisiko um bis zu 50 Prozent steigert.

Untermauert wird dies durch statistische Auswertungen: In Ländern, in denen wenig Milch oder Milchprodukte verzehrt werden, ist die Brustkrebsrate deutlich niedriger.

Erhöhtes Krebsrisiko bei Alkoholgenuss

Alkohol schadet der Gesundheit, das ist keine Neuheit. Es besteht aber nicht nur die Gefahr der Abhängigkeit. Mit erhöhten Konsum steigt auch das individuelle Krebsrisiko. Laut einer Studie aus dem Jahr 2020 waren allein 22.000 Krebsneuerkrankungen in Deutschland auf den Konsum von Alkohol zurückzuführen.

Warum Alkohol als krebsfördernd eingestuft wird, ist bislang noch nicht genau geklärt. Dabei ist es aber egal, ob es sich um Bier, Wein oder Hochprozentiges handelt. Entscheidend ist die Menge des reinen Alkohols, die direkten Einfluss auf das Erkrankungsrisiko nimmt.

Die häufigsten Krebsarten in Zusammenhang mit Alkohol sind:

  • Krebs in Mundhöhle, Rachen (Mundhöhlenkarzinom)
  • Kehlkopfkrebs (Plattenepithelkarzinom)
  • Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom)
  • Leberkrebs (Leberkarzinom, Leberzellkrebs, Leberzellkarzinom, Hepatozelluläres Karzinom, HCC)
  • Dickdarmkrebs
  • Brustkrebs

Alkoholgenuss kann das Krebsrisiko erhöhen.
Alkoholgenuss kann das Krebsrisiko erhöhen.
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Wie viel Alkohol ist erlaubt?

„Dosis venenum facit“, heißt es in der Medizin. Die Dosis macht das Gift. Alkohol ist toxisch, also ein Gift. Im Grunde ist demnach jeglicher Alkoholgenuss ungesund. Wer trotzdem nicht auf den Genuss verzichten möchte, geht als gesunder Mensch nur ein überschaubares Risiko ein, wenn er sich an folgende Faustregeln des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hält:

  • an zwei Tagen pro Woche keinen Alkohol trinken
  • als Mann nicht mehr als 24 Gramm Alkohol pro Tag trinken, also zwei kleine Gläser Bier (0,6 Liter) > entspricht über eine Woche verteilt bei zwei alkoholfreien Tagen 120 Gramm
  • als Frau nicht mehr als 12 Gramm Alkohol pro Tag trinken, also nicht mehr als ein kleines Glas Wein (0,125 Liter) > entspricht über eine Woche verteilt bei zwei alkoholfreien Tagen 60 Gramm

Frittierte Lebensmittel: Erhöhtes Risiko für Brust- und Prostatakrebs

Pommes, Backfisch, Chips und Co. gehören nicht zu den gesündesten Lebensmitteln, das versteht sich schon aufgrund des hohen Fettanteils. Beim Frittieren kommt ein weiteres Problem dazu: Fette verändern sich aufgrund der hohen Temperaturen und setzen krebserregende Stoffe frei. Je öfter das Fett oder Öl wie in Fast Food Restaurants erhitzt wird, umso mehr krebserregende Stoffe werden freigesetzt.

Der regelmäßige Verzehr frittierter Lebensmittel kann folgende Krebsarten begünstigten:

  • Vorsteherdrüsenkrebs (Prostatakarzinom)
  • Brustkrebs (Mammakarzinom)
  • Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)
  • Hals- und Kopfkrebs (Kopf-Hals-.Tumoren)
  • Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom)

Forscher haben bei Männern festgestellt, dass es schon genügt, einmal pro Woche Frittiertes zu essen, um das Risiko für Prostatakrebs um 30 bis 37 Prozent zu erhöhen.

Vor allem beim Frittieren von kohlenhydratreichen Lebensmitteln wie Pommes entsteht Acrylamid, das als krebserregend eingestuft wird. Bei Frauen kann es zu Unterleibskrebs führen.

Krebs-Vorbeugung: die beste Medizin gegen bösartige Tumoren

Früherkennung ist wichtig, aber wie erkennt man Krebs? Auch wenn die Check-ups nicht angenehm sind, sollten sie wahrgenommen werden. Denn sie können Leben retten.

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70 Prozent der krebsbedingten Todesfälle sind vermeidbar

Rund eine halbe Million Menschen in Deutschland erkranken pro Jahr neu an Krebs, und fast eine Viertel Million sterben daran – Zahlen von fast pandemischer Dimension. Doch wie anders ist die Haltung und das Engagement der Gesellschaft darauf im Gegensatz zur Covid-19-Pandemie. Es existiert eine seltsame Akzeptanz dieser Geisel der Menschheit, die in vielen Fällen als „Schicksal“ angesehen und hingenommen wird.

Dabei ist Krebs heute in vielen Fällen eine gut behandelbare, oft sogar heilbare Erkrankung – und kein Todesurteil mehr. Laut Prof. Dr. Christof von Kalle, BIH-Chair für Klinisch-Translationale Wissenschaften, Direktor des Klinischen Studienzentrums an der Charité Universitätsmedizin, „ließen sich bis zu 70 Prozent der krebsbedingten Todesfälle heute schon vermeiden.“ Allein es fehlt der Wille, das medizinische Potenzial in Vorsorge und Therapie komplett auszuschöpfen.

Fehlender Zugang zu molekularer Diagnostik

Worin die Hürden nach Einschätzung von Prof. Dr. Christof von Kalle liegen – Stichwort Prävention und Früherkennung: Ein relativ gesunder Lebensstil, teils auch schon Impfungen sowie Früherkennungsuntersuchungen sind die mit Abstand wirksamste Maßnahme gegen Krebs – und bleiben trotzdem vielfach ungenutzt.

Stichwort Diagnostik und Therapie: Nach wie vor ist nicht sichergestellt, dass alle Krebspatienten in Deutschland Zugang zu einer molekularen Diagnostik und gegebenenfalls einer auf ihren Tumor abgestimmte Therapie haben.

Stichwort Digitalisierung: Um jedem Patienten die für ihn beste Therapie anbieten zu können, müssen Gesundheitsdaten genutzt werden, ohne den Datenschutz zu opfern. Länder wie Dänemark, Estland oder Kanada machen es vor, wie es geht.

Krebsfrüherkennung: Erfolgsmodell Koloskopie (Darmspiegelung)

Die Koloskopie oder Darmspiegelung ist ein einzigartiges diagnostisches Verfahren zur Krebsfrüherkennung: Bei keiner anderen Krebsart kennt die Medizin eine Methode, bei der nicht nur mögliche Krebsvorstufen (Darmpolypen) erkannt, sondern gleichzeitig auch entfernt werden können.

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Darmkrebs bleibt lange symptomfrei

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebs-Todesursachen in Deutschland: Bei Männern kommt er nach Lungenkrebs an zweiter, bei Frauen nach Brust- und Lungenkrebs an dritter Stelle. Das Tückische: Im Frühstadium macht er keine Beschwerden, erst spät treten Symptome wie Darmverschluss auf. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass vier von fünf Darmkrebserkrankungen sich durch Vorsorge verhindern ließen, wenn die Veränderungen des Gewebes früh erkannt werden.

Seit dem Sommer 2019 werden Männer ab 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren per Post dazu eingeladen. Die Untersuchung dauert nur 20 Minuten, der Gastroenterologe führt das Koloskop, einen dünnen, flexiblen Schlauch mit einer Kamera an der Spitze über den After durch den entleerten Dickdarm bis zum Dünndarm. Auf einem Monitor kontrolliert der Arzt das Gewebe nach Auffälligkeiten.

Entfernung von Polypen im Darm.
Entfernung von Polypen im Darm.
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Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen

Polypen entfernt der Arzt mit einer Schlinge im Koloskop in der Regel sofort. Der Patient verschläft unter Kurznarkose die Prozedur. Das Unangenehme für den Patienten ist, dass er sechs bis acht Stunden vor der Untersuchung einen Liter einer nicht ganz so gut schmeckenden Spüllösung sowie zwei Liter Wasser trinken muss – zum Abführen. Nur dann hat der Arzt freie Sicht auf den Dickdarm und kann Veränderungen erkennen.

Bei der Koloskopie werden Tumore statistisch gesehen nur bei einem Prozent der Patienten gefunden. Ein Drittel sind Frauen, zwei Drittel Männer. Bei 70 Prozent handelt es sich jedoch um ein solch frühes Stadium, dass es zur Behandlung ausreicht, die Polypen noch im Rahmen der Untersuchung zu entfernen.  Laut der Felix Burda Stiftung, die sich die Prävention von Darmkrebs zur Aufgabe gemacht hat, hat die Koloskopie in den vergangenen 20 Jahren etwa 306.000 Neuerkrankungen in Deutschland verhindert.

Alternative: Immunologische Stuhltests (FIT)

Trotz dieser beeindruckenden Erfolgsbilanz gehen nur 20 Prozent der Menschen im entsprechenden Alter (ab 50 Jahren) zur Darmspiegelung. Die aufwendige Vorbereitung, die Sorge vor der lästigen, für manche auch peinlichen Prozedur und oft auch die Angst vor Schmerzen erschwert vielen über 50-Jährigen den Gang zur Koloskopie.

Eine nicht ganz so aussagekräftige Alternative sind immunologische Stuhltests. Sie sind eine Weiterentwicklung des Hämoccult-Tests. Wer den Test machen will, erhält vom Arzt ein Set aus Probenröhrchen und Dosierstab. Um den Stuhl aufzufangen, wird ein spezielles Papier in die Toilette gelegt. Die Stuhlprobe wird mithilfe des kleinen Stabs entnommen und in ein Röhrchen gesteckt, das luftdicht verschraubt wird. Das Röhrchen kommt in einen Umschlag und wird in der Arztpraxis abgegeben. Diese Stuhlproben auch FIT-Tests genannt (fäkale immunchemische Tests) können mit 60- bis 70-prozentiger Sicherheit Adenome, eine Art Polyp und Vorstufe eines Tumors, im Darm und somit Darmkrebs nachweisen. Bei einer Darmspiegelung sind es 90 Prozent.

Adenome sind eine Krebs-Vorstufe.
Adenome sind eine Krebs-Vorstufe.
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Polypen hinterlassen okkultes Blut im Stuhl

Da diese Wucherungen gut durchblutet sind, kommt es zu minimalen Blutspuren im Stuhl, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind (okkultes Blut). Wenn der immunologische Test Blut findet, muss trotzdem eine Koloskopie vorgenommen werden, um die Herkunft des Blutes zu klären.

Allerdings kann ein Stuhltest durch falsche Handhabung zuhause verfälscht werden. Zudem gibt es Qualitätsunterschiede bei den einzelnen Test-Kits. Gastroenterologen fordern deshalb einen einheitlichen Standard und warnen davor, sich komplett auf diese Tests zu verlassen, weil ihre Ergebnisse Spielraum bei der Interpretation ermöglichen.

Für Frauen zwischen 50 und 54 wird einmal im Jahr ein Stuhltest bezahlt. Nach dem 55. Geburtstag können sie alle zwei Jahre einen Stuhltest machen – oder sie entscheiden sich für eine Darmspiegelung beim Facharzt. Als reine Vorsorge sind zwei Darmspiegelungen vorgesehen – die zweite im Normalfall zehn Jahre nach der ersten, denn Darmkrebs gehört zu den langsam wachsenden Krebsarten. Weil bei Männern das Erkrankungsrisiko höher ist, können sie ab 50 Jahren zwei Mal eine Darmspiegelung in Anspruch nehmen, fünf Jahre früher als Frauen. Alternativ zur Darmspiegelung können sie zwischen 50 und 54 einmal im Jahr einen Stuhltest machen – und nach dem 55. Geburtstag alle zwei Jahre.

Darmkrebs-Risiko genetische Disposition

Es gibt für Menschen unter 50 Jahren ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs, wenn in einer Familie drei oder mehr Personen an Darmkrebs erkrankt waren, wovon zwei mit dieser Person direkt verwandt sind, also etwa der Vater oder die Großmutter. Und zusätzlich noch, wenn ein Krebsfall unter 45 Jahren vorliegt. Unter solchen Voraussetzungen greift ein besonderes Vorsorgeprogramm. Diese Person hat ab einem Alter von 25 Jahren einmal pro Jahr Anspruch auf eine körperliche Untersuchung und Koloskopie.

Das Problem: Es gibt noch das familiäre Risiko. Welches ein Viertel aller Darmkrebsfälle ausmacht. Sie liegt vor, wenn weniger als drei direkte Verwandte erkrankt sind. Für diese Risikogruppe gibt es kein offizielles Vorsorgeprogramm. Manche Krankenkassen übernehmen zwar in solchen Fällen die Kosten, aber nicht generell.

Krebsfrüherkennung: Lebensrettender Check-up für die Brust

Mit einer Heilungschance von 80 Prozent gehört das Mammakarzinom der Brust zu den Krebsarten mit der besten Prognose. Voraussetzung dafür ist aber in den meisten Fällen, dass der Tumor in einem frühen Stadium entdeckt wird. So ist nicht nur die Chance am größten, dass sich noch keine Metastasen gebildet haben, es ermöglicht auch schonendere Therapien. Brustkrebsfrüherkennung ist deswegen für die häufigste Krebsart bei Frauen unerlässlich.

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Krankenkassen zahlen Brustvorsorge ab dem 30. Lebensjahr

Die Brustkrebsfrüherkennung ist in Deutschland gesetzlich genau geregelt. Alle Krankenkassen übernehmen die Kosten, aber die Teilnahme ist freiwillig:

  • Im Alter zwischen 30 und 49 und ab 70 Jahren werden die Brüste zweimal jährlich beim Gynäkologen zusammen mit den Lymphknoten in den Achselhöhlen abgetastet. Untersucht wird unter anderem, ob es Verhärtungen, Hautauffälligkeiten oder Veränderungen bei Form und Größe gibt. Auch aus der Brustwarze austretende Flüssigkeit kann ebenso ein Indiz sein wie Schmerzen oder Schwellungen.
  • Im Alter zwischen 50 und 69 Jahren haben Frauen alle zwei Jahre die Möglichkeit, sich einem Mammographie-Screening zu unterziehen. Eine Einladung dazu kommt per Brief.

Brustkrebs-Früherkennung
Die Krankenkassen azhlen bestimmte Untersuchungen zur Brustkrebs-Früherkennung.
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Jede fünfte Frau mit Brustkrebs hat BRCA1/2-assoziierte Tumoren

Brustkrebs kann verschiedene Ursachen haben, auch danach richten sich Intensität und Art der Früherkennung des Mammakarzinoms. Besonders intensiv werden Frauen begleitet, die eine genetisch-familiäre Disposition für Brustkrebs haben. Ist eine Mutation des Erbguts nicht bekannt, aber es gab in der Familie Fälle von Brustkrebs, zahlen die Kassen einen Gentest. Das ist besonders wichtig, weil erblich bedingter Brustkrebs auch schon bei sehr jungen Frauen auftreten kann. Etwa 20 Prozent aller Frauen mit Brustkrebs haben diese Mutation (BRCA1/2-assoziierte Tumoren), so das Ärzteblatt.

Liegt eine Genmutation vor, bedeutet das nicht, dass tatsächlich eine Tumorerkrankung auftritt. Aber: Das Risiko zu erkranken liegt zwischen 60 und 80 Prozent. Diese Frauen können eine intensivierte Brustkrebs-Früherkennung in Anspruch nehmen. Dazu zählen eine Tast- und Ultraschalluntersuchung pro Halbjahr, ebenso Röntgenaufnahmen sowie eine Kernspintomografie (MRT) pro Jahr. Dadurch kann ein Krebs schon früh erkannt und therapiert werden, wodurch die Heilungschancen steigen.

Weitere Informationen sowie Kontaktdaten qualifizierter Zentren liefert das Deutsche Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs.

Ärztin klärt Patientin auf, dass Sport und ein normaler BMI das Krebs-Risiko reduzieren.
Sport und ein normaler BMI reduzieren das Krebs-Risiko.
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Sport reduziert Brustkrebsrisiko um bis zu 30 Prozent

Nicht immer sind die Gene schuld. Brustkrebs ist auch eine Erkrankung des westlichen Lebensstils. Es gibt verschiedene Faktoren (z. B. Körpergewicht, unzureichende Bewegung), die bei der Entstehung von Brustkrebs eine Rolle spielen. So gehen Experten heute davon aus, dass sportlich aktive Menschen ihr Risiko, an Krebs zu erkranken, durchschnittlich um 20 bis 30 Prozent senken können. Aus sportphysiologischer Sicht ist es günstig, mehrere Komponenten wie Ausdauer und Kraft ins Training zu integrieren. Das Wichtigste jedoch ist die Regelmäßigkeit. Dadurch kann auch ein normaler Body-Mass-Index (BMI) gehalten werden, was das Risiko ebenfalls minimiert.

Ein wesentlicher Baustein ist auch die Ernährung. Hier empfiehlt sich eine ausgewogene Kost mit frischem Obst und Gemüse, pflanzlichen Ölen, Fisch und Vollkornprodukten. Risikofaktor ist auch eine Hormontherapie in der Menopause. Deshalb empfehlen Gynäkologen heute, eine Hormontherapie – wenn überhaupt – so kurz wie möglich zu halten.

Brustkrebs im Blut erkennbar machen

Im Bereich der Brustkrebs-Früherkennung versuchen sich Forscher an Methoden, die die Früherkennung revolutionieren könnten. Englische Wissenschaftler haben zum Beispiel einen Bluttest entwickelt, der den Tumor bis zu fünf Jahre vor den ersten Symptomen nachweisen kann. Das funktioniert so: Um Krebszellen zu zerstören, produziert der Körper Antigene, sogenannte Autoantikörper. Diese Autoantikörper kann der Test schon in kleinsten Mengen aufspüren. Ein erster Versuch mit 90 Frauen verlief positiv. Um von einer verlässlichen Methode zu sprechen, sind aber Studien mit mehr Probanden nötig.

Krebsfrüherkennung: Gebärmutterhalskrebs – Pap-Test ab 20 Jahren

Die beste Vorsorge gegen Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist eine Impfung im Alter zwischen 9 und 14 Jahren. Wichtig ist, dass die Impfung vor dem ersten Sexualkontakt stattfinden muss.

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Vorsorge für Frauen zwischen 20 und 34 Jahren

Die Krankenkasse zahlt Frauen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren jährlich einen Pap-Abstrich (Papanicolaou-Test). Der Pap-Test ist eine mikrobiologische Untersuchung eines Abstrichs des Gebärmutterhalses. Die nach ihrem Entwickler, dem griechischen Arzt George Papanicolaou, benannte und 1928 vorgestellte Methode kann verlässlich Krebsvorstufen erkennen.

Seit Januar 2020 erhalten Frauen ab dem 35. Lebensjahr ein kombiniertes Screening aus Pap-Abstrich und HPV-Test, allerdings nur alle drei Jahre.

Papillomavirus Typ 16
Papillomavirus Typ 16.
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Screening im Drei-Jahres-Rhythmus

Es dauert sehr lange, bis Gebärmutterhalskrebs entsteht. Von Zellveränderungen über die Krebsvorstufe bis hin zum Karzinom vergehen zehn Jahre und mehr. Experten schätzen, dass 40 Prozent der Frauen zwischen 20 und 25 Jahren mit den HPV-Erregern infiziert sind. In diesem Alter ist die sexuelle Aktivität höher. Aufgrund der vitalen Immunabwehr heilt eine HPV-Infektion aber in den allermeisten Fällen von allein wieder aus. Daher ist der HPV-Test für jüngere Frauen nicht vorgesehen.

Ältere Frauen stecken sich seltener neu an, weil sie statistisch nicht mehr so häufig den Partner wechseln. Überleben die Viren, können sie sich in der Gebärmutterschleimhaut einnisten und Zellveränderungen verursachen. Diese führen über Vorstufen zu Krebs. Zwischen Vorerkrankung und der Entstehung eines Karzinoms kann aber ein Zeitraum von bis zu 30 Jahren liegen.

Schutzaufbau in jungen Jahren

Im Gegensatz zu den meisten Karzinomen kann Gebärmutterhalskrebs mit einer Impfung vorgebeugt werden. Mädchen, aber auch Jungen zwischen 9 und 14 Jahren wird noch vor dem ersten sexuellen Kontakt diese Maßnahme empfohlen, die Kasse zahlt. Laut Bundesverband der Frauenärzte bietet sie einen nachhaltigen Schutz gegen HPV-Infektionen. Dennoch sollten auch Geimpfte regelmäßig die Früherkennungsuntersuchungen nutzen.

Krebsforschung: DNA-Schnipsel enttarnen verborgene Tumoren

Könnte man Krebszellen so schnell und zuverlässig nachweisen wie Corona-Viren, könnte die Krankheit viel von ihrem Schrecken verlieren. Denn viele Tumoren wachsen lange im Verborgenen und machen keine Beschwerden. Werden sie aber erst entdeckt, wenn es schon Metastasen gibt, wird eine erfolgreiche Behandlung immer unwahrscheinlicher. US-Forscher wollen jetzt mit einem Tropfen Blut 50 verschiedene Tumorarten aufspüren – bevor es erste Symptome gibt.

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US-Forscher weisen zirkulierende freie DNA (cfDNA) nach

Einen beginnenden Hautkrebs zu entdecken, ist für das geübte Auge eines Dermatologen eine relativ einfache Sache. Bei dem weitaus größten Teil der etwa 300 bekannten Krebsarten sieht das ganz anders aus: Es gibt keine brauchbaren Früherkennungs-Werkzeuge. Und weil nicht nach ihnen gesucht wird, sind die Diagnosen fast immer Zufallsbefunde.

Seit Jahren versuchen Wissenschaftler deswegen, Krebszellen direkt im Blut nachzuweisen. Amerikanische Forscher haben jetzt erst Ergebnisse vorgelegt, mit denen sie diesem lang gehegten Wunsch etwas nähergekommen sind. Der von ihnen entwickelte Test ist in der Lage, sogenannte zirkulierende freie DNA (cfDNA) zu finden.

Bluttest zur Krebs-Erkennung
Bluttest zur Krebs-Erkennung.
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Falsch-positive Ergebnisse unter 1 Prozent

Diese winzig kleinen DNA-Schnipsel entstehen, wenn Krebszellen zerfallen und dabei kleine Mengen ihres Erbguts freisetzen, die dann ins Blut wandern. Die Wissenschaftler veröffentlichten eine Studie mit mehr als 6.600 Probanden, die sich aus Menschen mit und ohne Krebs zusammensetzten. Der Bluttest konnte mehrheitlich Erkrankte von Gesunden unterscheiden. So lag die Quote der falsch-positiven Ergebnisse bei unter 1 Prozent. Zum Vergleich: Bei einer Mammografie fallen bis zu 10 Prozent der Befunde positiv aus – obwohl die Patientinnen gesund sind.

Noch problematisch beim neuen Bluttest: In einem fortgeschrittenen Bereich erreicht er eine Quote von über 90 Prozent, im diagnostisch wichtigen Frühstadium nur etwa 18 Prozent. Kleine Tumore geben im Normalfall weniger DNA ins Blut ab, lautet die Begründung.

Krebs: 70 Prozent Nachweisrate bei häufigen Krebsarten

Besser waren die Ergebnisse, wenn nur nach den zwölf häufigsten Krebsarten gefahndet wurde, darunter Darm- und Lungenkrebs. Hier lag die Nachweisrate bei fast 70 Prozent. Einigermaßen zuverlässig war der Test auch bei Erkrankungen, für die es noch keine Vorsorgeuntersuchungen gibt, zum Beispiel Leber- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Die Wissenschaftler sprechen noch nicht von einer Revolution in der Krebsdiagnostik, dafür sind sie noch zu weit entfernt von einem Durchbruch. So merkt die Deutsche Krebsgesellschaft an, dass alle Gesunden in der Studie keinerlei Begleiterkrankungen hatten. Denn auch bei manchen Rheuma- oder Diabetes-Fällen kann es zu DNA-Veränderungen kommen. Dies würde aber den Test weniger aussagekräftig machen oder hätte mehr falsch-positive Krebsdiagnosen zur Folge.

Der Bluttest funktioniert nicht bei allen Krebs-Arten.
Der Bluttest funktioniert nicht immer.
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Bluttest als Ergänzung zu vorhandenen Vorsorge-Methoden

Hinzu kommt, dass der Bluttest eher im fortgeschrittenen Krebsstadium verlässliche Ergebnisse bringt, also noch nicht zur Früherkennung taugt. Denkbar wäre es, den Bluttest für Krebsarten ohne Screening-Programm (Darmkrebs, Brustkrebs, Hautkrebs, Prostatakrebs) anzubieten. In den USA wird das teils schon gemacht. Ebenso soll er als Ergänzung zu bereits vorhandenen Vorsorge-Methoden für häufige Krebsarten dienen, darunter Haut- und Brustkrebs. Parallel soll es ein großes Pilotprojekt in England und drei weitere umfangreiche Studien in den USA geben.

Ein allgemeingültiges Verfahren für alle Krebsarten existiert noch nicht. Allerdings gibt es Bereiche, in denen Tests erfolgreich eingesetzt werden, wenn der Tumor bestimmte Mutationen aufweist. Das ist zum Beispiel bei einigen Brust- und Lungenkrebsformen der Fall.

Krebs-Atemtest: Immer der Nase nach

Die Diagnose liegt in der Luft: Ein kranker Körper produziert bestimmte Stoffe, die ungewohnt riechen. Die werden dann über die Haut (Schweiß), Stoffwechselendprodukte (Urin, Kot) und über den Atem (Mundgeruch) ausgeschieden. Das sind – wie schon die chinesische Medizin vor Jahrtausenden herausfand – häufig Frühwarnzeichen für Krankheiten.

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Krebs riecht nach Ammoniak und Essig

So soll der Atem von Diabetikern nach Nagellackentferner riechen, während Leberprobleme dem Körpergeruch der Betroffenen einen Hauch von Ammoniak verleihen. Und eine Schilddrüsen-Unterfunktion sorgt dafür, dass die eigene Haut nach Essig duftet. Schon lange bekannt ist auch, dass Hunde mit ihrer feinen Spürnase in der Lage sind, Krankheiten wie Prostata-, Darm- und Hautkrebs zu riechen. Studien zufolge erkennen die Vierbeiner mit einer Trefferquote von deutlich über 90 Prozent an Stuhl-, Urin- und Atemproben, ob eine Krebserkrankung vorliegt. Sie identifizieren dies am Geruch von Chemikalien, sogenannten flüchtigen organischen Verbindungen, die vom Tumor ausgestoßen werden.

Speiseröhrenkrebs
Speiseröhrenkrebs am atem erkennen?
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Krebs im Frühstadium erschnüffeln

Forschungen deuten darauf hin, dass auch Menschen Krebs im Frühstadium „erschnüffeln“ können wie etwa Dr. Dr. Stefan Hartwig. Der Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie forscht am Johannes Wesling Klinikum Minden, um Details über den Geruch von Krebs herauszufinden. Dabei konnte er bislang einen großen Erfolg verbuchen: Im Rahmen einer kleinen Pilotstudie wiesen er und sein Team bei Patienten Mundhöhlenkrebs-Moleküle im Atem nach. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass bei bestimmten Krebszellen Abbauprodukte in den Stoffwechsel abgegeben werden – und messbar sind.

Ebenso vielversprechend klingt auch eine britische Studie des Londoner Imperial Colleges: Die Wissenschaftler konnten mit einem Atemtestgerät bei 85 Prozent von 163 Studienteilnehmern Speiseröhren- oder Magenkrebs schon im Frühstadium erkennen.

Elektrische Sensoren ersetzen feine Nasen

Am Universitätsklinikum in Marburg wurden „elektronische Sensoren“ für die Früherkennung von Lungenkarzinomen entwickelt. Die Sensoren wurden von den Wissenschaftlern ähnlich wie Hundenasen auf bestimmte Duftstoffe programmiert – in diesem Fall Krebszellen.

Am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim wurde ein Atemtest entwickelt, der Lungenkrebs in neun von zehn Fällen erkennt. Die Forscher untersuchen die Atemluft auf sogenannte RNA-Moleküle. Diese werden vom Lungengewebe abgegeben und unterscheiden sich bei Gesunden und Krebspatienten. In anderen Ländern wird ebenfalls nach einem Verfahren gesucht, um aus einer Probe der Puste eine zuverlässige Diagnose stellen zu können.

Allerdings wird der Atemtest die bisher gängigen Diagnoseverfahren wie Computertomografie oder Endoskopie nicht vollständig ersetzen können. Zudem ist die Forschung von einer in der Praxis anwendbaren Technik noch weit entfernt. Dr. Dr. Stefan Hartwig ist sich aber sicher, dass es in Zukunft eine Methode geben wird, mit der man zuverlässig und ohne Nebenwirkungen Krebszellen im Körper nachweisen kann.

Zeitbombe im System: das Li-Fraumeni-Syndrom

Das seltene Krebsprädispositionssyndrom zeichnet sich durch frühes und gehäuftes Auftreten der Krankheit aus. Bis zum 18. Lebensjahr erkranken bereits 41 Prozent der Menschen mit dem Gendefekt an Krebs. Im Alter von 70 Jahren ist es schon fast jeder.

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Krebs: Drei tote Familienmitglieder in wenigen Jahren

Das Schicksal von Stefanie Ewald aus Hamberge in Schleswig-Holstein bewegt mehr als 100.000 Menschen in den sozialen Medien. Die 36-Jährige hat bereits drei Familienmitglieder innerhalb weniger Jahre an den Krebs verloren. Bei Tochter Neele wurde 2014 ein bösartiger Muskeltumor aus dem Oberschenkel entfernt. Drei Jahre später erkranken Vater Sebastian an Lungenkrebs und Sohn Jonas an einem Hirntumor. Während ihr Mann im Sterben lag, bekam Stefanie selbst eine Brustkrebs-Diagnose. Nur drei Tage nach dem Tod ihres Mannes begann eine Chemotherapie. Dank zusätzlicher Brustamputation konnte sie den Krebs besiegen. Als Einzige ist die jüngste Tochter Lenja von dieser Krankheit verschont geblieben.

Das Li-Fraumeni-Synstrom, ein Gendefekt, erhöht das familiäre Krebs-Risiko.
Das Li-Fraumeni-Synstrom erhöht das familiäre Krebs-Risiko.
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Ist Krebs vererbbar? Der Defekt steckt in den geerbten Genen

Es ist kein Zufall, dass in der Familie gehäuft Krebserkrankungen auftreten. Grund ist das Li-Fraumeni-Synstrom, kurz LFS. Dieser vererbbare Gendefekt erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken. Laut Universitätsklinikum Dresden ist es „eines der aggressivsten derzeit bekannten Krebsprädispositionssyndrome“.

Statistisch ist davon auszugehen, dass etwa einer von 5.000 Menschen in Deutschland vom LFS betroffen ist. Bei 80 Millionen Einwohnern sind das 16.000 Betroffene. Von den Menschen mit LFS haben bis zum 18. Lebensjahr bereits 41 Prozent einen Tumor, bis zum 70. Lebensjahr sind es fast alle.

Es gibt typische Krebsentitäten (Krebsarten), an denen Patienten mit Li-Fraumeni-Syndrom leiden: Bei Kindern sind das Weichteilsarkome, Leukämien und Tumoren des zentralen Nervensystems. Bei Erwachsenen Brustkrebs, Knochentumoren und Lungenkrebs. Aber auch das Risiko für andere Krebsarten ist erhöht.

p53-Wächter arbeitet nicht richtig

Menschen mit LFS tragen bestimmte Veränderungen in ihrem Erbgut. Meist ist ein bestimmter Abschnitt betroffen: der Bauplan für ein Eiweiß mit dem Namen p53. Dieses Eiweiß sorgt dafür, dass geschädigtes Erbmaterial repariert wird oder zu stark geschädigte Zellen absterben. Deshalb heißt p53 auch „Wächter des Genoms“.

Fällt dieser Wächter aus, überleben geschädigte Zellen und können sich häufiger zu Krebszellen entwickeln. Patienten mit LFS benötigen regelmäßige Früherkennungs-Untersuchungen. Welche Untersuchungen am besten geeignet sind und wie häufig sie stattfinden müssen, müssen Ärzte und Wissenschaftler noch weiter erforschen. Auch die Frage, ob die Krebstherapie eine andere sein sollte als bei Nicht-LFS-Betroffenen, ist noch nicht vollständig geklärt.

Betroffene und ihre Angehörigen haben sich deshalb in der Li-Fraumeni Syndrome Association (LFSA) Deutschland zusammengeschlossen. Sie wollen die Forschung zu dieser Erkrankung fördern, Menschen mit LFS unterstützen und das Krebssyndrom insgesamt bekannter machen. „Denn gerade bei der ersten onkologischen Erkrankung weiß nur ein kleiner Teil der Patienten von seiner Genmutation“, so die LFSA Deutschland.

Stigmatisierte Krebspatienten: das Leiden von außen

Die Diagnose Krebs ist brutal und immer lebensverändernd. Doch der psychische Druck kommt nicht nur von innen. Wer Krebs hat, ist selbst dafür verantwortlich. Warum geraucht? Warum so schlechte Ernährung? Menschen wenden sich ab. Der Kranke ist stigmatisiert. Etwas, das in dieser Situation wirklich niemand braucht.

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Christoph Schlingensief: selbstbewusst, aber stigmatisiert

Der 2010 an den Folgen eines Adenokarzinoms gestorbene Regisseur, Autor und Aktionskünstler Christoph Schlingensief war nicht bekannt dafür, Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen. So polarisierte er 1997 die Öffentlichkeit, indem er auf der documenta X in Kassel mit anderen Aktivisten Tafeln mit der Aufschrift „Tötet Helmut Kohl“ präsentierte und dafür kurz hinter Gitter musste.

Als bekannt wurde, dass Christoph Schlingensief an Lungenkrebs erkrankt ist, betonte der Künstler, dass er als „Nichtraucher“ gelte, weil er sich das Rauchen abgewöhnt habe. Allein die Tatsache, dass ein öffentlich so selbstbewusst agierender Künstler wie Christoph Schlingensief, sich zu einer Rechtfertigung seines Lebensstils veranlasst sieht, macht deutlich, dass eine Stigmatisierung in einer solchen Lebenssituation nur schwer zu ertragen ist.

Schlingensief ging sogar so weit, beim Adenokarzinom von einem „Nichtraucher-Karzinom“ zu sprechen. Etwa jeder fünfte Bronchialkarzinom ist ein Adenokarzinom. Diese Bemerkung brachte ihm den Vorwurf verschiedener Nichtraucherorganisationen ein, er verharmlose das Rauchen.

Nicht wenige krebskranke Menschen verheimlichen die Diagnose deswegen so lange, bis sie offensichtlich wird – und das selbst vor Familienmitgliedern oder engen Freunden.

Stigmatisierter Krebspatient
Stigmatisierung wegen Krebs-Erkrankung ist kein Einzelfall.
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Leipziger Forscher: 80 Prozent der Krebskranken hatten Stigmatisierungserlebnisse

Internationalen Studien zufolge berichten bis zu 80 Prozent aller Krebspatienten über Stigmatisierungserlebnisse. Dazu zählen soziale Ablehnung, Isolation und verinnerlichte Schamgefühle.

Inwieweit und in welcher Form die Stigmatisierung den Patienten belastet, wollte der Soziologe PD Dr. Jochen Ernst rausfinden. So leitete er eine Studie am Uniklinikum Leipzig, „um eine Wissenslücke schließen“. In diesem Projekt wurden die Erfahrungen von Patienten vier unterschiedlicher Diagnosegruppen (Brust-, Prostata, Darm-, Lungenkrebs) untersucht und die sozialen und berufsbezogenen Auswirkungen ihrer Krebserkrankung analysiert. Dafür befragten Ernst und sein Team 600 Patienten aus Leipzig und Dresden schriftlich.

Krebs-Stigmatisierung: sozialer Rückzug und Depressionen drohen

Das Forscherteam kam zu folgendem Ergebnis: Die Probanden stuften ihren Grad der Stigmatisierung im Schnitt als „gering“ oder „mittel“ ein. Die wenigsten Punkte gab es in den Bereichen „soziale Zurückweisung“ und „internalisiertes Schamgefühl“, die meisten Punkte bei „soziale Isolation“ und „finanzielle Unsicherheit“.

Männer mit Prostatakarzinom empfanden sich am wenigsten sozial beeinträchtigt. Sie fühlten sich vor allem bei „soziale Zurückweisung“, „Isolation“, „finanzielle Unsicherheit“ und „internalisiertes Schamgefühl“ weniger beeinträchtigt als Patienten mit anderen Krebsformen.

Bei Brustkrebspatientinnen spielt der Verlust der weiblichen Identität und der sexuellen Funktionsfähigkeit eine wichtigere Rolle. Ein wichtiger Einflussfaktor ist das subjektive Körperbild. Dabei sind Ursache und Wirkung nicht einfach auseinanderzuhalten. Zum Beispiel kann Stigmatisierung zu sozialem Rückzug und depressiver Stimmung führen. Auf der anderen Seite wird ein Patient, der depressiv ist, das Verhalten seiner Umwelt vielleicht auch deutlich negativer erleben, als dies tatsächlich geschieht oder intendiert ist.

Bei Darmkrebs-Patienten ergaben sich signifikante Effekte nur in den Bereichen soziale, rollenspezifische und emotionale Funktionsfähigkeit. Prostatakarzinompatienten fühlten sich in den Bereichen physische, rollenspezifische und soziale Funktionsfähigkeit beeinträchtigt, Lungenkarzinompatienten ausschließlich in der emotionalen Funktionsfähigkeit.

Fazit: Stigmatisierung beeinträchtigt die Lebensqualität Krebskranker beträchtlich, und zwar in vielen Bereichen. Mit Gegenstrategien ließen sich wahrscheinlich dauerhafte psychologische und psychosoziale Probleme vermeiden. Das erfordere auf die Tumorentität (Klassifizierung der Krebsart) ausgerichtete Maßnahmen. Bei Patienten mit Lungenkrebs empfehlen die Forscher zum Beispiel Kampagnen gegen Stigmatisierung, bei Frauen mit Brustkrebs eher individuelle Therapieangebote, die auf die negativen Folgen der Stigmatisierung abzielen.

Insgesamt konnten die Leipziger Wissenschaftler bei der Stigmatisierung einen geschlechtsbezogenen Effekt weitgehend ausschließen. Lediglich beim Aspekt „finanzielle Unsicherheit“ gaben Männer im Schnitt einen höheren Leidensdruck an.

Krebsfolgen: sozialer Abstieg und Verarmung

Zahlreichen Patienten, die nicht mehr voll belastbar sind, droht der soziale Abstieg durch Arbeitsunfähigkeit. Für die Betroffenen wird eine Krebserkrankung zum Armutsrisiko. 78 Wochen gibt es Lohnfortzahlung und Krankengeld. Das Krankengeld beträgt 70 Prozent des Brutto- oder 90 Prozent des Netto-Einkommens. Davon werden Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung abgezogen, sodass de facto oft kaum mehr als die Hälfte des Bruttoverdienstes übrigbleibt.

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Krebs: Nach 78 Wochen droht Harz IV

Krebs ist fast immer eine chronische Krankheit. Doch nach 78 Wochen beginnt für die Jüngeren unter den Krebs-Erkrankten eine neue Zeitrechnung. Sie müssen sich entscheiden, ob sie sich und ihrem Körper den Wiedereintritt in die Berufswelt zutrauen. Kann ein Krebspatient in dieser Situation seine Erkrankung nicht als Arbeitsunfall oder Berufskrankheit anerkennen lassen, bleibt kaum eine Option zu Hartz IV.

Bislang gibt es nur wenige Studien zum Thema „Krebs und Armut“. Erste Forschungsergebnisse bestätigen aber: Das Armutsrisiko ist real. Für mindestens ein Drittel der an Krebs erkrankten Menschen ist Armut eine gelebte und bittere Realität. Besonders betroffen: Junge Patienten, Betroffene mit einem niedrigen Einkommen, Krebspatienten mit einem hohen Einkommensverlust oder mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung, Alleinstehende und Selbstständige. Rund 40 Prozent der Krebspatienten erkranken im erwerbsfähigen Alter.

Während etwa ein Drittel der Betroffenen nach der Therapie körperlich nicht mehr in der Lage ist, ihre Arbeit wiederaufzunehmen, kämpfen andere mit dem Wiedereinstieg in den Beruf.

Krebs-Patient füllt Antrag aus, weil das Krankengeld ausläuft.
Wenn das Krankengeld für den Krebs-Patienten ausläuft ….
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Krebs: Bürokratische Hürden beim Wiedereinstieg

Doch dieser Wiedereinstieg hat viele bürokratischen Hürden. Der Bürokratiedschungel“, sagt Jürgen Walther vom Sozialdienst des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg, „ist für viele Betroffene kaum zu bewältigen.“ Und die Zeit, in der Krankengeld gezahlt werde, sei für lange, aber notwendige Therapien nur kurz. Viele Betroffene würden deswegen vorschnell in die Erwerbsminderungsrente gedrängt. Die Höhe dieser Erwerbsminderungsrente hängt unter anderem von den Rentenansprüchen ab, die im Laufe des Berufslebens erreicht wurden. Im Jahr 2017 betrug die durchschnittliche volle Erwerbsminderungsrente bei Neubeziehern 716 Euro im Monat.

Bei einer sehr niedrigen Erwerbsminderungsrente kann Grundsicherung beantragt werden. Dann müssen die Betroffenen aber im Rahmen der „Restleistungsfähigkeit“ jede Tätigkeit annehmen, sofern sie arbeiten können. Einen sogenannten Berufsschutz gibt es nicht mehr.

Arbeitgeber hat Schlüsselrolle

Nicht nur finanziell spielt die Rückkehr zur Arbeit für viele jüngere Krebspatienten eine wichtige Rolle. Selbstwertgefühl, Tagesstruktur und die soziale Einbettung durch die Rückkehr zur Normalität können leichter aufrechterhalten werden – auch auf Gefahr hin, am Arbeitsplatz eine Stigmatisierung wegen der Krebserkrankung zu erleben.

Internationale Studien sind zu dem Ergebnis gekommen, dass zwischen sechs und zehn Prozent aller Krebspatienten Stigmatisierung am Arbeitsplatz wahrnehmen. Ein mehr oder weniger subtiler Druck, den Job doch besser aufzugeben. Oder gar ein offen feindseliges Arbeitsumfeld, das im schlimmsten Fall noch gekoppelt ist mit Einkommens- und Statusverlusten.

Arbeitgebern kommt deswegen eine Schlüsselposition zu. Gelingt es ihnen, die berufliche Integration von Krebspatienten zu unterstützen, können sie so diesem Stigmatisierungsmechanismen entgegenwirken. Das gilt insbesondere für Arbeitnehmer mit niedrigem sozioökonomischem Status.

FAQ

Was ist Krebs?

Entartete Zellen vermehren sich unkontrolliert und zerstören dabei gesundes Gewebe. Über Blut- und Lymphbahnen können diese malignen Zellen in den ganzen Körper streuen und Metastasen bilden.
Krebszelle: Was ist Krebs?
@iStock / Dr_Microbe

Welcher Krebs ist am gefährlichsten?

Gemessen an der 10-Jahres-Überlebensrate ist der Mesotheliom – ein seltener Weichteiltumor, der fast nur Männer im hohen Alter befällt – mit deutlich unter 10 Prozent die gefährlichste Krebsart. Gefolgt von Pankreaskrebs mit ebenfalls unter 10 Prozent, Leber- und Lungenkrebs folgen mit unter 15 Prozent.

Nicht-melanotischer Hautkrebs (heller Hautkrebs), Hodenkrebs, das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs) und Schilddrüsenkrebs haben die geringste Mortalitätsrate und damit höchste 10-Jahres-Überlebensrate (mehr als 90 Prozent). Mit mehr als 80 Prozent gehören auch Prostata- und Brustkrebs zu den Krebsentitäten mit der besten Überlebenschance.

Quelle: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Krebs_gesamt/krebs_gesamt_node.html
Mesotheliom; gefährlichster Krebs
@iStock / Marcelo Ricardo Daros

Was sind die schlimmsten 10 Krebsarten?

Die 10 Krebsarten mit der höchsten Mortalitätsrate:

– Mesotheliom
– Bauchspeicheldrüse
– Leber
– Lunge
– Zentrales Nervensystem
– Gallenblase und Gallenwege
– Speiseröhre
– Magen
– Eierstöcke
– Multiples Myelom

Quelle: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Krebs_gesamt/krebs_gesamt_node.html
Krebsarten; Lungenkrebs
@iStock / da-kuk

Krebstod-Verlauf: Wie tödlich ist Krebs?

Ob eine Krebserkrankung tödlich verläuft, hängt entscheidend von der Art des Krebses und dem Zeitpunkt seiner Entdeckung ab. Grundsätzlich gilt: Je früher ein Tumor entdeckt wird, umso höher ist die Heilungschance. Weil einige Tumoren, wie z. B. Pankreas- oder Bauchspeicheldrüsen oft lange symptomlos verlaufen, werden sie oft erst spät oder nur per Zufall entdeckt. Oft haben sich dann schon Metastasen gebildet (die eine Heilung deutlich erschweren), oder der Krebs kann aufgrund seiner schwierigen Position schlecht entfernt werden.
Prostatakrebs, der erst im Alter jenseits der 70 entdeckt wird, nicht sehr aggressiv und die Vorsteherdrüse noch nicht verlassen hat, verläuft in weniger als einem Prozent der Fälle tödlich. Krebstod Verlauf
@iStock / Design Cells

Was für eine Krankheit ist Krebs?

Krebs ist eine bösartige Störung des Zellwachstum. In der Medizin wird das als Neoplasie oder Malignom bezeichnet. Weil die mutierten Zellen sich den Wachstumssignalen entziehen, vermehren sie sich unkontrolliert und zerstören dabei gesundes Gewebe.

Besonders heimtückisch ist die Krankheit, weil Krebszellen sich vor dem Immunsystem tarnen und deswegen ungestört weiterwachsen können. Eine Selbstheilung des Körpers ist deswegen fast ausgeschlossen.

Darüber hinaus hat jeder einzelne Geschwulst – Tumoren werden in der Medizin nicht als Geschwür bezeichnet – eine ganz individuelle Genetik, die bei keinem Menschen gleich ist. Das macht ihre Behandlung so schwer.
Krankheit Krebs
@iStock / howtogoto

Wie wird Krebs behandelt?

Krebs wird heute praktisch immer mit einer Kombitherapie aus verschiedenen Modulen behandelt. Die drei klassischen Säulen einer Krebsbehandlung sind:

– Operation
– Chemotherapie
– Bestrahlung

Bei der Operation wird das bösartige Gewebe chirurgisch entfernt. Oft wird vor dem Eingriff versucht, den Tumor mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung zu verkleinern. Ist der Tumor schon sehr groß, kann es sinnvoll sein, wenn der operative Eingriff vor weiteren Therapie-Modulen erfolgt.

Kaum eine andere Fachrichtung der Medizin erlebt mehr Innovationen als die Onkologie. Moderne Therapien arbeiten wie beim Brustkrebs mit Hormonen. Große Hoffnungen setzt die Krebsforschung auf immer präzisere Immuntherapien (z. B. Car-T-Zellen-Therapie), die alle im Grunde darauf basieren, die getarnten Krebszellen für das Immunsystem sichtbar zu machen. Behandlung Krebs; Bestrahlung
@iStock / FatCamera

Was ist die schlimmste Art von Krebs?

Wird Pankreas- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert, ist das fast immer m mit einer sehr schlechten Prognose verbunden, weil der Krebs schon weit fortgeschritten ist. Abgesehen vom Mesotheliom, einem seltenen Weichteiltumor, haben Menschen mit Pankreaskarzinomen mit etwa neun Prozent die schlechteste 10-Jahre-Überlebensrate der weit verbreiteten Krebsarten.

Als eine der aggressivsten Krebsarten gilt das Glioblastom. Etwa 2.500 Menschen jährlich erkranken in Deutschland an diesem Hirntumor. Glioblastome wachsen rasend schnell, verdoppeln sich im Schnitt alle 50 Tage. Glioblastome habe nur eine 5-Jahres-Überlebensrate von etwa 5 Prozent. Die meisten Patienten sterben im Schnitt 15 Monate nach der Diagnose.

Quelle: https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/krebs-die-5-aggressivsten-arten-und-wie-sie-ihr-risiko-fast-halbieren-koennen_id_11228080.html
schlimmster Krebs; Glioblastom
@iStock / Tonpor Kasa

Wie sieht Krebs aus?

Der Name Krebs geht auf den antiken griechischen Arzt und Lehrer Hippokrates zurück. Er hatte bei Brusttumoren seiner Patienten eine entfernte Ähnlichkeit mit Krebsbeinen entdeckt, sowohl wie sie sich ausbreiteten, aber auch, weil Geschwülste im Vergleich zum umliegenden Gewebe relativ hart sind. Damit gab er der Krankheit den Namen: Karkinos – Krebs.
Krebs muss aber nicht aussehen wie Meeresfrüchte. Entscheidend ist, wo sich die Krebsgeschwulste bilden und in welchem Entwicklungsstadium sie sind. Auffallend ist aber, dass sich maligne Tumore fast immer durch eine unruhige Struktur auszeichnen.
Aussehen Krebs
@iStock / koto_feja

Warum ist Krebs so gefährlich?

Krebs hat zwei Eigenschaften, die ihn für den Körper unkontrollierbar machen:

1. Krebs wächst ohne Limit und ohne auf natürliche Wachstumssignale zu reagieren. Dabei zerstört er gesundes Gewebe.
2. Krebs ist für das Immunsystem unsichtbar. Deswegen werden Krebszellen nicht attackiert.

Eine Selbstheilung des Körpers ist deswegen so gut wie ausgeschlossen. Warum ist Krebs so gefährlich?
@iStock / Design Cells

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, Krebs zu überleben?

Das hängt maßgeblich von zwei Faktoren ab:

1. In welchem Entwicklungsstadium wurde der Krebs entdeckt?
2. Welche Art von Krebs wurde diagnostiziert?

Die besten 10-Jahres-Überlebensraten haben heller Hautkrebs (nicht-melanotischer Hautkrebs), Hodenkrebs, das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs) und Schilddrüsenkrebs: mehr als 90 Prozent.

Prostatakrebs und Brustkrebs gehören mit mehr als 80 Prozent ebenfalls noch zu Krebsarten mit guter Prognose.
Gebärmutter, Niere, Harnblase und Non-Hodgkin-Lymphome liegen zwischen 60 und 80 Prozent. Zwischen 40 und 60 Prozent sind es bei Darmkrebs, Leukämien und Harnblasenkrebs. Tumoren von Eierstöcken, Magen und Speiseröhre haben mit 20 bis 40 Prozent eine deutlich schlechtere Prognose. Bei Lunge, Leber und Bauchspeicheldrüse liegt sie sogar unter 20 Prozent.

Quelle: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Krebs_gesamt/krebs_gesamt_node.html
Überlebensrate Krebs
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Wie kommt es zu Krebs?

Krebs kann ganz verschiedene Ursachen haben, entscheidend ist, sie haben dazu geführt, dass Zellen mutieren und sich unkontrolliert teilen.

Mutationen entstehen unter anderem ganz natürlich als Alterungsprozesse, weswegen die Krebsanfälligkeit im hohen Alter deutlich steigt. Auslöser können aber auch äußere Umweltgifte wie Alkohol, Nikotin, Zucker, Junkfood, Industrie-Emissionen sein.
Ursachen Krebs
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Wann gilt Brustkrebs als geheilt?

Die Medizin geht sehr vorsichtig mit dem Wort Heilung in Zusammenhang mit allen Krebsarten um, spricht lieber von einer chronischen Krankheit. Grundsätzlich gilt – und besonders für das Mammakarzinom: Gab es nach zehn Jahren keinen Rückfall, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass noch Rezidive entstehen.
Brustkrebs geheilt
@iStock / Cecilie_Arcurs

Ist Krebs heilbar? Kann man Krebs heilen?

Die Medizin spricht bei Krebs von einer chronischen Krankheit, die Patienten ein Leben lang begleitet. Patienten gelten aber als geheilt, wenn fünf Jahre nach der Therapie keine Rezidive aufgetreten sind. Das sind in Deutschland zurzeit etwa vier Millionen Menschen.

Immer neue Therapien und Therapieansätze und eine präzisere Diagnostik in der modernen Onkologie verbessern die Überlebenschancen von Krebspatienten deutlich. Trotzdem kann eine Krebsbehandlung auch dauerhafte Gesundheitsfolgen haben.

Quelle: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/leben-mit-krebs/alltag-mit-krebs/langzeitueberleben-nach-krebs-wie-lange-ist-ein-k.html
Krebs heilbar
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Was gibt es Neues gegen Krebs?

Generell gilt CBD als sicher uEs gibt jedes Jahr neue Therapieansätze. Große Hoffnung setzt die onkologische Forschung auf neuartige Immuntherapien, wie die 2018 neu zugelassene Car-T-Zellen-Therapie. Sie zielen alle darauf ab, die bösartigen Zellen für das Immunsystem sichtbar zu machen. Damit will die Medizin das erreichen, was der menschliche Körper bisher nicht kann: Krebs aus eigener Kraft in die Schranken zu weisen. Sollte das gelingen, wäre das Immunsystem nach der Therapie dazu in der Lage, alle Krebszellen im Körper aufzuspüren und die entsprechenden Maßnahmen einzuleiten.

Aktuell erforscht wird unter anderem die Wirkung einer mRNA-Vakzinierung gegen Krebs, die ähnlich funktioniert wie die Corona-Impfung, allerdings für jeden Patienten individuell hergestellt werden muss.
Neues gegen Krebs; CBD
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Wie lange kann man mit unbehandeltem Krebs leben?

Die Lebenserwartung hängt entscheidend von der Art des Tumors und natürlich vom Lebensalter des Patienten ab. Eine akute lymphatische Leukämie (ALL), an der hauptsächlich Kinder erkranken, kann unbehandelt innerhalb von wenigen Wochen zum Tod führen.

Im höheren Alter entdeckter Prostatakrebs bei Männern dagegen muss nicht zwingend behandelt, sollte aber regelmäßig kontrolliert werden.

Quelle: https://www.kompetenznetz-leukaemie.de/content/patienten/leukaemien/all/
Unbehandelter Krebs
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Welche Krebsarten sind heilbar?

Die Medizin spricht bei Krebs von einer chronischen Krankheit, die Patienten ein Leben lang begleitet. Patienten gelten aber als geheilt, wenn fünf Jahre nach der Therapie keine Rezidive aufgetreten sind. Das sind in Deutschland zurzeit etwa vier Millionen Menschen.

Immer neue Therapien und Therapieansätze und eine präzisere Diagnostik in der modernen Onkologie verbessern die Überlebenschancen von Krebspatienten deutlich. Trotzdem kann eine Krebsbehandlung auch dauerhafte Gesundheitsfolgen haben.

Quelle: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/leben-mit-krebs/alltag-mit-krebs/langzeitueberleben-nach-krebs-wie-lange-ist-ein-k.html
Krebsarten heilbar
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Was bedeutet Knochenkrebs-Endstadium?

Der Verlauf einer Knochenkrebs-Erkrankung wird in vier Krebs-Stadien unterteilt. Im Knochenkrebs-Endstadium (Stadium IV) sind wir in Stufe III jeglicher Grad der Bösartigkeit und jede Tumorgröße möglich. Bei der Metastasierung wird unterschieden in:

• Stadium IV: Möglicher Befall der Lymphknoten und Metastasen außerhalb der Lunge.
• Stadium IVA: Lymphknoten sind nicht befallen, aber Metastasen in der Lunge.
• Stadium IVB: Lymphknoten in der Nähe des Tumors sind betroffen. Außerdem gibt es Metastasen in der Lunge und / oder anderen Organen.

Knochenkrebs Endstadium
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Was löst Krebs aus?

Der Knackpunkt ist das Erbgut. In den Trägern der Erbanlagen, den Genen, sind irreparable Schäden entstanden. Betroffen sind drei Gen-Gruppen:

– Onkogene
– Tumorsuppressor-Gene
– Reparaturgene

In gesunden Zellen funktioniert das so: Die Onkogene unterstützen das Wachstum der Zelle, die Tumorsuppressor-Gene verhindern es. Kommt es zu Problemen durch Mutationen, greifen die Reparaturgene ein und beheben den Schaden. Dieser Mechanismus ist beim Krebs gestört. Die Zellen wachsen ungebremst.
Die Gründe für die gefährlichen Mutationen sind in der Mehrzahl exogener Natur, das heißt sie kommen von außen. Zigaretten, Alkohol, Zucker, starkes Sonnenlicht oder Infektionen mit Krankheitserregern wie humanen Papillomaviren.

Quelle: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/wie-krebs-entsteht.html
Auslöser Krebs; Tumorsuppressor
@iStock / elvanegra

Was sind die Anzeichen für Leberkrebs im Endstadium?

In frühen Stadien der Erkrankung macht Leberkrebs nur wenige bis gar keine Beschwerden. Doch im weiteren Verlauf der Krebserkrankung die eingeschränkte bis hin zur verlorenen Funktion der Leber das größte Problem. Kann die Leber keine lebenswichtigen Stoffwechselprodukte mehr liefern und den Körper durch Ausscheidung aller Abfallprodukte nicht mehr entgiften, kommt es zu deutlichen Symptomen:

• Wasser im Bauch / Bauchumfangszunahme
• juckende oder brennende Haut
• Gewichtsverlust
• Appetitlosigkeit
• Druckschmerz im rechten Oberbauch
• Gelbfärbung der Haut
Anzeichen Leberkrebs Endstadium
@iStock / peterschreiber.media

Was gibt es für Krebstherapien?

Die wichtigsten Krebstherapien:

– Operation bei Krebs
– Strahlentherapie bei Krebs
– Chemotherapie
– zielgerichtete Krebstherapien (targeted therapies)
– Stammzelltransplantation
– Hyperthermie-Behandlung bei Krebs
– Komplementäre Therapie bei Krebs
– Immunonkologie

Quelle: https://www.krebsgesellschaft.de/basis-informationen-krebs/therapieformen.html
Krebstherapien
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Was sind die Folgen einer Krebstherapie?

Krebsüberlebende klagen am häufigsten über:

– Erschöpfung
– Schmerzen
– Schlafstörungen
– Ängste
– Sorgen
– Bewegungseinschränkungen
– Polyneuropathie (PNP)

Unterschieden wird zwischen Langzeitfolgen und Spätfolgen. Während Langzeitfolgen fortwährend seit Ende der Therapie andauern (z. B. Polyneuropathie, Fatigue, Erkrankungen des Verdauungstraktes, eingeschränkte Körperfunktionalität durch Amputationen, kognitive Einschränkungen á la Chemobrain), treten Spätfolgen oft erst mit jahrelanger Verzögerung auf. Beispiele für Krebsspätfolgen sind Herzkrankheiten und strahlenbedingte Knochenbrüche.

Quelle: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/leben-mit-krebs/alltag-mit-krebs/langzeitueberleben-nach-krebs-wie-lange-ist-ein-k.html
Folgen Krebstherapie
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Was genau passiert bei einer Chemotherapie?

Bei einer Chemotherapie werden dem Patienten Medikamente verabreicht, die Zellwachstum und Zellteilung verhindern sollen. Diese Arzneimittel werden als Zytostatika bezeichnet, was so viel wie Zell-Hemmer bedeutet. Zytostatika sind Zellgifte, die so designt wurden, dass sie speziell sich schnell teilende, also schnell wachsende Zellen angreifen. Krebszellen wachsen sehr schnell.

Weil Chemotherapeutika sich im ganzen Körper verteilen, ist es eine systemische Therapie. So werden im Idealfall auch mutierte Zellen gestoppt, die gestreut wurden. Weil Zytostatika auch andere schnell wachsende Zellen attackieren, sind fast immer auch Haarwurzeln betroffen.

Eine regionale oder lokale Chemotherapie wird zum Beispiel bei der Spülung einer Körperhöhle mit einem Zell-Hemmer eingesetzt. Bei Hauttumoren kann das Zellgift lokal über eine Salbe verabreicht werden.

Quelle: https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/chemotherapie/durchfuehrung.php
Chemotherapie
@iStock / fluxfoto

Warum heißt Krebs Krebs?

Hippokrates (460 bis 370 v. Chr.), der berühmteste Arzt der Antike und Gottvater der Medizin nannte die rätselhaften Geschwulste Karkinos. Das ist das griechische Wort für Krebs. Die Bezeichnung rührt daher, dass sich gerade Brusttumoren ausdehnen wie die Beine eines Krebses.
Krebs Name
@iStock / luismmolina

Wie entsteht Krebs?

Bösartige Geschwulste sind das Ergebnis einer Mutation in den Genen von Zellen. Maligne Zellen können ihr Wachstum nicht mehr regulieren und teilen sich unkontrolliert.
Entstehung Krebs
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Wohin kann Krebs streuen und was sind Metastasen?

Krebszellen nutzen im Körper zwei Verbreitungswege:

– Lymphogene Metastasierung (über die Lymphbahnen)
– Hämatogene Metastasierung (über das Blut)

Finden die malignen Zellen an anderer Stelle des Körpers geeignete Wachstumsbedingungen, kann so ein sekundärer Tumor, eine Metastase entstehen. Sind die Bedingungen nicht geeignet, sterben die Tumorzellen ab.
Metastasen bilden sich besonders häufig in der Lunge, der Leber und den Knochen. Bei den Knochen besonders betroffen: Wirbelsäule, Becken, Oberschenkel und Oberarme, Rippen und Schädel.

Hände, Füße, Herz, Milz und Nieren sind dagegen fast nie von Metastasen befallen.
Krebs streuen; Metastasen
@iStock / imaginima

Welche Krebsarten gibt es?

Etwa 300 verschiedene Krebsarten (Entitäten) sind bekannt. Die Begriffe Krebs, Tumor und Geschwulst (nicht Geschwür) sind Oberbegriffe für alle Krebserkrankungen. Bei den bösartigen Tumoren unterscheidet die Medizin zwischen Karzinomen, Sarkomen und Blastomen.

Karzinome sind die häufigste Krebsart. 80 Prozent der Krebskranken in Deutschland haben ein Karzinom. Karzinome entstehen im Deckgewebe der Haut, der Schleimhaut und des Drüsengewebes. Lungenkrebs heißt medizinisch deswegen zum Beispiel auch Bronchialkarzinom.

Fettgewebe, Sehnen, Muskeln, Knochen oder Knorpel sind der Entstehungsort von Sarkomen. Knochenkrebs heißt zum Beispiel medizinisch korrekt Osteosarkom.

Bei der Gewebe- und Organentwicklung eines Menschen können Zellen zu Blastomen mutieren. Wann diese bösartigen Zellen zu einem Problem werden, hängt von der Art des Blastoms ab. Neuroblastime sind zum Beispiel eine Krebsart, die hauptsächlich bei Kindern auftritt.

Quelle: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/krebs-tumor-metastasen-definition.php
Krebsarten; Kazinom
@iStock / DivVector

Wie wirkt sich Krebs auf die Psyche aus?

Krebsdiagnosen lösen bei fast allen Betroffenen eine existenzielle Lebenskrise aus. Es gibt aber keine wissenschaftlich einheitliche Antwort auf die Frage, welchen Einfluss die Krankheit auf die Psyche hat. Viele Krebspatienten fragen sich „Warum ich?“. Rückt diese Frage in den Mittelpunkt des Denkens, kann sie zu Depressionen führen. Lebenswille und -mut brechen.

Quelle: https://www.uniklinikum-leipzig.de/einrichtungen/frauenheilkunde/Freigegebene%20Dokumente/Patientenseminar_Brustzentrum_06%2002%2019_Peuker.pdf
Krebs Auswirkung Psyche
@iStock / ljubaphoto

Kann man durch psychischen Stress Krebs bekommen?

Ergebnis einer repräsentiven Umfrage: 61 Prozent der Deutschen glauben, dass Krebs durch psychischen Stress verursacht werden kann. Die Wissenschaft geht allerdings davon aus, dass es keinen Zusammenhang zwischen psychosozialen Faktoren und der Entstehung von Krebs gibt. Aber eine psychische Belastungssituation kann Gesundheitsverhalten und den Lebensstil (wenig Sport, Alkohol, Nikotin) negativ beeinflussen. Das wiederum ist relevant für die Entstehung von Krebs.

Quelle: https://www.uniklinikum-leipzig.de/einrichtungen/frauenheilkunde/Freigegebene%20Dokumente/Patientenseminar_Brustzentrum_06%2002%2019_Peuker.pdf
psychischer Stress Auslöser Krebs
@iStock / PeopleImages

Wie verändert Krebs den Menschen?

Aufgrund der Schwere der Krankheit kann eine Krebserkrankung tiefgreifende körperliche und psychische Auswirkungen auf den Menschen haben. Die erste gravierende Belastung ist die Krebsdiagnose, die das Urvertrauen an den eigenen Körper schwer belasten und Depressionen verursachen kann.

Die eigentliche Krebstherapie kann den Körper ebenfalls nachhaltig in Mitleidenschaft ziehen. So sterben bei einer Chemotherapie häufig auch unwiederbringlich die Nervenenden in den Füßen (Polyneuropathie oder kurz PN). Andere Veränderungen entstehen durch Amputationen, geschädigte Organe etc.
Depressionen; Krebs Auswirkungen
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Wie viele Krebsarten gibt es?

Bekannt sind etwa 300 verschiedene Krebsarten, von den die weitaus meisten aber zu den seltenen Krankheiten gehören. Bösartigen Krebsentitäten werden, je nach Entstehungsgeschichte, in drei Gruppen aufgeteilt. Die Karzinome sind mit 80 Prozent Anteil die größte Gruppe unter den Tumoren. Sie entstehen im Deckgewebe der Haut, in der Schleimhaut und im Drüsengewebe. Sarkome wachsen in Fettgewebe, Sehnen, Muskeln, Knochen oder Knorpel. Blastome sind Tumoren, die bei der Entwicklung des Gewebes und der Organe enstehen. Neben bösartigen oder malignen Tumoren gibt es auch gutartige (benigne) Krebsgeschwulste.
Krebsarten
@iStock / DStarky

Welche Krebsarten treten am häufigsten auf?

Die häufigsten Krebsarten bei Männern (Neuerkrankungen pro Jahr):

1.    Prostatakrebs 65.200 (10-Jahrestendenz: + 2,8 %)
2.    Lungenkrebs 35.290 (+ 3,9 %)
3.    Darmkrebs 33.920 (– 4 %)
4.    Harnblasenkrebs 13.500 (+ 4,8 %)
5.    Malignes Melanom der Haut 12.010 (+ 34,8 %)
6.    Non-Hodgkin-Lymphome 10.190 (+ 40,2 %)
7.    Pankreaskrebs 9.860 (+ 33,4 %)
8.    Krebs von Mundhöhle und Rachen 9.820 (+ 3,2 %)
9.    Nierenkrebs 9.350 (+ 4,4 %)
10. Magenkrebs 9.200 (– 0,1 %)
11. Leukämien 6.870 (+ 8,4 %)
12. Speiseröhrenkrebs 5.710 (+ 19 %)
13. Hodenkrebs 4.160 (+ 4,8 %)
14. Kehlkopfkrebs 2.770 (– 23,3 %)
15. Schilddrüsenkrebs 1.930 (+ 12,9 %)
 
Die häufigsten Krebsarten bei Frauen (Neuerkrankungen pro Jahr):

1.    Brustkrebs 69.900 (10-Jahrestendenz: – 2,5 %)
2.    Darmkrebs 25.710 (– 14,4 %)
3.    Lungenkrebs 21.930 (+ 40,8 %)
4.    Malignes Melanom der Haut 10.880 (+ 22,4 %)
5.    Gebärmutterkörperkrebs 10.860 (– 3,7 %)
6.    Pankreaskrebs 9.160 (+ 21 %)
7.    Non-Hodgkin-Lymphome 8.280 (+ 28,8 %)
8.    Eierstock- und Eileiterkrebs 7.300 (– 6,3 %)
9.    Magenkrebs 5.560 (– 16,5 %)
10. Nierenkrebs 5.480 (– 1,1 %)
11. Leukämien 5.310 (+ 4,5 %)
12. Harnblasenkrebs 4.770 (+ 5,8 %)
13. Krebs von Mundhöhle und Rachen 4.490 (+ 28,7 %)
14. Gebärmutterhalskrebs 4.320 (– 11,5 %)
15. Schilddrüsenkrebs 4.270 (+ 2,6 %)
Lungenkrebs; häufigste Krebsarten
@iStock / SciePro

Gibt es sichere Krebs-Anzeichen?

Krebs kann an vielen Stellen im menschlichen Körper auftreten und dabei völlig unterschiedliche Symptome entwickeln. Einige – auch häufige Krebsarten wie zum Beispiel Pankreaskrebs – verursachen dagegen bis wenige Monate vor dem Tod überhaupt keine Krebs-Anzeichen.
Anzeichen Krebs; Symptome
@iStock / Anchiy

Was bewirkt medizinisches Cannabis bei Krebs?

Medizinisches Cannabis wird in der Krebsmedizin eingesetzt, um Nebenwirkungen einer Krebstherapie abzumildern. Zum Einsatz kommt medizinisches Cannabis in der Onkologie hauptsächlich als:

Antiemetikum u003e Verhindert Übelkeit und Erbrechen. Beides eine häufige Nebenwirkung bei Chemotherapien.

Appetitanreger u003e Das „Heißhunger-Hormon“ Ghrelin kann bei einer Chemotherapie unterdrückt werden. Dadurch wird das Hungergefühl unterdrückt. Die Wirkstoffe von medizinischem Cannabis sind in der Lage, direkt die entsprechenden Rezeptoren des Gehirns zu besetzen und sogar das Sättigungshormon Leptin fernzuhalten.

Durchfall-Stopper u003e Durchfall gehört zu den häufigsten Nebenwirkungen vieler Krebstherapien wie Chemo- und Strahlentherapie, kann aber auch ein Symptom verschiedener Krebsentitäten wie Lymphome, Darmkrebs und Pankreaskrebs sein. Medizinisches Cannabis hat in medizinischen Studien eine positive Wirkung auf den Verdauungstrakt gezeigt, denn im gesamten Verdauungstrakt gibt es viele Cannabinoid-Rezeptoren. Diese könnten durch THC und CBD aktiviert werden und entzündungshemmend wirken. Vor allem die CB1-Rezeptoren könnten eine wichtige Rolle spielen.

Antidepressivum u003e CBD-haltige Präparate haben einen stimmungsaufhellenden Effekt. Das kann Angstzuständen, Panikattacken oder anderen psychischen Belastungen gegensteuern. Die Laune des Betroffenen wird gehoben, Stress verringert und selbst die Schlafqualität verbessert. Aber: Auch wenn medizinisches Cannabis zwar kurzfristig die Stimmung aufhellen kann, muss das nicht von Dauer sein. Eine engmaschige ärztliche Begleitung ist deswegen unumgänglich.

Schmerzmittel u003e Krebs im finalen Stadium kann sehr starke Schmerzen verursachen. Hier kann Betroffenen mit starken Morphiumgaben gut geholfen werden. Weil Morphium aber sehr schnell abhängig macht, kann medizinisches Cannabis, das nicht abhängig macht, eine gute Alternative sein, wenn die Schmerzen noch nicht so stark sind.

Medizinisches Cannabis als Krebsmedikament u003e Bei der Therapie von Nebenwirkungen kann medizinisches Cannabis eine wichtige Rolle spielen. Medizinisches Cannabis als Krebs-Medikament, also als Arznei, die direkt bösartige Zellen angreift, ist nicht in Sicht. Es gibt auch keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit.
Medizinisches Cannabis
@iStock / greenleaf123

Kann man mit Cannabis Krebs heilen?

Klares Nein. Es existiert keine einzige belastbare Studie, die eine heilende Wirkung von medizinischem Cannabis bei Krebserkrankungen belegt. Die Forschungs-Aktivitäten zu dieser Frage sind allerdings auch nicht unbedingt ehrgeizig. Ein Ansatz ist zu untersuchen, ob medizinisches Cannabis durch Belegung verschiedener Rezeptoren ein Tumorwachstum stoppen könnte.
Cannabis; Krebs heilen
@iStock / janiecbros

Inwieweit hilft Cannabis bei Schmerztherapien?

Medizinisches Cannabis wirkt gut belegbar gegen neuropathische Schmerzen. Das sind Schmerzen, die im Nervensystem selbst entstehen. Im Gegensatz dazu stehen nozizeptive Schmerzen, die vom Nervensystem „nur“ ans Gehirn weitergeleitet werden. Medizinisches Cannabis hat sich gut in der Behandlung von leichteren Schmerzen bewährt und kann deswegen auch unter ärztlicher Kontrolle bei durch Krebs verursachten Schmerzen eingesetzt werden.
Cannabis Schmerztherapie
@iStock / Esther Kelleter


Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zu einem Gesundheitsthema und dient somit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls einen Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen unsere Redakteure nicht beantworten.

Bildquelle Titelbild: ©iStock.com / Mohammed Haneefa Nizamudeen

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