Was ist eine Cannabispflanze?

Die Cannabispflanze ist eine einjährige, zweihäusig getrenntgeschlechtliche Pflanze, die ursprünglich aus Zentralasien stammt. Wissenschaftlich wird sie Cannabis Sativa L. genannt. „Cannabis“ geht auf das griechische Wort kánnabis (Hanf) zurück. Die Cannabispflanze gehört zur botanischen Gattung der Hanfgewächse (Cannabaceae).

Cannabispflanzen und Menschen haben eine lange gemeinsame Verbindung. Neben dem Einsatz als Nutzhanf wurde die Cannabis-Wirkung bei der Anwendung gegen körperliche Beschwerden als Heilpflanze schon im alten China erkannt und geschätzt. Medizinalhanf hat sich vor allem in der Schmerzbehandlung bewährt und seinen Platz neben anderen Schmerzmitteln bekommen.

Bei der Züchtung von Cannabispflanzen ist der Fokus ganz auf reiche Ernte von qualitativ hochwertigen, weiblichen Cannabis-Blüten gerichtet. Befürworter von medizinischem Cannabis und Freizeitkonsumenten (Kiffer) drängen schon seit Jahren auf eine Legalisierung von Cannabis. Noch ist sie nicht erfolgt (Stand Dezember 2022).

Der Leumund der Cannabispflanze ist in großen Teilen der Öffentlichkeit noch immer nicht der beste. Häufig wird sie ausschließlich als Rauschgift eingeordnet. Marihuana, Haschisch, Weed oder Gras – viele Namen für eine Droge. Das war nicht immer so. Hanf (lateinisch Cannabis) lieferte als schnell nachwachsende Nutzpflanze Jahrtausende vor seiner Kriminalisierung nicht nur Heil- und Nahrungsmittel, sondern auch ganz praktische Dinge wie den Rohstoff für Bekleidung und Seile.

Inzwischen gibt es eine Neubesinnung nicht nur in der Medizin. THC-freies Cannabis für Seile oder Bekleidung wird in ganz Europa angebaut. Spitzenreiter ist Frankreich mit einer Anbaufläche von 18.300 Hektar. In Deutschland sind es 4.600 Hektar. Bekleidung aus Hanf hat gegenüber Baumwolle mehrere Vorzüge: Sie nimmt zum Beispiel Feuchtigkeit dreimal besser auf und trocknet auch dreimal so schnell. Allerdings ist die Hanfverarbeitung aufwändiger als die von Baumwolle.

Der Weg zurück in die Medizin war steiniger, denn streng-wissenschaftliche Studien, die einen therapeutischen Nutzen von Medizinalcannabis belastbar beweisen, sind aufwändig und deswegen teuer. Das rechnet sich für die Pharmaindustrie nur, wenn sie anschließend mit einem patentfähigen Wirkstoff die Kosten wieder reinholen kann. THC und CBD sind Naturprodukte und können deswegen rechtlich nicht geschützt werden. Keine gute Motivation für die Industrie, hier Geld in die Forschung zu investieren.

Cannabispflanze: Cannabis als fester Bestandteil in der Medizin

Cannabispflanze: Cannabis kann auf Rezept verschrieben werden.
Tropfen und Blüten: Cannabis hat Einzug in die heilende Medizin gefunden.

Medizinisches Cannabis wird aus den Sorten Cannabis Sativa und Cannabis Indica, sowie Hybriden aus beiden gewonnen. Interessant für medizinische Anwendungen und den Recreational-Sektor (kiffen) ist ausschließlich die weibliche Pflanze. Nur sie produziert die relevanten Cannabinoide THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol). Die männlichen Pflanzen eignen sich nur für Hanf-Bekleidung und Hanf-Seile. Eine Sondererlaubnis für den Anbau von Nutzhanf benötigen Hanf-Landwirte trotzdem.

Unabhängig von einer allgemeinen Cannabis-Legalisierung, kann Medizinalcannabis in Deutschland seit 2017 von Ärzten zu therapeutischen Zwecken mit einem BtM-Rezept verschrieben werden. Dafür können Ärzte unter verschiedenen Darreichungsformen wählen. Meistens sind es Cannabisblüten oder THC-Extrakte, die international unter der Bezeichnung Dronabinol gehandelt werden.

Große Verwirrung gibt es auf dem Markt mit CBD-Produkten. CBD wird nicht als Betäubungsmittel eingestuft, aber Cannabisblüten und CBD-Öle, die viel CBD und praktisch gar kein THC enthalten, sind trotzdem rezeptpflichtige Medikamente. Als Inhaltsstoff in Kosmetik-Produkten ist CBD frei verkäuflich. CBD in Nahrungsmitteln ist in Europa verboten, weil diese Produkte in der EU als „Novel Food“ laufen. Für neuartige Lebensmittel ist in der EU eine Zulassung erforderlich. Die gibt es aber nicht für CBD-haltige Lebensmittel. Das gilt übrigens auch für CBD-Gummibärchen. Produkte, die Teile der Hanfpflanze enthalten (Blüte, Hanfblatt etc., ausgenommen Hanfsamen) fallen unter das Betäubungsmittelgesetz, zum Beispiel Hanftee.

CBG-Ölen (Cannabigerol), die wie CBD keine psychoaktiven Eigenschaften haben, wird eine gute Wirksamkeit bei Stressabbau, Schlaf- und Hautproblemen attestiert. CBG wird ebenfalls aus EU-zertifiziertem Nutzhanf gewonnen.

Cannabispflanzen: Ihre Bedeutung heute

Cannabispflanzen und Ihre Bedeutung
Schnell wachsender Rohstoff für Phytoparmaka und und Hanffasern: Cannabispflanzen.

Cannabispflanzen haben in der Wahrnehmung von großen Bevölkerungsteilen heute eine andere Bedeutung als noch vor wenigen Jahren. Dazu beigetragen hat neben der Freigabe als medizinisches Cannabis für therapeutische Zwecke auf Rezept, sicher auch der Umstand, dass die Hanfpflanze als nachhaltiger Bio-Rohstoff neu entdeckt wurde. Hanf ist nicht mehr gleich Rauschgift. Hanf ist auch eine Chance für die ökologische Landwirtschaft. Denn: Hanf braucht weder Pestizide, noch Dünger. Hanf benötigt 80 Prozent weniger Wasser als Baumwolle und gehört zu den am schnellsten wachsenden Pflanzen überhaupt. Das ist noch nicht alles: Hanf entzieht dem Boden keine Nährstoffe, sondern füttert ihn damit.

Bekleidung, gefertigt aus Hanffasern, ist eine Alternative zu Baumwolle oder Kunstfasern. Hanf-Bekleidung ist relativ teuer, weil die Verarbeitung der Pflanzenteile aufwändiger ist als bei Baumwolle oder synthetischen Materialien. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Tuch aus Hanf war robust genug, um vor Beginn der Dampfschifffahrt daraus Segel und Schiffstaue zu fertigen. Es ist fein genug für jede Form von komfortablen Kleidungsstücken. Darüber hinaus ist der Stoff sehr robust und langlebig.

Wie viele andere Phytopharmaka oder Phytotherapeutika, also Arzneimittel auf pflanzlicher Basis, geriet Cannabis als Medikament durch den Siegeszug der chemischen Pharmaindustrie zunehmend in Vergessenheit. Die spätere Kriminalisierung als Hippiedroge erschwerte die Rückkehr zu einem sachlichen Umgang mit Marihuana. Erst die Zurück-zur-Natur-Grundstimmung der vergangenen Jahrzehnte ermöglichte eine Renaissance der Hanf-Pflanze. Heute ist Medizinalcannabis eine anerkannte Therapieoption unter anderem in der Schmerzbehandlung und bei Epilepsie.

Auch in Sachen Rauschgift gibt es eine Neuorientierung, das zeigt nicht nur die Legalisierungsdebatte in Deutschland, sondern auch die Freigabe für den Freizeitkonsum unter anderem in Kalifornien und Kanada. In der 2019 aktualisierten „Konvention über psychotrope Stoffe“ der Weltgesunheitsorganisation WHO wurde Cannabis aus Gruppe 1 in Gruppe 4 der Liste der kontrollierten Substanzen verschoben.

In Gruppe 1 sind als besonders gefährlich eingestufte Drogen gelistet, deren Konsum ein erhebliches Gesundheitsrisiko berge und deren therapeutische Bedeutung als gering bis nutzlos betrachtet wird. Heroin gehört dazu, wie auch Crack und Koks. In Gruppe 4 tummeln sich Schmerz-, Betäubungs- und Beruhigungsmittel (Benzodiazepine), die zwar ein gewisses Abhängigkeitspotential haben, jedoch verbreitet therapeutisch genutzt werden.

Hanfanbau: Nur mit Sonderlaubnis oder Lizenz

Cannabispflanze anbauen
Streng kontrolliert: Hanfanbau in Deutschland.

Die Chinesen taten es bereits vor ca. 5.000 bis 6.000 Jahren. Sie haben die Hanfpflanze als Nutzhanf angebaut. Wer allerdings heute Hanf anbauen möchte, ganz gleich zu welchem Zweck, hat zumindest als Privatperson schlechte Karten. Denn der Anbau der Cannabispflanze ist nur unter strengen Auflagen erlaubt, etwa für landwirtschaftlich tätige Unternehmen. Wer ohne Genehmigung anbaut, macht sich in Deutschland strafbar. Verboten sind Anbau, Herstellung und Verteilung von Cannabis.

Der Anbau der Cannabispflanzen als Nutzhanf darf ausschließlich aus zertifiziertem Saatgut erfolgen, welches wiederum diversen EU-Bestimmungen entsprechen muss. Detaillierte Hinweise zum Hanfanbau erteilt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Wer demnach Nutzhanf pflanzen möchte, kann das Projekt mit der Hilfe eines Bauern angehen. Dieser muss dann sowohl Anmeldung als auch Betreuung des Feldes übernehmen.

Cannabispflanze: Marihuana auf Rezept

Cannabispflanze: Marihuana auf Rezept
Marihuana – die einzig legale Bezugsmöglichkeit ist ein Cannabis-Rezept.

Marihuana auf Rezept ist in Deutschland die einzige legale Möglichkeit, Cannabis zu erwerben. Etwa 12,5 Tonnen Marihuana erreichten 2021 auf diesem Weg den Patienten / Konsumenten. Eine überschaubare Menge im Vergleich zum Schwarzmarkt mit einem Volumen von geschätzt 200 bis 400 Tonnen. Das entspricht einem Straßenverkaufswert von zwei bis vier Milliarden Euro, bei einem Grammpreis von zehn Euro.

Im Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln (Betäubungsmittelgesetz oder noch kürzer BtMG) führt Cannabis in Deutschland als „nicht-verkehrsfähigen“ Stoff. In § 29, BtMG ist ausführlich dokumentiert, was alles im Umgang mit Cannabis verboten ist und welche Strafen drohen.

Selbst bei der medizinisch indizierten Verordnung durch einen Arzt, gibt es eine weitere Hürde, die Cannabis-Medikamente wie Dronabinol von allen anderen Medikamenten unterscheidet: Ob die Kasse zahlt, entscheidet nicht der Arzt, der sonst immer Therapiehoheit und Entscheidungsautonomie für sich beanspruchen kann. Wenn die Gesetzlichen Krankenversicherer eine Medizinalcannabis-Verordnung ablehnen – und das tun sie in etwa einem Drittel der Fälle – können die abgelehnten Patienten mit einem Privatrezept ihres Arztes, das Cannabis als Selbstzahler beziehen.

Voraussetzung für eine Kostenübernahme ist in jedem Fall eine beim Patienten vorliegende schwere Krankheit und bisher fehlgeschlagene oder nicht anwendbare Therapien als Alternativen. Zudem muss zumindest die begründete Aussicht bestehen, dass die Anwendung positive Auswirkung auf den Krankheitsverlauf oder schwerwiegende Symptome zeigt.

Cannabispflanze: Haschisch und Marihuana – der Unterschied liegt in der Verarbeitung

Haschisch ist das Harz der Cannabispflanze.
Haschisch besteht aus dem Harz der Cannabispflanze und wird meist zu Blöcken gepresst.

Haschisch und Marihuana haben die botanische Gemeinsamkeit, dass beide Cannabisprodukte Pflanzenteile der weiblichen Cannabispflanze sind. Aber was ist Haschisch eigentlich genau und wie setzt sich das Produkt zusammen? Während die teilweise harzhaltigen, getrockneten Blüten der Hanfpflanze als Marihuana bezeichnet werden, stellt Haschisch dagegen das extrahierte Harz der weiblichen Cannabispflanze dar.

Dabei besteht das Haschisch oder Hasch zu circa 80 % aus extrahierten Cannabistrichomen, die Cannabinoide wie THC (Tetrahydrocannabinol), CBD (Cannabidiol), CBG (Cannabigerol) und viele andere mehr beinhalten. Unter Haschisch-Trichomen versteht man diejenigen Pflanzenbestandteile, die den höchsten Harzgehalt besitzen – und mit bis zu 40 % auch einen großen Anteil an THC.

Wie sieht Hasch aus? Zunächst einmal ist festzuhalten, dass eine spezielle „Haschischpflanze“ nicht existiert. Ist von Haschisch die Rede, geht man stets von dem wachsartigen Produkt der Cannabispflanze aus. Dieser Extrakt wird meist zu Blöcken gepresst, woraus sich kleinere Teile, die sogenannten Pieces, abtrennen lassen. Dabei weist das wasserunlösliche Haschisch eine eher bräunliche Farbe auf.

Im Gegensatz zu Marihuana kann man bei Hasch und seiner Herstellung auf die unterschiedlichsten Verfahren zurückgreifen. Diese reichen vom Finger- und Scherenhasch über die Handroll-Methode bis hin zum Trockensieben. Übrigens: Es mag kurios anmuten, aber während der Besitz von Haschisch verboten ist, ist der Konsum dieses Cannabisproduktes nicht strafbar.

Ist Gras dieselbe Pflanze wie Marihuana?

Cannabispflanze: Marihuna und Gras
Mit Gras bezeichnet man die Pflanze, die man auch Marihuana oder Weed nennt.

Um Missverständnisse und begriffliche Irrtümer zu vermeiden: Wenn wir von der Droge Gras sprechen, dann ist mit Gras die Pflanze gemeint, die man gleichzeitig Marihuana, Weed oder auch Dope nennt. Gras als Droge hat in den USA zusätzlich die Bezeichnung „Mary Jane“. Das erklärt sich aus der spanischen Sprache des Nachbarlandes Mexiko. Denn Mary Jane heißt auf Spanisch „Maria Juana“, was dem englischen Begriff für Gras schon sehr nah kommt.

Damit zählt Marihuana beziehungsweise Gras neben weiteren synthetischen Alternativen zu den sogenannten klassischen Cannabisprodukten. Aber auch, wenn die Cannabispflanze beziehungsweise Hanf als Droge konsumiert wird, so kann Cannabis ebenso gut als Arzneimittel eingesetzt werden. Dank der stark wirkenden Inhaltsstoffe, der sogenannten Cannabinoide wie THC (Tetrahydrocannabinol) oder CBD (Cannabidiol), setzt man die Blüten und Blütenblätter der Cannabispflanze zur Symptomlinderung bei verschiedenen Krankheiten ein.

Ordnet man demnach Hanf den Drogen zu, so ist dies aufgrund seiner berauschenden Wirkung wissenschaftlich korrekt. Allerdings können chronisch Schwerkranke in Deutschland seit dem 10. März 2017 Cannabis auf Rezept erhalten. So ist Haschisch oder Gras als Pflanze zu Drogen zu zählen, die weltweit genutzt werden (etwa 200 Mio. Konsumenten). Allerdings dürfen die medizinischen Einsatzmöglichkeiten dabei nicht außer Acht gelassen werden.

Hanfpflanze – Rohstoff mit Zukunft

Cannabispflanze: Hanf als Pflanze für die Zukunft
Die Hanfpflanze hat sich mittlerweile als anerkanntes Arzneimittel etabliert.

In Deutschland zählt die Hanfpflanze zu den nicht verkehrsfähigen Stoffen. Nach dem Bundesbetäubungsmittelgesetz sind Anbau, Herstellung, Abgabe, Handel und Veräußerung verboten. Ebenso ist der Erwerb und der Besitz von Cannabisprodukten nicht gestattet. Das Einzige, was nicht unter Strafe gestellt ist, ist der private Konsum von geringen Mengen. Straftaten wegen des Erwerbs solcher Kleinstmengen werden „in der Regel“ nicht weiterverfolgt und von der Staatsanwaltshaft eingestellt – allerdings basiert eben diese Regelung lediglich auf einer „Kann-Regelung“.

Wozu sollte man dann noch Cannabis anbauen beziehungsweise ernten?

Der Hanfanbau bietet allein deswegen enorme Vorteile, weil der Verwendungszweck der Cannabispflanze nicht auf Rauschmittel wie Marihuana oder Haschisch beschränkt ist. Denn vor allem die weibliche Hanfpflanze hat erheblich mehr zu bieten. Neben Hanf als Nahrungsmittel wie Hanfsamen oder Hanföl und Nutzhanf wird die Anwendung von Cannabis als Arzneimittel wissenschaftlich weiter untersucht und etwa per Rezept bereits seit 2017 an chronisch Schwerkranke verschrieben.

Eben jene weiblichen Cannabisblüten sollen nach vielen Wochen der Pflege und des Beobachtens schließlich geerntet werden. Damit die Ernte ein Erfolg wird, muss man die Blütenstände zur richtigen Zeit ernten. Der optimale Zeitpunkt kann allerdings je nach Sorte variieren.

Dies zeigt sich beispielsweise beim Unterschied zwischen der Sativa- und der Indica-Sorte. Während die anregend wirkende Hanfpflanze (Sativa) nach einer Blütezeit von bis zu elf Wochen geerntet werden kann, ist dies bei der eher entspannend wirkenden Cannabispflanze (Indica) bereits nach etwa acht Wochen der Fall. Da in den fertigen Blüten der männlichen Hanfpflanzen kaum Wirkstoffe stecken, sind sie für die Züchtung entbehrlich und spielen bei der Ernte keine Rolle.

Marihuana-Samen – wer darf sie pflanzen?

Marihuana Samen: wer darf anpflanzen?
Marihuana-Samen dürfen in Deutschland bislang nur mit Sondergenehmigung gepflanzt werden.

Ob man Marihuana-Samen pflanzen beziehungsweise Hanfsamen pflanzen darf, hängt entscheidend von der Sorte ab. Daher kommt es nicht von ungefähr, dass der Jurist auf die Frage zur Legalität des Hanfanbaus antwortet: „Es kommt ganz darauf an.“ Denn Hanf ist nun mal nicht gleich Hanf – erst recht nicht, wenn man von schätzungsweise 20.000 existierenden Hanfsorten ausgeht. Allerdings besteht der Großteil dieser Sorten aus sogenannten Hybriden (Kreuzung zweier unterschiedlicher Inzuchtlinien).

Jedenfalls darf man Cannabispflanzen nur dann anbauen, wenn das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM eine Sondergenehmigung erteilt. Auch dann ist der Anbau nur gestattet, wenn es sich dabei um eine Faserhanf-Sorte handelt, die man zum Nutzhanf zählt. Bei dieser Art von Hanfpflanzen sind der THC- und CBD-Gehalt sehr gering, wodurch eine berauschende Wirkung der Cannabispflanze praktisch ausgeschlossen ist. Für lediglich Hanf-ähnliche Pflanzen wie Falscher Hanf (Anthurium polyschistum) gelten natürlich keinerlei Einschränkungen.

Dagegen ist in Deutschland bereits der Besitz von Cannabisprodukten wie Haschisch oder Marihuana verboten. Damit lässt sich konsequenterweise ableiten, dass ebenso der Marihuana-Anbau verboten ist. Grundsätzlich gilt, dass aus Marihuana-Samen beziehungsweise Hanf-Samen getrenntgeschlechtige Pflanzen entstehen. Cannabis weist männliche und weibliche Blüten auf, die meist auf unterschiedlichen Pflanzen heranwachsen.

Männliche Hanfpflanze

Die männliche Hanfpflanze hat kein THC.
Die Blüten der männlichen Hanfpflanze haben keine Rauschwirkung.

Die Cannabispflanze ist eine zweihäusige Pflanzenart. Im Gegensatz zu den meisten Pflanzen bildet sie männliche und weibliche Pflanzen aus. Da die männliche Hanfpflanze im Unterschied zu ihrem weiblichen Pendant kein THC mit psychoaktiver Wirkung aufweist, könnte man annehmen, dass sie legal sei. Dem ist jedoch nicht so: Auch der männliche Hanf bleibt zum Beispiel in puncto Besitz und Anbau verboten.

Hanf anpflanzen bleibt in Deutschland somit nach §§ 29 ff. BtMG strafbar. Der Konsum von Hanf beziehungsweise Cannabisprodukten dagegen ist erlaubt, da das deutsche Recht das Konsumieren von Betäubungsmitteln als Selbstschädigung und demzufolge als straffrei bewertet.

Beim Hanfanbau ist es übrigens von wirtschaftlichem und medizinischem Interesse, das Geschlecht der Cannabispflanze möglichst frühzeitig festzustellen. Denn die männlichen Blüten der Cannabispflanze stellen für die wertvolleren weiblichen Blüten eine „Gefahr“ dar. Wird die weibliche Blüte von der männlichen Hanfpflanze beziehungsweise von männlichen Pollen bestäubt, bildet sie Samen und trägt zudem weniger oder weniger ausgebildete Blüten.

Woran erkennt man nun, ob die Hanfpflanze männlich ist? Dazu muss man bis zur Blütezeit warten und beobachten, ob die Pflanze Pollensäcke trägt, die wie kleine Kügelchen aussehen.

Weibliche Hanfpflanzen

Cannabis Pflanze: weibliche Hanfpflanzen
Weibliche Hanfpflanzen tragen weitaus mehr THC und CBD in sich als ihre männlichen Artgenossen.

Wer sich mit der Züchtung von Cannabispflanzen beschäftigt oder sogar Grasanbau selber betreibt, weiß, dass es fast ausschließlich auf die weiblichen Hanfpflanzen ankommt. Sie sind es, die die wertvollen Inhaltsstoffe oder Cannabinoide THC und CBD enthalten. Im Gegensatz zur weiblichen Cannabispflanze enthalten männliche Pflanzen dagegen nur einen verschwindend geringen Anteil dieser Cannabinoide mit berauschender beziehungsweise entspannender Wirkung.

Dennoch werden bei der Fortpflanzung der Cannabispflanze natürlich sowohl weibliche als auch männliche Pflanzen benötigt. Brechen die Pollensäckchen der männlichen Cannabispflanze auf, können die freigesetzten Pollen die weiblichen Hanfblüten bestäuben. Ein von Hanfbauern nicht gern gesehener Effekt. Denn die weibliche Hanfpflanze entwickelt nach der Bestäubung durch die männlichen Pollen selber Samen und eine nur eingeschränkte Blüte.

Gerade die ausgebildeten Blüten der weiblichen Hanfpflanze sind es jedoch, die zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten bieten und demzufolge auf dem Markt gefragt sind. Auf der einen Seite ist dies die berauschende Wirkung, insbesondere durch den THC-Gehalt bedingt. Auf der anderen Seite wird das in den weiblichen Blüten enthaltene, entspannende CBD verstärkt zur Schmerzlinderung bei chronisch Kranken eingesetzt.

Im Vergleich zu den männlichen Pflanzen tritt die Blüte bei der weiblichen Hanfpflanze leicht verspätet ein. Allein durch das Aussehen kann man weibliche Hanfsamen im Übrigen nicht sofort erkennen – das Geschlecht wird vielmehr erst wenige Wochen vor der Blüte sichtbar.

Cannabispflanze – Blütephase

Hanfpflanze: Blütephase
Die Blütephase der Cannabispflanze dauert circa zwei bis drei Monate an.

Die Cannabispflanze und ihre Blütephase sollen sich möglichst ertragreich und von hoher Qualität zeigen. Schleichen sich Fehler während der Blütephase ein, ist beides in Gefahr. Cannabispflanzen und ihre Blüten von besonderer Qualität sind insbesondere für den Einsatz als Arzneimittel bedeutsam. Umso mehr, als durch das „Cannabisgesetz“ vom 10. März 2017 jeder Arzt einem schwer kranken Patienten Cannabisblüten auf Rezept verschreiben kann.

Worauf ist bei der Blüte zu achten? Noch bevor sich der Hanfanbauer darum kümmert, welche Maßnahmen er während der Blütezeit anwenden sollte, sind bei der Cannabispflanze drei vorherige Wachstumsphasen zu beobachten. Diese sind unterteilt in:

  • Keimungsstadium – Dauer: ca. 2–10 Tage
  • Sämlingstadium – ca. 2–3 Wochen
  • vegetatives Stadium – ca. 3–15 Wochen

Die Blütezeit der Cannabispflanze selbst dauert etwa 8–11 Wochen an. Erst danach können die eigentlichen Cannabisblüten geerntet werden. Dabei kann es sich lohnen, den Wachstumsprozess zu dokumentieren und von der Cannabispflanze Bilder zu machen. Die zeitlich sehr unterschiedlichen Wachstumsphasen variieren je nach Art und Standort des Samens.

Denn die Cannabispflanze ist eine photoperiodische Pflanze, wonach Entwicklung und Wachstum von der Tageslänge abhängt. Wenn die Tage ab Herbst wieder kürzer werden, beginnt draußen die Blütephase der Cannabispflanze. Im Inneren muss man manuell nachhelfen und die Photoperiode künstlich auf einen 12-stündigen Licht-Dunkel-Zyklus ein- oder umstellen.

Cannabis-Wirkung

Cannabis hat eine wissenschaftlich erwiesene, medizinische Wirkung.
Die Cannabis-Wirkung wurde bereits in diversen medizinischen Studien unter Beweis gestellt.

Nimmt man die Cannabis-Wirkung genauer unter die Lupe, so erkennt man das immense Potenzial, das in der Hanfpflanze steckt. Während man den Nutzhanf bereits vor tausenden Jahren in seiner großen Vielseitigkeit entdeckte, sind es seit einigen Jahrzehnten die Inhaltsstoffe, die Wissenschaftler und Konsumenten gleichermaßen faszinieren. Dabei kämpft der Hanf noch heute gegen seinen ihm anhaftenden, eher schlechten Ruf an. Man darf sagen: mit Erfolg.

Denn auch wenn Cannabis für Viele nur für die illegale, süchtig machende Droge steht, ist eine signifikante medizinische Wirkung der Pflanze längst erwiesen. Dabei steht bei der Cannabispflanze weiterhin das Cannabinoid Tetrahydrocannabinol (THC) im Fokus. Was ist THC eigentlich genau und wie wirkt es auf den menschlichen Körper?

Vor allem das Cannabinoid Tetrahydrocannabinol der Hanfpflanze entfaltet eine berauschende Wirkung, weswegen zum Beispiel das strukturidentische, teilsynthetische Dronabinol unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Es kann jedoch als Rezepturarzneimittel vom Arzt verschrieben werden und hat unter anderem einen schmerzlindernden, antiemetischen (verhindert Brechreiz) oder appetitanregenden Effekt.  

Ähnlich wie THC oder Dronabinol können chronisch Schwerkranke das aus getrockneten Marihuana-Blüten gewonnene CBD-Cannabisöl per Rezept erhalten. Dronabinol enthält im Gegensatz zu CBD (Cannabidiol) beziehungsweise CBD-ÖL größere Mengen an THC und ist daher für den Privatkonsumenten nicht erhältlich. Dem Cannabinoid CBD sagt man aufgrund präklinischer Studien im Vergleich zu THC weitaus mehr positive Effekte nach.

Ergänzend zu den THC-Effekten reicht die Cannabis-Wirkung in Gestalt von CBD entsprechend weiter: Es kann unter anderem antikonvulsiv (krampflösend), angstlösend, antibakteriell, antipsychotisch oder entzündungshemmend wirken. Auch Haschischöl kann sowohl als Rauschmittel als auch als Arzneimittel verwendet werden. Haschischöl ist ein Extrakt mit meist hohen THC-Werten. Man gewinnt es aus dem Harz der Blütenstände.

THC: Was kann das Cannabinoid bewirken?

Die THC-Formel lautet C₂₁H₃₀O₂.
Tetrahydrocannabinol (THC) kommt ausschließlich in der Cannabispflanze vor.

THC, auch bekannt unter dem internationalen Freinamen Dronabinol oder der etwas präziseren Bezeichnung Delta-9-Tetrahydrocannabinol, ist eines von circa 113 erforschten Cannabinoiden. Die THC-Formel lautet: C₂₁H₃₀O₂. Solche Cannabinoide kommen ausschließlich in der Cannabispflanze vor. Der natürliche Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol wirkt dabei auf das menschliche Endocannabinoidsystem, welches wiederum verschiedene Lebensfunktionen beeinflusst.

Cannabinoide wie etwa THC können eine Wirkung auf das zentrale beziehungsweise periphere Nervensystem auslösen, indem sie an die vorhandenen Rezeptoren andocken. Hanf beziehungsweise die Cannabispflanze und ihr Bestandteil THC ist durchaus als Droge einzustufen. Dabei darf man jedoch die pharmakologische Bedeutung von THC nicht außer Acht lassen – trotz oder gerade wegen der psychoaktiven Wirkung von Cannabis beziehungsweise dem Cannabinoid THC.

Ärzte jeder Fachrichtung können in Deutschland Dronabinol auf Rezept verschreiben. Die Liste der pharmakologischen Wirkungen durch THC zugunsten der Patienten ist lang: THC (Dronabinol) kann zum Beispiel schmerzlindernd, entzündungshemmend, muskelentspannend und antiemetisch (gegen Brechreiz) wirken.

Wo genau ist der größte Anteil an THC in der Cannabispflanze zu finden? Zwar enthalten die Blätter der Hanfpflanze Cannabinoide. Allerdings findet man in den Blüten selbst die größte Konzentration an THC (2 bis 30 %).

CBD-Öle

CBD-Öle besitzen keine berauschende Wirkung,
CBD-Öle gewinnt man als Extrakt aus den (weiblichen) Blüten der Cannabispflanze.

Cannabidiol (CBD) ist neben Tetrahydrocannabinol (THC) eines von insgesamt 113 identifizierten Cannabinoide der Cannabispflanze. Sogenannte CBD-Öle sind Extrakte, die man aus den Blättern, vor allem aber aus den weiblichen Blüten der Hanfpflanze gewinnt. Genauer gesagt, erhält man die Extrakte zum Beispiel durch CO2-Extraktion aus den Blüten des Nutzhanfs. Denn Nutzhanf-Sorten sind für die Herstellung von CBD-Produkten wie etwa CBD-Tropfen zugelassen. Wer CBD-Öle kaufen will, sollte auf gute Qualität achten. Die erhält man meist dann, wenn man Vollspektrumextrakte bestellt.

Um welche Sorten es sich dabei genau handelt, regelt der EU-Sortenkatalog. Gleichzeitig müssen die CBD-Endprodukte einen THC-Richtwert von unter 2 % halten, wodurch die berauschende Wirkung nahezu ausgeschlossen werden kann. Zu der Frage, ob CBD süchtig macht, hat nach einer Studie der WHO ergänzend der Europäische Gerichtshof festgestellt, dass davon nicht ausgegangen werden kann: CBD ist demzufolge nicht als Suchtstoff zu klassifizieren.

Dennoch dürfen unverarbeitete CBD-Blüten, die Knospen der Hanfpflanze, legal derzeit nur in Apotheken gegen BtM-Rezept ausgegeben werden. Auch dann, wenn sie einen THC-Gehalt von höchstens 2 % aufweisen.

Was ist Cannabisöl? Diese Bezeichnung findet sowohl für CBD-Öle als auch für THC-Öle Anwendung. Cannabisöl mit THC ist für medizinische Zwecke legal nur auf Rezept erhältlich. Da es unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, ist ein sogenanntes BtM-Rezept erforderlich. Für CBD-Öle ohne THC reicht ein herkömmliches Rezept.

CBG-Öl – das neue Trendöl?

CBG-Öl (Cannabigerol) kann bei gesundheitlichen Problemen helfen.
CBG-Öl ist frei verkäuflich und kann bei Entzündungen und Schlafstörungen helfen.

Die beiden Phytocannabinoide CBD und THC, die von der Hanfpflanze natürlich produziert werden, sind die am besten erforschten Cannabinoide der Cannabispflanze. Daneben scheint jedoch das Cannabinoid Cannabigerol (CBG) seinen Platz nicht nur im Naturheilkunde-Sektor zu suchen. Es ist in zwei Formen verfügbar, nämlich als CBG-Öl und CBG-Blüten.

CBG gilt sozusagen als das ursprünglichste aller Cannabinoide. Gerade in noch unreifen Pflanzen finden sich hohe Anteile von Cannabigerol, das sich in der Wachstumsphase in andere Cannabinoide wie CBD oder THC umwandelt.

Warum Cannabigerol seinen kleinen Siegeszug hinlegen konnte, mag daran liegen, dass es bei verschiedenen gesundheitlichen Problemen zu helfen weiß. Nach den bisher erfolgten Forschungsergebnissen kann CBG seine positive Wirkung unter anderem bei den folgenden Symptomen zeigen:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Entzündungen
  • Schlafstörungen
  • Stress
  • neurodegenerative Erkrankungen

Machen CBG-Blüten high? Nein, das ist nicht möglich. Da Cannabigerol aus Nutzhanf extrahiert wird, der EU-zertifiziert ist, enthält es keine berauschenden beziehungsweise psychoaktiven Eigenschaften. Man kann CBG-Öl als leicht dosierbare CBG-Tropfen oder CBG-Blüten auch online kaufen. Die Tropfen sind entweder peroral einzunehmen oder bei Bedarf auf die schmerzende Hautstelle aufzutragen. Ob solche Präparate immer auch offiziell verkehrsfähig sind, das ist eine andere Frage.

Cannabiskonsum Deutschland?

Cannabiskonsum in Deutschland
Der Cannabiskonsum in Deutschland ist durch das „Cannabis-Gesetz“ leicht gestiegen.

Die Cannabispflanze dient heutzutage nicht mehr ausschließlich als Nutzpflanze, Nahrungsmittel oder Rauschmittel. Denn vor allem seit 2017 ist medizinisches Cannabis in Deutschland offiziell im pharmakologischen Einsatz und kann chronisch Schwerkranken als Rezepturarzneimittel verschrieben werden. Vielleicht liegt es genau an dieser zusätzlichen Einsatzmöglichkeit der Hanfpflanze, weswegen der Cannabiskonsum in Deutschland weiterhin als hoch einzuschätzen ist.

Nach Angaben der Statista GmbH lag die 12-Monats-Prävalenz im Jahr 2021 bei 18,4 %. Danach gab demzufolge fast jeder Fünfte an, in den vergangenen zwölf Monaten Cannabis konsumiert zu haben.

Die Anwendung von Cannabisprodukten in der Medizin führt allerdings keineswegs dazu, dass die Cannabispflanze an sich für den Privatkonsumenten legal ist. Im Gegenteil: Wer Cannabis selber züchten beziehungsweise anbauen möchte, muss das EU-zertifizierte Saatgut als landwirtschaftlich tätiger Unternehmer vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) genehmigen lassen.

Der Konsum von Marihuana ist nicht verboten

Noch immer gilt, dass der Konsum von Betäubungsmitteln wie Hasch oder Marihuana nicht verboten ist. Aber sowohl der Anbau und Verkauf sowie der Erwerb und bereits der Besitz an sich sind dagegen strafbar. Zudem ist medizinisches Cannabis nicht ausschließlich mit positiven Effekten zu bewerten. Bei der Anwendung beziehungsweise Einnahme von Cannabisprodukten als Arznei wurden auch Nebenwirkungen festgestellt. Darunter fallen Symptome wie Müdigkeit, Mundtrockenheit, Schwindel oder Übelkeit.

Bei der Frage, wodurch solche negativen Effekte bedingt sein können, lohnt sich ein wissenschaftlicher Blick auf die verschiedenen Cannabissorten. Danach ist die Wirkung von Cannabis auch von den einzelnen Sorten abhängig. Konkret bedeutet dies, dass die Sativa-Wirkung wegen des hohen THC-Gehalts als eher anregend gilt, während man der Indica-Wirkung entspannende Effekte zuschreibt.

Im Ergebnis ist es wohl der Vielfältigkeit der Einsatzmöglichkeiten zuzusprechen, weswegen die Nachfrage nach Cannabisprodukten permanent steigt. Der Cannabiskonsum in Deutschland wächst dabei in dem Maße, dass man hierzulande den Import aus Ländern wie Kanada oder den Niederlanden bemühen muss.

Cannabis-Legalisierung: Deutschland am Wendepunkt?

Die Cannabis-Legalisierung ist gesetzlich noch nicht verankert.
Die Cannabis-Legalisierung ist in Deutschland noch nicht gesetzlich verankert.

Ob es bei Cannabis zur Legalisierung in Deutschland kommen beziehungsweise reichen wird, steht noch in den über dem Bundestag prangenden Sternen. Die Regierungskoalition 2021 der Parteien SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen wollen eine entsprechende Gesetzesänderung auf den Weg bringen. Danach gilt Cannabis nicht mehr nur als illegales Rauschmittel, sondern der Privatkonsument soll Cannabis sodann als Genussmittel bis zu einer Höchstmenge von 20 bis 30 Gramm besitzen dürfen.

Eine solche Neuerung würde große Veränderungen mit sich bringen, da Cannabis als Medikament momentan nur unter besonderen Voraussetzungen zu bekommen ist:

  • Medizinische Cannabisblüten oder Cannabinoidprodukte wie Cannabisextrakte sind lediglich für schwer / chronisch Erkrankte vorgesehen.
  • Medizinisches Cannabis muss von einem Arzt verschrieben werden.
  • Das Medikament muss in einer kontrollierten Qualität vorliegen.
  • Der Patient erhält die aus der Cannabispflanze hergestellte Fertigarznei oder das Rezepturarzneimittel ausschließlich in der Apotheke.

Weiterhin in Deutschland verboten bleibt der private Anbau der Hanfpflanze, um vielleicht selbst bei Marihuana, Weed oder Gras die Blüte ernten zu können. Neben der Herstellung von Cannabis sind auch der Handel, die Einfuhr und die Veräußerung von Hanfprodukten wie getrocknete Cannabis-Blätter gemäß §§ 29 ff. BtMG (Betäubungsmittelgesetz) strafbar. Die Nachfrage mag aus unterschiedlichen Gründen hoch sein – eine Cannabis-Legalisierung in Deutschland gibt es bisweilen (noch) nicht.

Cannabis: Wirkung und Nebenwirkungen?

Cannabis kann neben seiner heilenden Wirkung auch ungewollte Nebenwirkungen wie Müdigkeit haben.
Die beruhigende Cannabis-Wirkung kann erwünscht sein oder sich als ausgeprägte Müdigkeit zur Nebenwirkung auswachsen.

Wie bei fast jedem in der Apotheke erhältlichen Medikament kann auch Arznei mit Cannabis Nebenwirkungen auslösen. Eine positive Wirkung von Cannabis beziehungsweise von Produkten der Cannabispflanze in der medizinischen Nutzung wird zwar von vielen Probanden in zahlreichen Studien bestätigt. Eine solche Wirkung wird unter anderem als schmerzlindernd, antiemetisch, entzündungshemmend oder entkrampfend beschrieben. Dennoch bemängeln Kritiker, dass nicht ausreichend Studien vorlägen, welche die Wirksamkeit von Cannabis-Arzneimitteln wissenschaftlich bestätigen würden.

Welche Auswirkungen kann Cannabiskonsum haben? Eine Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zuletzt 2018 bestätigt, dass die Inhaltstoffe von Cannabis neu bewertet werden müssten. Demnach sei ein Vergleich mit Heroin nicht gerechtfertigt, vielmehr sei der medizinische Nutzen von Cannabis anzuerkennen.

Auf der anderen Seite wurden in Einzelfällen folgende Nebenwirkungen von Cannabis bestätigt:

  • Müdigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Schwindel
  • Mundtrockenheit
  • Herzrasen
  • Appetitsteigerung
  • und andere

Letztendlich könnte man sagen, dass die Wirkung und damit auch unerwünschte Nebenwirkungen des Cannabiskonsums im individuellen Fall sowohl vom Präparat selbst aber auch von der verabreichten Dosis abhängen. Da Rezepturarzneimittel oder der Medizinal-Hanf meist im Rahmen einer Therapie verordnet werden, sind schwerere Nebenwirkungen durch Cannabis meist zu verhindern. Denn die Anfangsdosis der Cannabisarznei wie auch deren Erhöhung werden vom Arzt begleitet, der die Verträglichkeit somit engmaschig kontrolliert.

Medizinisches Cannabis: Sorten-Vielfalt

Medizinisches Cannabis und seine Sorten-Vielfalt.
Medizinisches Cannabis wird aus den Sorten Sativa oder Indica hergestellt.

Medizinalhanf beziehungsweise medizinisches Cannabis und seine verschiedenen Sorten sind im wahrsten Sinne in aller Munde. Seit dem Cannabis-Gesetz von 2017 werden bestimmte Produkte der Cannabispflanze auf Rezept verschrieben – Tendenz steigend. Daher lohnt sich ein Blick auf die sogenannten Ursprungssorten Cannabis sativa L. und Cannabis indica Lam., aus denen eine Vielzahl an gezüchteten Cannabissorten entstanden sind.

Die hochwachsenden Sativa-Sorten gelten dabei als die bekannteste Spezies. Cannabis Sativa enthält im Vergleich zu den Indica-Sorten einen hohen Anteil an Tetrahydrocannabinol (THC). THC ist bekannt für seine psychoaktive Wirkung, daneben aber auch für seine pharmakologischen, anregenden Effekte, die sich unter anderem positiv auf Konzentration, Wachsamkeit oder Kreativität auswirken sollen. Dagegen besitzt die kleinwüchsige Sorte Cannabis Indica große Anteile von Cannabidiol (CBD) und wirkt demzufolge entspannend, entzündungshemmend oder schmerzlindernd. Für die Anwendung als medizinisches Cannabis werden zudem Hybrid-Sorten eingesetzt, bei denen die gewünschte THC- und CBD-Verteilung durch Züchtung gezielt gesteuert wurde.

Zu den bekanntesten Kreuzungen gehören Haze-Sorten wie etwa Purple Haze oder auch Banana Kush, die man jeweils zu den Sativa-Sorten zählt. Während Northern light eher der Gruppe der Indica-Sorten zugeordnet wird, stellt Royal Gorilla eine Hybridsorte mit hohem THC-Gehalt dar, die als Kreuzung aus 50 % Indica und 50 % Sativa gilt.

Alternative Behandlungsmethoden – Hilfe durch Cannabis

Cannabis: alternative Behandlungsmethode
Die Erfolge bei alternativen Behandlungsmethoden sprechen für den Einsatz von medizinischem Cannabis.

Als der Gesetzgeber Anfang 2017 mit dem Cannabis-Gesetz den Medizinalhanf auf Rezept freigab, war dies der Startschuss für alternative Behandlungsmethoden. Methoden, die ihrem Namen alle Ehre machen, nämlich für viele chronisch Schwerkranke echte Alternativen darstellen sollen. Dies gilt vor allem für die Fälle, in denen insbesondere die Schmerzbehandlung mit den bisher verabreichten Medikamenten nicht oder nicht mehr den erhofften Erfolg erzielten.

Die medizinische Wirkung der Cannabispflanze, die auf die Inhaltsstoffe CBD (Cannabidiol) und THC (Tetrahydrocannabinol) zurückzuführen sind, haben hinsichtlich der zu behandelnden Symptomatik ein breites Spektrum an positiven Effekten. Gerade bei chronischen Rückenschmerzen können Cannabinoide helfen, dem Nervensystem im Rückenmark wieder entscheidende Impulse zu setzen.

In amerikanischen Studien konnten Cannabisprodukte bei der Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne ähnlich gute Erfolge verzeichnen. Die Erfolgsquote lag hier immerhin bei 88 %. Dabei zeigten sich Extrakte der Cannabispflanze etwas effektiver als der medizinische Einsatz von Blüten. Bei Schlafstörungen soll wiederum CBD-Öl am ehesten die gewünschte Wirkung erzielen. Cannabidiol oder das in einigen Vollspektrumölen enthaltene Cannabinol (CBN) soll Betroffene nicht nur schneller in den Schlaf bringen, sondern diesen auch wohltuend verlängern.

Ob medizinisches Cannabis wirksam gegen Epilepsie hilft, kann wissenschaftlich noch nicht abschließend bestätigt werden. Dennoch besitzen die Cannabinoide THC und CBD eine antikonvulsive, das heißt eine Epilepsie verhindernde Wirkung, insbesondere bei Dravet- und Lennox-Gastaut-Syndromen. Eine alternative Behandlungsmethode bei der Krebsbehandlung ist in medizinischem Cannabis insofern zu sehen, als es die Begleitbeschwerden wie Übelkeit, neuropathische Schmerzen oder Appetitlosigkeit zu lindern vermag. Daher ist der Einsatz von Cannabis im Rahmen einer komplementären Krebstherapie gut geeignet.


Dieser Artikel beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zu einem Gesundheitsthema und dient somit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls einen Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen unsere Redakteure nicht beantworten.

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